WIE FORSCHER DEN ALTERUNGSPROZESS AUFHALTEN WOLLEN

Weltweit arbeiten Wissenschaftler daran, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Wem es zuerst gelingt, dem winken viele Milliarden. Ein US-Amerikaner behauptet: Er stünde kurz vor einem Durchbruch.

Nir Barzilais Gegner sind die Scharlatane und der Tod. Er bekämpft sie in seinem schmalen Labor, unter dem fahlen Licht von Neonröhren, zwischen Werkbänken und Regalen, die vor Glaskolben, Zentrifugen und Mikroskopen fast überquellen.

Barzilai, 59 Jahre alt, schmal, mit grauem Haupt und markanter schwarzer Brille, ist der Direktor des Institute of Aging in New York. Und er ist einem der großen Rätsel der Menschheit auf der Spur. Warum, fragt er sich, altert der Mensch? Lässt sich der Prozess des Alterns aufhalten? Und falls ja: wie?

Menschen wollen den Tod austricksen.

Forscher versprechen Wundermittel, Doktoren schwören auf neue Therapien, und Wissenschaftler entwickeln Stahltanks und Techniken, in denen Menschen sich nach ihrem Tod einfrieren lassen, um in Zukunft lebendig wieder aufgetaut werden zu können.

Diabetesmittel soll Alterungsprozess ausbremsen.

Er glaubt, einen Wirkstoff zu kennen, der den Prozess des Alterns deutlich verlangsamt und so typische Alterskrankheiten wie Demenz, Krebs oder Arteriosklerose womöglich verhindern kann: Metformin. Kein neues Wundermittel, sondern etwas, das seit Jahrzehnten erfolgreich zur Behandlung von Diabetes eingesetzt wird.

Im kommenden Jahr will Barzilai mit seinem Team eine große Studie beginnen, die erste ihrer Art: 3000 Amerikaner werden daran teilnehmen, Männer und Frauen zwischen 65 und 79 Jahren. Die Studie soll zum ersten Mal Daten liefern, nicht Vermutungen. Sie soll überprüfbare Erfolge aufzeigen, nicht die Geschichte eines angeblich wundersamen Einzelfalls, die sich nicht überprüfen lässt.

Ein Leben in ewiger Jugend wirft viele Fragen auf.

Er weiß, dass er mit seiner Forschung an Erinnerungen und Ängste der Menschen rührt: die Vergänglichkeit ihrer Nächsten. So hat ja auch für ihn alles angefangen. Er war ein Junge, sein Großvater zeigte ihm Fotos. „Ich sah ihn an“, sagt Barzilai, „dann die Fotos und fragte mich, ob das wirklich derselbe Mensch sein soll. Was ist da passiert?“ Irgendwann sei ihm klar gewesen, dass er sein Leben dem Altern widmen würde. So erzählt Barzilai die Geschichte.

Ob die Anekdote stimmt oder nicht, Barzilai verfolgte seinen Weg. Studierte Medizin in seiner Heimat, in Haifa, Israel, wurde ärztlicher Leiter des israelischen Militärs, spezialisierte sich dann auf Endokrinologie, die Hormonforschung. „Viele Prozesse des Alterns haben mit Hormonen zu tun“, sagt Barzilai, „daher meine Wahl. Das Problem war nur, es gab einfach keine verlässlichen Daten.“

Weiter zum Artikel, WELT – N24, den 20.01.2016

NADH – WIRKUNG UND MÖGLICHE DOSIERUNG

Nicotin(säure)amid-Adenin-Dinukleotid, abgekürzt NAD+, ist ein wichtiges Coenzym und Oxidationsmittel in allen lebenden Zellen.

Es besteht aus zwei Nukleotiden, einem Adenin und einem Nicotinamid, die über ihre Phosphatgruppen miteinander verbunden sind. Es ist an zahlreichen Redoxreaktionen der Zelle beteiligt, also Reaktionen, bei denen negativ geladene Elektronen oder positiv geladene Wasserstoffionen, auch Protonen genannt, übertragen werden.

NAD+ und seine reduzierte, also die „beladene“ Form, NADH, treten in diesen Reaktionen als Trägermolekül der geladenen Teilchen auf. Insgesamt nimmt ein Molekühl NAD+ zwei Elektronen und ein Proton auf. Damit wird es zur reduzierten und aktivierten Form NADH.

Als solches aktivierte Trägermolekül nimmt es an Biosynthese-Reaktionen teil, denen ohne NADH nicht genug Energie zur Verfügung stehen würde. NADH befördert die energiereichen Elektronen zu unterschiedlichen Zielen in der Zelle und gibt die Elektronen leicht ab, da es ohne sie wieder die energetisch bevorzugte Form annehmen kann. In der Zelle liegt der Stoff überwiegend in seiner oxidierten Form NAD+ vor.

In den Mitochondrien gibt NADH seine energiereichen Elektronen in die Elektronentransportkette der Mitochondrien-Membran. Unter Verbrauch von Sauerstoff entsteht so die Energiespeicherform der Zelle, ATP, ein weiteres, aktiviertes Trägermolekül. Die Reduktionskraft des bei der Verdauung von Glukose entstandenen NADH treibt die ATP-Produktion an.

Der tägliche Bedarf an Nicotinamid (Niacin, VitaminB3)  für einen gesunden NAD+/NADH-Level wird auf etwa 5 Milligramm bei Kindern bis zu 20 Milligramm bei Erwachsenen geschätzt. In Industrienationen treten Mangelerscheinungen in der Regel nicht auf. Eine schlechte Ernährung, Alkoholsucht, Aids oder andere Krankheiten können jedoch einen Mangel hervorrufen, der zu Pellagra führen kann, zu deren Symptomen Dermatitis, Demenz und Durchfall gehören.

Weiter zum Artikel, VITALSTOFFMEDIZIN, den 25.03.2017

 

NEUER MECHANISMUS DER GEN-INAKTIVIERUNG KÖNNTE VOR ALTERN UND KREBS SCHÜTZEN

Wenn im Genkörper Methylgruppen fehlen, kann Krebs entstehen. Die Funktion der DNA-Methylierung als „An-/Aus-Schalter“ an den Startpunkten (Promotern) von Genen ist seit einiger Zeit bekannt. Warum es aber auch innerhalb der einzelnen Gene (im sog. Genkörper) Methylgruppen gibt, war bislang völlig unklar.

Forscher um Francesco Neri vom Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena, und seine Kollegen von der Human Genetics Foundation und der Universität Turin, Italien, konnten nun erstmals nachweisen, dass Gene auch dann fehlerhaft ausgelesen werden, wenn es jenseits des Promoters im Genkörper zum Verlust der schützenden Methylgruppen kommt.

In der Folge werden abnorme Proteine produziert, die den Zellaufbau stören, so dass Funktion und Identität der Zelle massiv gestört werden: die Zelle entartet, Krebs kann entstehen. Damit ist eines der großen Geheimnisse um die DNA-Methylierung gelüftet. Die außergewöhnlichen Ergebnisse wurden am 22. Februar im renommierten Fachmagazin Nature veröffentlicht.

Gen-Auslese lässt sich chemisch steuern: Ein Ansatzpunkt zur Krebstherapie?

„Was die Ergebnisse so spannend macht, ist, dass wir jetzt endlich verstehen, warum bei vielen Krebszellen die DNA zu wenig methyliert ist. Ihr fehlt damit der Schutz vor einer Fehlaktivierung, so dass abnormale Proteine entstehen und es dadurch zur Ausbreitung von Krebszellen kommen kann“
, erklärt Dr. Francesco Neri, Forschungsgruppenleiter am FLI und einer der Leiter der Studie. Im Gegensatz zu Fehlern, die sich im Laufe des Lebens in der DNA anhäufen, sind solche epigenetischen Veränderungen, wie sie bei der DNA-Methylierung vorkommen, aber prinzipiell mit chemischen Botenstoffen steuerbar.

„Dieses völlig neue Verständnis davon, dass am Genkörper ohne DNA-Methylierung entartete Proteine entstehen können, liefert auch einen neuen Ansatz für die Krebstherapie. Denn wenn wir einen Weg finden, Methylgruppen zu freiliegenden DNA-Sequenzen von Krebszellen zu transportieren, können wir die Vermehrung von Krebszellen in Zukunft möglicherweise verhindern“, hofft Dr. Neri. Doch bis dahin ist es für den jungen Forscher noch ein weiter Weg.

Weiter zum Artikel, INNOVATIONS-REPORT, den 23.02.2017

EPIGENETISCHER EINGRIFF HÄLT ALTERUNG AUF

Teilweise reprogrammierte Zellen verlängerten die Lebensspanne von Mäusen um ein Drittel – gleichzeitig sinkt wohl das Risiko von Tumoren oder Fehlbildungen

In einem Labor lebten Mäuse sechs Wochen länger als erwartet – dank teilweise reprogrammierter Zellen. Zudem zeigten die Mäuse weniger Alterserscheinungen. Laut den Forschern um Aljandro Ocampo vom Salk Institute for Biological Studies in La Jolla (USA) ist dies das erste Mal, dass durch nur teilweise reprogrammierte Zellen die Lebenszeit eines Lebewesens verlängert wurde. Erreicht haben das die Forscher, indem sie epigenetische Marker in den Zellen der Mäuse veränderten. Dazu nutzten sie den gleichen Mechanismus, der auch aus normalen Körperzellen pluripotente Stammzellen erzeugt: die Yamanaka-Faktoren, für deren Entdeckung es 2012 den Nobelpreis gab.

Bei den Versuchstieren handelte es sich um spezielle Mäuse, die durch eine Mutation eine kürzere Lebensspanne als gesunde Mäuse haben. Außerdem setzen bei ihnen durch die Mutation Alterungsprozesse vieler Organe und Gewebe früher ein. An solchen Tieren untersuchen Forscher, ob und wie Therapien diese Alterungsprozesse bremsen könnten.

Schließlich zeichnen sich pluripotente Stammzellen durch eine hohe Teilungsrate und ein schnelles Wachstum aus – die gleichen Fähigkeiten besitzen auch Krebszellen. Die Forscher konnten die Tumorbildung jedoch vermeiden, indem sie die Zugabe des Antibiotikums anpassten, das die Yamanaka-Faktoren aktiviert: Die Nager erhielten zwei Tage den Wirkstoff Doxycyclin, darauf folgten fünf Tage Pause.

Weiter zum Artikel, SPEKTRUM, den 16.12.2016

OBOKATA VERTEIDIGT STUDIE ZUR ZELLVERJÜNGUNG

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Das Team um Obokata aus Japan und den USA hatte Ende Januar in Nature berichtet, dass es unter anderem mit Säure Körperzellen neugeborener Mäuse in eine Art embryonalen Zustand zurückversetzt hätte. Es hätte ausgereicht, T-Zellen in Flüssigkeit mit einem pH-Wert von 5,4 bis 5,8 baden zu lassen, schrieben die Forscher. Das Entstehen von Pluripotenz durch einen Reiz, stimulus-triggered acquisition of pluripotency, nannten sie kurz STAP.

Diese STAP-Zellen könnten sich wieder in nahezu jedem Zelltyp entwickeln, berichtete das Team damals. Allerdings fand das Institut heraus, dass Aufnahmen in der Studie solchen aus Obokatas Doktorarbeit aus dem Jahr 2011 ähnelten.

Sie habe gedacht, dass das kein Problem sei, solange sie die Ergebnisse ihrer Forschung richtig präsentiere, sagte Obokata. Es sei nicht irreführend gewesen und daher auch keine Fälschung. Sie habe die Darstellungen kopiert, um ihre Präsentation eingängiger aussehen zu lassen. Sie habe die Daten zudem nicht richtig verwaltet. Sie sei aber auch nicht richtig ausgebildet worden, wie mit solchen Darstellungen in Forschungspapieren umzugehen sei, fügte sie hinzu.

Stammzellforscher arbeiten weltweit daran, Zellen aus Haut, Blut oder anderem Gewebe in einen Zustand zurückzuversetzen, in dem sie sich – wie embryonale Stammzellen – noch in alle möglichen Gewebe entwickeln können. Wissenschaftler nennen diese Fähigkeit Pluripotenz.

Das Ziel ist es, aus solchen Zellen eines Tages Ersatzgewebe zu züchten – für Menschen, die an Erkrankungen leiden, bei denen Zellgewebe abgestorben ist. Könnte man Alzheimer-Patienten etwa im Labor herangewachsene Gehirnzellen einpflanzen, könnte das ein Ansatz zur Heilung sein. Ähnliche Ideen gibt es zur Behandlung von Herzinfarkt-Patienten oder Gelähmten, deren Rückenmark verletzt wurde.

Bisher braucht man für solche Versuche entweder Stammzellen aus Embryonen – was ethisch umstritten ist – oder man muss ausgewachsene Zellen mit komplexen genetischen Methoden verjüngen, was diverse Probleme und Nebenwirkungen mit sich bringt.

Weiter zum Artikel, ZEIT, den 09.04.2016

DIE NEUE GEN-REVOLUTION

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CRISPR/Cas9 – dieses merkwürdige Kürzel steht für ein neues Verfahren, um DNA-Bausteine im Erbgut zu verändern, so einfach und präzise, wie es bis vor kurzem unvorstellbar war. In der Welt der Gentechnik ist es wirklich eine Revolution. Obwohl es „natürlicherweise“ aus Bakterien stammt, funktioniert CRISPR in nahezu allen lebenden Zellen und Organismen: Es verspricht neue Möglichkeiten gegen Aids, Krebs und eine Reihe von Erbkrankheiten – aber auch bei der Züchtung von Pflanzen und Tieren. Noch wird es einige Zeit dauern, bis mit CRISPR „editierte“ Produkte auf den Markt kommen. Doch schon jetzt ist ein heftiger Streit entbrannt. Im Kern geht es darum, ob solche Pflanzen oder Tiere als „gentechnisch verändert“ anzusehen sind oder eher natürlichen Mutationen gleichen.

CRISPR/Cas9 ist eine neue, molekularbiologische Methode, um DNA gezielt zu schneiden und anschließend zu verändern. Auf diese Weise können einzelne Gene – genauer: DNA-Bausteine – umgeschrieben oder „editiert“ werden. Solche Verfahren, zu denen etwa auch Zinkfinger-Nukleasen oder TALEN gerechnet werden, bezeichnet man daher zusammenfassend als Genome Editing (auch: Gene Editing).

Ursprünglich stammt das CRISPR/Cas-System aus Bakterien. Es dient ihnen als eine Art Immunsystem, mit dem sie Angriffe von Viren erkennen und abwehren können. Erst vor wenigen Jahren (2012) hatten zwei Molekularbiologinnen (siehe Kasten links) die geniale Idee, daraus ein molekularbiologisches Werkzeug zu entwickeln. Zur großen Überraschung funktioniert es nicht nur bei Bakterien, sondern universal bei allen lebenden Zellen – in menschlichen, aber auch in denen von Tieren und Pflanzen.

Im Kern laufen alle Genome Editing-Verfahren in drei Schritten ab: Zunächst muss im riesigen Genom einer Pflanze – das oft aus Milliarden Basenpaaren (DNA-Bausteine) besteht – punktgenau die Stelle gefunden und angesteuert werden, bei der eine Änderung durchgeführt werden soll. Dazu konstruiert man geeignete „Sonden“, die beim CRISPR-Verfahren aus RNA-Abschnitten (auch Guide RNA genannt) bestehen, die genau zu der jeweiligen Zielsequenz passen. Nachdem die Sonde dort angedockt hat, wird der DNA-Doppelstrang genau an dieser Stelle mit einer molekularen „Schere“ geschnitten – bei CRISPR ist es das Cas9-Protein, welches an die RNA-Sonde gekoppelt ist.

Weiter zum Artikel, TRANSGEN, den 07.04.2016

MIT DER GEN-SCHERE GEGEN KREBS

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In China haben Tumorspezialisten erstmals die Genomchirurgie verwendet, um Krebs zu bekämpfen. Sie haben ein Gen aus dem Erbgut von T-Zellen entfernt.

In China wurde erstmals weltweit ein Mensch mit Zellen behandelt, deren Erbgut zuvor mithilfe der Gen-Schere Crispr verändert wurde. Das berichtet „Nature News“. Der Patient leide an einem aggressiven Lungenkrebs. Zunächst haben die Tumorspezialisten um Lu You von der Sechuan-Universität in Chengdu aus dem Blut des Kranken Abwehrzellen (T-Zellen) isoliert. Dann haben sie mit Crispr das Gen für das Eiweiß PD-1 aus dem Erbgut der T-Zellen entfernt, die so veränderten „Todesschwadrone“ im Labor vermehrt und dem Patienten am 28. Oktober per Infusion gegeben. Der Patient habe das gut vertragen, er soll noch eine zweite Infusion bekommen.

PD-1 ist ein Kontrollpunkt (Checkpoint), der den Körper vor einer übereifrigen Abwehr schützt. Allerdings nutzen ihn auch Tumoren, um sich zu maskieren und T-Zellen auszubremsen: Hat die Krebszelle ein Pendant zu PD-1, wird sie nicht angegriffen. Bisher sind nur Antikörper für die Krebstherapie zugelassen, die diesen Mechanismus blockieren. Die Chinesen wollen ihn ganz beseitigen.

Zunächst geht es darum, ob die Therapie sicher ist. Zehn Krebspatienten werden in der West-China-Klinik bis zu vier Infusionen mit den veränderten T-Zellen bekommen. Es gehe zunächst um die Sicherheit der experimentellen Therapie, betonen Lu You und seine Kollegen. Die Gesundheit der Patienten wollen sie daher mindestens sechs Monate überwachen und darüber hinaus beobachten, ob die Infusionen den Verlauf der Krankheit beeinflussen.

Weiter zum Artikel, TAGESSPIEGEL, den 16.11.2016

DESIGNERFRÜCHTE AUS DEM GENLABOR

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Ein modernes Verfahren namens CRISPR/Cas macht es etwa möglich, gezielt Positionen auf einem Chromosom auswählen und manipulieren zu können. Diese Methoden haben zwar ihre Tücken und müssen erst optimiert werden, doch irgendwann einmal, so der Traum vieler Forscher, kann man die Buchstaben der DNA genauso umschreiben, wie man am Computer ein Textdokument bearbeitet und einzelne Textfragmente zielgenau löscht oder ergänzt. Daher benutzen Molekularbiologen in diesem Zusammenhang gern das englische Wort „Gene Editing“.

Nun hat man die Gensequenzen zahlreicher Nutzpflanzen umfangreich ermittelt und in Datenbanken gespeichert. Die Funktionen etlicher Gene sind bekannt, etwa wenn es um das Reifen von Früchten oder die Regulation der Blütezeiten geht. Man kennt Stoffwechselwege, die die Vitaminproduktion oder den Nährwert einer Pflanze beeinflussen. Pflanzenzüchter könnten also anhand dieser Daten ermitteln, was man an einer Gensequenz verändern muss, um einen höheren Ertrag oder einen aromatischeren Geschmack zu erhalten. Nun, so die Idee, editiert man die DNA-Sequenz einer Pflanze entsprechend – ganz ohne artfremde DNA einzubringen.

„Das einfache Vermeiden fremder Gene macht die genetisch editierten Pflanzen gewissermaßen natürlicher“, argumentiert Kanchiswamy. Und tatsächlich könnte man auf diese Weise Gene manipulieren und Pflanzen erzeugen, die zumindest in einigen Ländern nicht als GVOs im Sinne der Gesetzestexte gelten. So könnten sich ja einzelne Buchstaben im genetischen Code auch durch natürliche Prozesse ändern; ahmt man diesen Schritt biotechnisch nach, würden die Organismen vielleicht auch in Deutschland den Einschränkungen des Gentechnikgesetzes entgehen. Da es sich bei Früchten nicht um Grundnahrungsmittel handelt, glauben die italienischen Wissenschaftler, dass sich Gene-Editing-Methoden bei diesen Pflanzen besser etablieren lassen. „Wenn Biotechnologie genutzt wird, um Luxusprodukte am Markt zu platzieren, lässt sich die Akzeptanz beim Verbraucher steigern“, schreiben die Autoren.

Zu dem Artikel – WISSEN-AKT, den 18.08.2014

CELLPOD: 3D GEDRUCKTER BIOREAKTOR STELLT LEBENSMITTEL HER

Essen schnell wachsen lassen kein Science Fiction mehr

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Das VTT und das Biotechnologie-Wissenschaftsteam haben die Vision, dass in Zukunft jeder zu Hause sein eigenes Essen herstellen kann. „Urbanisierung und die Umweltbelastung durch die Landwirtschaft schafft die Notwendigkeit, neue Wege zur Herstellung von Lebensmitteln zu entwickeln – CellPod ist einer von ihnen. Er kann den Verbrauchern eine neue und aufregende Weise zur Herstellung von lokalen Speisen in ihren eigenen Häusern bieten“, sagt Lauri Reuter , VTT-Forscher.

Der CellPod ist nicht der erste Food-Incubator und die Idee der Bioreaktoren ist schon etwas älter. Neu implementierte Technologie, wie z.B. der 3D-Druck, beschleunigen die Wachstumsphase jedoch dramatisch. Statt Monate lang auf die Ernte seines eigenen Gartens zu warten, stellt der CellPod Beeren und andere Frucht- und Gemüsesorten in nur einer Woche her. Schon jetzt stellte der 3D gedruckte Inkubator erfolgreich verschiedene Beerensorten her.

Nur die wichtigsten Zellen werden kultiviert. Statt der gesamten Pflanze ist die Idee des CellPods nur undifferenzierte Zellen der Pflanze zu reproduzieren. Mit anderen Worten, ausschließlich die wichtigsten und nährreichen Zellen werden kultiviert. In ihnen ist das gesamte Genpool zu Herstellung von gesunden Antioxidanten und Vitaminen enthalten. Zur Herstellung werden Samenkörner in den Inkubator gelegt. Mit Licht, Luft und Nährstoffen entstehen nach wenigen Tagen einige Liter Zellmasse, aus der dann die wichtigen Nährstoffe gewonnen werden.

Weiter zum Artikel – 3DNATIVES, den 14.11.2016

STATT ANTIBIOTIKA: PEPTIDE MIT MEHRFACHWIRKUNG

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In Tierversuchen tötete der Wirkstoff Clavanin-MO nicht nur verschiedene, auch multiresistente Bakterienarten ab. Er aktivierte gleichzeitig die Immunabwehr und verhinderte überschießende Entzündungsreaktionen, berichten die Forscher im Fachblatt „Scientific Reports“. Wenn klinische Studien erfolgreich verlaufen, könnte das neue Mittel als eine dringend benötigte Alternative zu den klassischen Antibiotika dienen, deren Wirksamkeit immer mehr nachlässt.

Es ist ein und dasselbe Peptid, das sowohl Mikroben töten als auch schützende Immunreaktionen verstärken und entzündungshemmend wirken kann“, sagt Cesar de la Fuente vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge. Zusammen mit brasilianischen Forschern verbesserten er und seine Kollegen die Wirksamkeit des antimikrobiellen Peptids Clavanin A. Dieses stammt ursprünglich aus der Seescheide Styela clava und besteht aus einer Kette von 23 Aminosäuren. Wie andere AMP auch hat das Molekül positiv geladene und hydrophobe – also wasserabweisende – Abschnitte. Diese chemische Struktur ermöglicht das Durchdringen von Zellmembranen und führt zur Schädigung innerer Zellbestandteile, worauf die bakterizide Wirkung beruht.

Die Forscher fügten dem Clavanin A-Molekül fünf weitere Aminosäuren hinzu und vergrößerten dadurch den hydrophoben Anteil des Peptids. Wie erhofft zeigte die chemisch veränderte, als Clavanin-MO bezeichnete Verbindung nun eine stärkere Wirksamkeit als die Ausgangssubstanz. Für Mäuse, die mit einer tödlichen Dosis multiresistenter Staphylokokken (MRSA) infiziert waren, erhöhte sich durch die Behandlung die Überlebensrate von 40 auf 60 Prozent im Vergleich zur Behandlung mit Clavanin A.

Zwei gleichzeitig ablaufende Mechanismen, ein direkter und ein indirekter, erklären die ungewöhnlich schnelle Dezimierung der Erreger: Das Peptid durchlöchert einerseits die Außenmembran der Bakterien und zerstört lebenswichtige Strukturen im Innern. Andererseits sorgt es für eine noch effektivere Keimtötung, indem es bestimmte Immunzellen aktiviert, die ihrerseits die Bakterien angreifen. Zusätzlich löst das synthetische Peptid die Produktion entzündungshemmender Botenstoffe aus, was die Gefahr starker Nebenwirkungen verringert, die in manchen Fällen bei einer antibiotischen Behandlung auftreten.

Zu dem Artikel – WISSEN-AKT, den 07.11.2016

DIGEST für Medizin und Grenzwissenschaft