ÜBERLEBEN
Servus, mein liebes Volk!
Weißt du, wie man überlebt? Nein, du hast keine Ahnung davon, einfach keine
Ahnung! Dann hör mir gefälligst zu, ich werde dir ein Lied davon singen! Das
Leben, dieses Greuel für die armen und zum Sterben tendierenden Leute, könnte
sich in einen wunderschönen Traum für dich verwandeln. Jeder einzelne, z. B.
könnte sich vorstellen, wie er in den Wald spazierengeht. Hier ein Preisselbeerchen
gepflückt, da ein Walderdbeerchen... Ein kleiner Grashalm ragt aus dem Mund.
Den Saft mit den Zähnchen gepreßt, unterwegs in einen zweiten Gras-halm
gebissen... Die Füßchen ins Gebirgsbächlein getaucht... Anfangs kommt dir das
Wasser kalt vor, dann gewöhnst du dich daran. Niemand da, der dich anschreit,
ich reiß dir den Kopf ab, wenn du nicht sofort aus dem Wasser gehst, - du bist
dir Eltern und Kind zugleich. Schläfrig wird dir zumute, ob von der frischen
Gebirgsluft oder was... Du schläfst mit Augen zum Himmel gerichtet, drehst
dich aber aus alter Gewohnheit auf die Seite... Das zarte Kreuz entblößt, deckt
es Mutter Natur mit einer Sonnenwindel zu. Du träumst, du habest gerade
geduscht, stürztest ins Bett. Das Bettuch unter dir duftet nach Wind, das
obere nach verhallendem Sturm, und da schläfst du schon blitzartig ein. Du
träumst, daß du schläfst. Du schläfst und träumst...Du wirst wach von
Säuglingsgeschrei. Ach, der Storch hat dir ein Kindchen gebracht! Der Frühling
ist also da, der Winter vorbei, das Leben geht weiter und fängt wieder an.
Ein wunderschöner und jedem zugänglicher Traum. Um das Leben so zu
verbringen, sind keine Mittel notwendig. Der Briefkasten bleibt leer, keine,
Heizungs-, Strom - oder Telefonrechnungen. Keine Steuern. Keine Gespräche
über den Preis des Schweinespecks. Kein sauereingelegtes Gemüse. Der
Organismus holt sich selbst, was er braucht, aus den eigenen Fettreserven.
Und das Wichtigste: die im Schlaf verbrachte Zeit wird dir nicht als Leben
angerechnet, sodaß du nicht nur Geld, sondern auch Leben sparst, womit du
auch zur Vermehrung des Lebens auf Erden beiträgst.
Seid ihr schon alle zum Hinlegen bereit? Habt ihr schon Pipi gemacht? Habt
ihr den Ofen, den Eisschrank, das Telefon, den Fernseher ausgemacht? Habt
ihr die Blumen gegossen? Habt ihr "Schuld und Sühne” gelesen? Den "Kleinen
Prinzen”, vielleicht? Habt ihr "Amarkord” gesehen? Habt ihr Englisch gelernt?
Habt ihr die Hühner gefüttert? Die Spatzen? Habt ihr die Niagara-Fälle besucht?
Seid ihr in Paris gewesen? Habt ihr was für die Kranken getan? Für die Toten?
Oder für die Lebenden? Habt ihr euch alles gesagt? Habt ihr euch geküßt?
Habt ihr euch geliebt?...
Wie, sind nur die Kinder zum Schlafen bereit? Und Ihr, die Erwachsenen, habt
bloß Pipi gemacht?
Na denn gute Nacht, Kinder!
SPÄSSE
Hallo ihr, ich heiße... Moment mal, ich rede doch nicht mit irgendwelchen
Amerikanern, daß ich mich vorstellen soll. Ich rede mit Bulgaren, und für
den Bulgaren ist es vollkommen unwichtig, wer wer ist: Hauptsache der
Spaß ist gut.
Also fangen wir damit an. Keinerlei Politik, keine richtigen Parteien... Bei
uns sind nicht mal Parteien... Pure Mafia-Clans. Mit all den Paten, mit all
den Trauzeugen, mit all den Neffen und Nichten... Was für eine Nichte
haben die Kommunisten nur! Und was für eine Super-Schwägerin die
anderen! Du weißt nicht wohin mit dir, links oder rechts? Beide sind ein
bißchen verrückt, aber was soll´s - das kommt von der Politik. Schließlich
händigt man ihnen, zusammen mit der Deputierten-Karte, auch eine gelbe
Karte aus, damit sie durch das Gesetz unantastbar sind... Darum werden
sie mit ihren Deputiertenkarten Millionäre, und mit den Gelben beweisen
sie, daß sie unschuldig sind.
Nein, ich will weder von Politik noch von Wirtschaft was hören. Und es
interessiert mich überhaupt nicht, was für Spritzen derWirtschaft gegeben
werden - muskulär-oder intravenös. Sie soll frisches Blut verlangt haben...
Man spricht davon, daß seitdem unsere Wirtschaft vampirisiert worden ist,
sie das ganze Blut des Volkes ausgesaugt habe, aber das stimmt nicht. Unser
Volk ist seit langem ausgesaugt - in einem halben Jahrhundert freiwilliges
Blutspenden ist von ihm nichts mehr übrig geblieben. Und wieso ist es immer
noch am Leben? Das weiß ich nicht. Es wird behauptet, daß nur der Teufel
ohne Blut existieren kann. Was kommt also unterm Strich heraus? Daß dies
hier kein Volk ist, sondern ein echter Teufel, nicht wahr.?
Schluß, aus! Jetzt fange ich mit den Späßen an. Aber wenn ich Spaß sage,
dann meine ich auch Spaß, und nicht irgendwelche Avantdgardismen, wo
du nicht weißt, ob du lachen oder weinen sollst... Wie z.B. von der Sorte:
"Ein Schiff geht unter. Die Passagiere versammeln sich. Sie entscheiden,
den Kapitän auszuwechseln.” Ist das ein Scherz? Quatsch. Genug mit dieser
hohen Kultur, mit der man uns täglich in der Presse quält. Ich hab einfach
kein Bock mehr darauf zu lesen: ”Ein junger Mann dunkler Gesichtsfarbe
vergewaltigt aus Versehen ein 20-jähriges Mädchen, das er für eine 80-jährige
Oma gehalten hat.” Oder "Dem Mörder wird die Sprache verschlagen, als er
merkt, daß sein Opfer schon tot ist.” Oder "Ein Hermaphrodit vergewaltigt
sich selbst in der grausamsten Weise und läuft weg”. Ich kann diese Kultur
nicht nachvollziehen - dies ist eine elitäre Kultur: für Freud, für Jung, für
Phillip Dimitrov...
Wir, das Volk, wollen verständlichere Späße. Zum Beispiel, daß von Zeit
zu Zeit, einmal im Monat, von Haus zu Haus...ein Weib mit solch großen...
ihr versteht schon, nicht wahr, geht, und wir, das Volk, ihm eins auf den
Hintern klatschen dürfen. Und es lustig wird - so ein Spaß lobe ich mir.
Ist doch wohl nicht zu viel verlangt von der Staatsmacht uns so einen
Spaß zu sichern, immerhin haben wir was für sie getan, die Stimmbänder
haben wir uns kaputtgemacht für ihren Sieg! Laß doch die Regierung...
auch was für uns tun. Sollte es ihr peinlich sein, uns das Weib in der Form
einer Tussi zu schicken, soll sie es uns doch als Kassiererin-Stromableserin
ins Haus schicken, oder so ähnlich. So wie das die frühere Regierung machte.
Und die Regierung soll sich gar nicht beklagen, daß sie kein Geld hat. Sie
soll gefälligst n´paar Dollar, n´paar DM verkaufen, bei diesem Kurs des Dollars...
Mein Gott, was ist mit dem Dollarkurs los?!...Also ehrlich, das Leben ist
geradezu unmöglich geworden... Als ich heute morgen in den Eisschrank
geschaut habe, oh Schreck! Sogar Zucker mußte ich einkaufen, Salz auch..
Also, was wollte ich euch noch erzählen?... Ich hab es vergessen...
Entschuldigung, Entschuldigung, Entschuldigung...
BEKÄMPFUNG DER MAFIA
Servus, verehrte Zuhörer!
Unser heutiges Gesprächsthema ist die Mafia. Machen Sie es sich in den
Sesseln bequem, laden Sie Ihre Pistolen, und wer Mut hat, uns anzurufen,
der rufe uns an, wer nicht, er soll sich besser selber erschießen.
Sind Sie bereit? Fangen wir an.
Also, einst war es nicht so. Einst ging man ruhig aus dem Haus, schaute sich
um und sah keine Mafia. Auch wenn der Mensch hoch hinaufstieg, beispielsweise
zum Schwarzen Berg hinauf - denn höher als den Schwarzen Berg gab es nichts,
sah man immer noch keine Mafia. Selbst mit den starken Augen von damals
nicht. Ich z.B., sobald ich mich auf der Spitze des Schwarzen Bergs stellte, sah
ich bei jeder Wetterlage das Schwarze, das Weiße und das Mittelmeer.
Ach ja, da ist auch schon unser erster Zuhörer am Telefon.. Hallo!..Auch Sie
erinnern sich an das Bulgarien, dessen Ufern sich in drei Meeren wuschen.
Ein sauberes, adrettes Bulgarien... Ja, ich bedanke mich!
So...Wohin man auch guckt - überall die Mafia. Keine Chance, das Haus zu
verlassen und lebend nach Hause zurückzukehren.
Jetzt haben wir schon wieder einen Zuhörer am Telefon... Hallo! Sie sind mit
uns einverstanden?...Sie wagen es nicht, nach Hause zurückzukommen?...
Wenn Sie mai zum Brotholen ausgehen?... Vor... Vor wievielen Jahren?... Ah,
Sie erinnern sich nicht, Sie sind noch jung gewesen, denn damals hat Ihnen
die ganze Mafia nachgeschaut... Was hat es da gegeben? Einen Mafiosi hat´s
da gegeben, mit soo dicken Oberarmen, und wenn er Sie nur angeschaut hat,
dann was?... Ich verstehe... ich danke Ihnen..
Ja, verehrte Zuhörer, es ist schön, etwas herumzuschlendern, solange sich die
Mafia nach dir umdreht, aber manchmal gelüstet es den Menschen auch nach
Hause und, weil east or west - the home is best! - da stellt sich die Mafia
einfach vor dein Haus auf und erlaubt es dir einfach nicht nach Hause
zurückzukommen.
Hallo!... Sie haben sich eine Gaspistole gekauft, wissen aber nicht, ob Sie
Ihnen helfen würde?... Woher haben Sie diese denn gekauft?... Ach so, von
der Mafia...
Hören Sie, mein Herr, wenn wir die Mafia nicht mit ihren eigenen Mitteln
bekämpfen, bringen wir es nicht weit... Der Mafia können wir nicht nur mit
unseren Mitteln Widerstand leisten...
Hallo?.. Ja, dann bleiben uns tatsächlich nur die bloßen Hände. Bloß, aber
unsere eigene Sauber. Nicht schmutzig, wie die der Mafia. Aber mit sauberen
Händen, kühlen Verstand und... was für ein Herz war es noch..., wissen Sie,
was wir da schaffen könnten?
Hallo, ja... Wir können ein KGB schaffen?...
Nein, mein Herr, wir können Wunder schaffen! Aber erst müssen wir uns
organisieren... In Abteilungen, in Trupps...
Hallo, ich höre zu...Sie wollen die Fahne besticken?... Ich danke Ihnen. Und
darauf schreiben Sie "Krieg und Frieden”. Auch "Die Brüder Karamasov”,
bitte! Auf das, daß die Mafia mitkriegt, daß sie es mit gebildeten Leuten zu tun hat...
Und wenn ein bestimmtes Signal gegeben wird...
Hallo? Für zwei Flaschen Wodka können wir "Aurora” mieten.
Ja! Und vereint stürzen wir uns auf die Mafia. Und wir liquidieren sie, egal,
wo sie sich versteckt: auf der Straße, im Business, in der Regierung, im Parlament...
Hallo? Wie "und was nun”?
Wir kehren einfach heile nach Hause.
Hallo? Wie "na und”?
Was heißt das, na und?... Wir leben dann weiter.
Hallo? Was heißt das warum?... Wie warum?... Weil... Weil... Sagen Sie denn,
weil... weil... He, Sie da, ist es denn so schwierig zu antworten, warum wir
weiter leben sollten... Hallo!...Hallo!... Jetzt hat er sich erschossen...
Hiermit ist nun unser Gespräch, verehrte Zuhörer, zu Ende.
Und wenn Sie eine Antwort auf die Frage hören wollten, was denn die Moral
aus der Geschichte sei, so nehmen Sie Papier und Stift zur Hand und schreiben Sie :
Fazit: In Bulgarien mordet die Mafia nicht mit Pistolen, sondern mit Worten!
Aufwiederhören!
ES IST NOCH ZEIT
Reportage aus dem verhexten Land
Während der Mangel an Zeit von Tag zu Tag zu einem permanent wachsenden
Weltproblem wird, stellt die Zeitnot im verhexten Land gar kein Problem dar.
Egal wohin man geht - ins Parlament, in die Regierung, oder einfach beim
Gevatter Pescho, wasimmer man haben will - ob Freiheit, Gerechtigkeit, oder
einfach Brot, so hört man nur eins: es ist noch Zeit!
Es gibt keinen Raum im verhexten Land, der nicht mit Zeit gefüllt wäre. Aus
diesem Grunde ist es schwierig festzustellen in welcher Richtung hier die Zeit
fließt, aber das wiederum interes-siert niemanden. Selbst in den Matheaufgaben,
wo ein Becken gewöhnlich aus drei Rohren gefüllt wird, fragt man nicht, wie
lange die Abfüllung dauert, da die Richtige Antwort schon im voraus sowohl
Lehrern als auch Schülern bekannt ist - bis es halt voll wird, ist noch Zeit.
Während die zeitarmen Länder die Gesellschaftszeit zu entwickeln versuchen,
bewegt sich jeder von den Verhextenländern in seiner eigenen persönlichen Zeit. Die
Vielfalt der Zeit ist derartig groß, daß es schier unmöglich ist, auch nur zwei
Personen anzutreffen, die in der gleichen Zeit leben. Aus diesem Grund
begegnen hier die Menschen nicht, sondern gehen an einander vorbei.
Seit einigen Jahren ist die Periode 1944 bis 1947 schrecklich in und der größte
Teil der Bevölkerung lebt permanent in dieser Zeit, aber gleichzeitig kann man
auf Straßen und Plätzen auch Volk aus dem 12. oder 13 Jh. antreffen.
Falls Sie sich fragen, was denn aus dem verhexten Land werden mag, so
lesen Sie unsere Geschichte, dort steht es beschrieben: nicht nur die
Vergangenheit, sondern auch die Zukunft.
MILITÄRKUNST
Guten Tag, verehrte Zuhörer!
Unser heutiges Gespräch wird streng geheim sein, also schalten Sie, bitte,
alle ihre Radiogeräte aus und ruft mich nur in äußersten Notfall an!
So.. Jetzt hoffe ich, daß mir niemand mehr zuhört...
Vom Bulgarischen Geheimdienst erfuhr ich, daß wir immer noch kein
ausgearbeitetes Militärdoktrin hätten, sodaß ich euch jetzt eine ausarbeiten
werde. Unser Militärplan muß vor allem den Interessen unseres Volkes
entsprechen. Was aber sind die Interessen unseres Volkes?
Hallo?... Ich höre... Sie wissen nicht... Weil die Interessen dauernd gewechselt
werden...
Also. Zur Zeit hat unser Volk Interesse an der Privatisierung, an der gerechten
Aufteilung des Staatseigentums. Zum Beispiel: es geht nicht, daß einer eine
"Erde-Luft”-Rakete vom Staate bekommt und ein anderer eine bloße "Makarov”-
Pistole, nicht wahr? Es muß Gerechtigkeit geben. Das Staatseigentum sollte
seinem Trotyläquiwalent entsprechend unter uns aufgeteilt werden. Zum Beispiel,
wenn Zuhörer X einen Tank bekommt, muß sein Nachbar ein Schützenpanzer-
wagen plus eine Haubitze dazu bekommen. Das wird die Parität wahren und
es wird die internachbarlichen Kriege vermeiden.
Hallo? Ich höre! ... Wenn sie den Tank bekommen haben, wo Sie ihn aufbewahren
sollen? Auf der Straße würde man ihn Ihnen schon am ersten Abend stehlen?...
Hallo, und wenn sie ihm eine Alarmanlage einbauen ließen?
Ich höre!... Schon jetzt können sie es mit all den Alarmanlagen kaum aushalten,
und wenn wir unter ihnen erst die Tanks verteilt haben... Bitte? Und außerdem
würde rein gar nichts gegen den Raub helfen? Was für Spezialisten es da gäbe?...
Es gibt solche Spezialisten, die dir auch eine Kanone unterm Hintern klauen würden.
Ehe man es sich versieht, ist sein Tank entweder schon in Serbien oder in Rußland ?...
Wo soll ich hin?... Hingehen und ihn in jenen Kampffeldern suchen... Bitte?...
Ja, auch die Motornummern werden sie ihm auswechseln, die Nummer der
Karosserie auch... Sie wollen keinen Tank, lieber eine Wolldecke und zwei
Bettücher pro Kopf hätten sie gerne von der Privatisierung - sonst nichts?
Entschuldigen Sie, mein Herr, aber Sie wollen das Unmögliche. Sie wissen doch,
daß der Staat die Bettdecken und die Bettücher nur in der Abrechnung führt,
aber daß es sie in Wirklichkeit gar nicht gibt. Während die Sache mit den Tanks
ganz andersherum liegt. Und nicht zu sprechen von den Raketen. So daß dasjenige,
was Sie von unserem Staat tatsächlich bekommen können, nicht Wolldecken und
Bettücher sind, sondern Kalaschnikovs, Kanonen, Tanks und Flugzeuge...
Hallo? Ich höre! Wozu brauchen Sie diese Flugzeuge, wenn sie keine Mittel haben,
um sie zu warten? Wieso nur zum Ärger? Wieso sollen ihre Flugzeuge bloß auf
Holzblöcken vor Ihrem Wohnblock stehen und Sie sollen bloß zuschauen, wie
man sie wegen der Kupferdrähte ausweidet? Bitte? Sie hätten schon Ärger genug?
Noch mehr wollen Sie nicht...
Scheiß drauf, ein komisches Volk sind wir, die Bulgaren. Wir wollen unsere eigenen
Tanks nicht, wir wollen unsere eigenen Flugzeuge nicht, wir wollen unsere eigenen
Raketen nicht, wie werden wir den Kapitalismus unter diesen Umständen aufbauen,
weiß ich nicht...
Bitte?... Wieso denn, wie wir den Sozialismus aufgebaut haben, werden wir auch
den Kapitalismus aufbauen?...
Entsetzlich!...
Hallo?... Ich höre zu!.. Wie es den Russen mit uns nicht leicht war, wird es auch
den Wessis mit uns nicht einfach sein...
Gott, was soll man denn mit euch anstellen, was für eine Militärdoktrin sollen wir
ausbaldowern, wenn wir nichts wollen? Wollen wir nicht einmal uns eigenes
Mazedonien?
Hallo?...Ich höre... Nein.
Und was ist mit der Dobrudscha?
Hallo?... Ich höre! Ich soll verrückt sein? ..Warum?... Weil man Ihnen 1 Dekar
Weinberg zurückgegeben hat und Sie wundern sich, was Sie damit anstellen
sollen, während ich Ihnen ganz Mazedonien und der Dobrudscha aufhalsen will!...
Bitte?...Sie, ich verstehe, sehen bloß zu, wie sie Bulgarien loswerden wollen... Bitte?
Wenn ich Ihnen schon was beibringen will, so soll ich Ihnen beibringen, wie Sie
aus Bulgarien weglaufen können?...Wo wollen Sie denn hin? Nach Paris?...
D.h. militärisch ausgedrückt, Sie wollen Bulgarien von sich selbst befreien
und... Paris erobern...
Ich soll es verstehen, wie ich will? ... Ich danke Ihnen!... D.h. militärisch
ausgedrückt, Offensive durch Defensive?... Als alter Militär a.D. muß ich
Ihnen sagen, daß dies eine sehr schlaue Taktik ist, sehr schlau, daß sich jedoch
keine Konfrontationen vermeiden lassen, wenn sie ihre Waffen nicht zurückhaben
wollen.
Hallo.. Ich höre!.. Also, wir werden die Franzosen nicht bekämpfen, wir werden
Paris nicht als Angreifer erobern, sondern als Abtrünnige. Bitte?... Ja, niemand
auf der Welt schlägt die Abtrünnigen, nur die eigenen Leute, aber, wir haben
keine eigenen, wir sind uns alle einander fremd. Sind Sie der Meinung?
Ich meinte, wir würden ohne Kämpfe nicht auskommen, nicht in Frankreich,
sondern in Bulgarien.
Ich höre!... Wer denn gegen uns kämpfen würde? Die Armee wird mit uns
den Rückzug antreten, die Polizei wird mit uns den Rückzug antreten... Kennen
Sie keinen einzigen Bulgaren, der den Rückzug nach Paris nicht hätte antreten
wollen?...
Soweit ich durch unseren Geheimdienst informiert bin, weder die Armee noch
die Polizei kontrollieren das bulgarische Territorium, sondern die Mafia.
Und die Mafia wird es nicht zulassen, daß wir Bulgarien ohne Kampf
abtreten. Wo sonst auf der Welt kann man so eine nette Gesellschaft finden,
in der man so ruhig vor sich hin leben kann!
Bitte?... Unsere Mafia sei nicht gefährlich? Gib ihr nur was?... Ein paar
Mercedes und sie läßt dich überall hin... Sie ist garnicht gefährlich, unsere
Mafia, sondern... Hallo?... Hallo?... Wieso ciao?... Wohin, bitte sehr? Nach
Paris?...
Und was ist mit mir? Und was ist mit uns?... Wen werden wir belehren?...
Halt!... Haaalt!.. Verräter!... Verräter!... Es lebe Bulgarien!...
DIREKT INS LOCH
Der Herr Trajanov hat Ziegenohren!
Soo groß, wie bei einem Esel... Nein, wie beim einem Elefanten... Und dreckig
sind die, dreckig wie Mülleimer... Nein, wie Sofia. Und ganz voller Löcher -
zwei Felgen sind mir daran kaputtgegangen, ganze zwei Felgen! Nur, bei wem
kannst du dich beschweren? Demokratie!
Vor der Demokratie gab es auch keinen Platz, an dem man die Wahrheit hätte
sagen können, aber wenigstens grub ich keine Löcher wie ein Bergmann. Ich
schlüpfe in irgendein Süßwarenlädchen hinein, bestell mir ein Windbeutelchen
und ein Gläschen Bosa, bestell mir das Beschwerdebuch und schreib da ein bißchen
was über die dreckige Schürze der Konditorin hinein. Ich schreib über die dreckige
Schürze der Konditorin, aber ich weiß, daß es den dreckigen Genossen Trajanov
betrifft. Und so Tag für Tag, Windbeutelchen für Windbeutelchen, ein Gläschen
Bosa nach dem anderen, kamen viele Kilos eins zum anderen dazu, vor lauter
Schreiben über die Wahrheit. Unsere Schriftsteller waren die größten in der
Welt geworden, man gab sie immer wieder in dem Guiness Buch der Rekorde heraus,
aber die Resultate ließen auch nicht auf sich warten - eines Tages änderte der
Herr Trajanov seinen Charakter. Aber nicht seine Ohren.
Sag nun, liebes Loch, wo soll ich denn das sonst sagen? Ich wanderte von einer
Redaktion zur anderen, und als die Redaktionen vom Dreck in den Ohren des
Herrn Trajanov lasen, freuten sie sich sehr, sehr schön, sie sagten, es gibt genug
Dreck, wir werden das publizieren, aber als Ilustration brauchen wir ein Bild
der trajanovschen Mätresse, und zwar nackt... Wie soll ich ihnen erklären, daß
Trajanovs Mätresse meine Frau ist...
So daß du, rein theoretisch, alles, was dich bedrückt, überall beichten kannst,
aber rein praktisch - nirgendwo. Ich spreche da nicht von der Kirche. Denn
über unsere Kirche - entweder was Gutes oder gar nichts.
Ich bin mir da nicht ganz so sicher, wie es beim Gericht der Fall ist, aber bald
werde ich es wissen. Vorige Woche kaufte ich zwei Eier von der Nachbarin
und sie erwiesen sich als schlecht und ich bekam, du weißt schon... Ich fragte
die Nachbarin, woher sie denn die Eier hätte, und sie sagte, daß es ihre eigenen
seien, d.h. die ihrer Henne. Soso, also, d.h. im Sinne des neuen Gesetzes bist
du ein Hersteller, dessen Produkte gesundheitsschädlich sind und du darfst
eine Strafe von 100 Milliarden Leva bezahlen. Wenn es dir aber Recht ist,
können wir uns in guter Nachbarschaft einigen, du kannst mir auch bloß 50
Milliarden Leva Entschädigung zahlen und so kann dir das Gericht erspart
bleiben. Sie antwortete, sie würde mir keine kaputte Milliarde zahlen und
ich stellte daraufhin meinen Anspruch vors Gericht. Die Verhandlung findet
statt im Jahre 2000, um 5.00 Uhr nach der Sintflut, so daß ich erst dann
feststellen kann, ob es einen Sinn hat, beim Gericht zu klagen...
Und bis dahin (mit heiser werdenden Stimme) bleibt mir nichts anderes, als
daß ich in den Löchern schreie, daß der Herr Trajanov Ziegenohren hat, bis
ich die Stimme verliere... Ich glaub, es ist schon so weit... Gott, wie werde
ich mich an den nächsten Wahlen beteiligen?
KULTURMONOLOG
(Beifall)
Ich danke ihnen. Mein Wunsch war schon immer den Menschen Freude zu
bereiten und es ist gut, daß ich keine Schauspielerin, sondern Kassiererin
geworden bin. Wohlergehen und Gesundheit bis zum Jahre 2000 denjenigen,
die entschieden haben, daß wir kein Theater, sondern Geld brauchen, die aus
den Theater-Sälen Bingo-Hallen und aus uns Schauspielerinnen Kassiererinnen
gemacht haben. Hätte ich hundert Ofelien gespielt, hätte ich hundert Monologe
aufgesagt, so hätte ich niemals so eine Freude empfunden und nie so einen
Erfolg geerntet wie mit dem Satz: "Ich ziehe mich mal eben aus und fang an,
das Geld zu verteilen.” Ehrlich gesagt, der Chefbuchhalter hatte mir nur die
Replik vorgeschrieben, "Ich fang an das Geld zu verteilen.”Um dieses "ich
ziehe mich mal eben aus” mußte ich lange kämpfen, zwecks Befriedigung
meiner eigenen schauspielerischen Leidenschaft. Immerhin beurteilt man die
Begabung einer Schauspielerin nach dem, was sie zum Ausziehen hat. Nun,
ich kann mich mit den großen Schauspielerinnen nicht messen, mit denen,
die Fellmäntel aus Bisam und Büstenhalter der Marke "Triumph” ausziehen.
Ich habe es höchstens mal bis zum Ausziehen eines Regenmantels gebracht.
Und bin trotzdem zufrieden. Obwohl man sich mehr an dem, was ich aus der
Tasche heraushole, freut. Wenn ich es eilig habe, ziehe ich einfach den
Reißverschluß und hole sie heraus. Aber wenn ich mal gerade ein bißchen
mehr Zeit hab, bringe ich sie alle um den Verstand, bis ich daran komme.
Ich tanze glücklich mit der Tasche herum, als wäre alles, was sich darin
befindet, mein eigenes, ich betaste sie durch das Leder, öffne den Reißverschluß
langsam, um nur einen Bündel davon zu zeigen, dann ziehe ich den Reißverschluß
blitzschnell wieder zu, tue so, als würde ich fortgehen, und im nächsten
Augenblick sehen sie mich mit vollen Händen zurückkehren, sie zählen,
sie wieder verstecken, fasse die Tasche mit zwei Fingern an, lasse sie frei
auf den Boden fallen. Manchmal sage ich:”Na bitte, sie gehören euch!” aber
in den meisten Fällen sage ich nichts, weil alle inzwischen sowieso ihre
Brieftaschen aufgemacht haben. Oh, Wohlergehen und Gesundheit auch
bis zum Jahre 2001 denjenigen, die die Kultur liquidiert haben! Wäre ich
Schauspielerin gewesen - na was dann? - Da hätten die Leute bemerkt, nur
was ich nehme. Ich weiß noch, als ich noch Fachschauspielerin fürs Drama
werden wollte, da kam nach einer Vorstellung eine Frau zu mir, tränenüberströmt.
Sie haben so´n Schauspiel dahingelegt, sagt sie, Sie haben mich so aufgewühlt,
ich fühl mich jetzt so veredelt, aber eins möchte ich Sie fragen - wieviel haben
Sie dafür bekommen? Jetzt aber, als Kassiererin, fragt mich keiner, was ich
nehme, sondern was ich gebe.
Und ich habe Millionen ausgegeben. Mir ist schon mal passiert, daß ich eine
Million an eine Million Seelen verteile, aber öfter passiert es mir, daß ich eine
Million einem einzihen Menschen gebe. Wie es gerade kommt. Gutes Geld
hab ich ausgegeben, an guten Menschen oben drauf, aber in letzter Zeit zahle
ich kein gutes Geld mehr aus. Denn je zahlreicher die Nullen auf den
Geldscheinen werden, desto grausamer schauen dich die darauf Abgebildeten
an. Solltet ihr zufällig den Peter Beron auf der 50 000-Lewa-Banknote gesehen
haben - ihr braucht keinen Horrofilm mehr zu sehen. Als hätte man ihm gerade
die Geheimakte mit dem Dossier geöffnet.
Was ist nicht alles gewesen. Ich habe ein erstes Gehalt an Leuten gegeben, die
achtzehn Monate lang gearbeitet haben und ein dreizehntes Gehalt an Deputierte,
die bloß sechs Monate gearbeitet haben. In lauter Einweggläsern aufbewahrtes
weißes Geld für schwarze Tage... und in Matratzen verstecktes Schwarzgeld
für weiße Tage...
Jetzt begegnen mir Menschen auf der Straße, denen ich mal Vorschüsse, mal
Prämien gegeben habe, und sie flüstern einander zu: seht, die Kassiererin, die
Kassiererin! - lauter Autorgramme wollen sie von mir haben, wollen mich berühren,
mich mal eben kneifen, ein Foto mit mir machen. Ich verstehe - wenn wir schon
mal keinen Eifelturm haben...
Wohlergehen und Gesundheit aller, die unsere Kultur vernichtet und aus allen
Schauspielerinnen Kassiererinnen gemacht haben. Auf das, daß wir den Menschen
Freude bringen und sie Beifall klatschen. Ich danke Ihnen.
(Beifall)
Ich ziehe mich mal eben aus und fange an, das Geld zu verteilen.
(Beifall)
GRÜSS GOTT!
Grüß Gott!
Grüß Gott, ich bin der Danko! Ich habe gehört, ihr habt da Schwierigkeiten im
Dunkeln. Ich möchte euch eine freudige Mitteilung machen: die Operation
zwecks Herausnahme meines Herzens ist erfolgreich verlaufen, und jetzt
werde ich euch ein Licht anzünden, damit ihr den Weg zur Freiheit finden könnt,
und zur Demokratie... Wartet nur ab...Habt nur einbißchen Geduld mit mir!...
Pfui Deubel!... Sehn´se mal, ohne Liebe klappt´s nicht. Ihr versteht schon, ihr
müßt mir eure ganze Liebe geben, die ich ins Feuer umwandeln kann... Sollte
irgendeiner nicht angefangen haben, mich zu lieben, da seid ihr, ehe man sich`s
versieht, im Dunklen geblieben! Na, mal sehen, ob es zündet? Ne, ne... Guckt mal.
Es ist euer Problem - ihr liebt mich einfach nicht genug. Und wenn ihr jetzt die
Dunkelheit nicht dafür nutzt, um mit diesen Leuten ins reine zu kommen, sehe
ich für euch schwarz... Du sollst zünden, du!... Wenn ich was versprochen habe...
So ist´s brav. Ne, ne.. schon wieder aus... Nein, nur mit Liebe klappt die Sache
nicht.. Dieses Herz verlangt geradezu nach einer Wartung. So ist es doch -
Freundschaft hin, Freundschaft her - nur Bares ist Wahres. Mit anderen
Worten, Kommissionen, Provisionen, Prämien, dieses und jenes... unterm Strich
kostet es euch einen Monatsgehalt pro Kopf, nicht mehr... Nicht wahr?...
Merci...Es ist nicht wie im Dunklen, eh?... Schon wieder aus! So´n blödes
Herz, das ich da hab! Ja-aa... Ich dachte, wir würden ohne auskommen...
Während der Operation hab ich viel Blut verloren, sodaß, wenn ihr wollt,
daß ich euch leuchte, ihr mir auch euer Blut geben müßt . Ja-aa... Gut so,
jetzt leuchtet es wie am Tage, nicht wahr? Sehr gut!... Hallo, ihr da, ihr
Menschen, wo seid ihr denn überhaupt?
DIE HEILIGE KUH
"Eine Kuh - das ja, aber warum heilig?” - könnte jemand irgendwann mal fragen.
Doch während alle fragen: "Heilig - das ja, aber warum eine Kuh?” - bleibe ich
heilig. Muuuh!...
Und ich werde heilig sein, solange ich so meisterhaft mit der Sprache umgehen
kann. Mich interessiert es nicht, was eure Sprache ist, aber die meinige ist
nicht die eines Rindviehs, nicht wahr? ... Muuh!.. Obwohl wiederum meine
magische Kraft eigentlich im Muhen besteht. Denn es wird verschiedentlich
gedeutet. Laut einigen bringt das Glück, laut anderen - Unglück. Muuh!...
Außerdem bin ich nicht auf den Kopf gefallen. Nur in den Salat. Salat - ja.
Radieschensalat. Mit Kaschkawal, in Würfeln geschnitten. Und Oliven dazu.
Und einem gekochten Ei - obligatorisch. Mit Sauce-Vinaigrette. Sonst schmeckt
der Grappa aus Ewksinograd nicht so ganz, nicht wahr?
Das Volk verehrt mich. Wenn ich ins Zentrum spazieren gehe, machen sie Platz für
mich. Den Verkehr halten sie an. Sie kehren für mich alle Straßen, die ich begehe,
denn sollte es mich mal sonstwo drücken, dann kann ich erst recht in die ... treten,
nicht wahr? Muuuh!
Und außerdem bin ich so heilig, weil mir der liebe Gott Hörner gegeben hat. Und
außerdem steche ich gern.
Und weil ihr nichts Heiliges habt, habt ihr halt heilige Kühe. Muuh!
DER KLEINE GROSSKOTZ
Und ich habe gar keine Angst vor nix... nur vor Bienchen. Aber wenn ich ein
Bienchen näherkommen höre, drücke ich dieses Knöpfchen hier und da kommen
sofort irgendwelche Onkels und paff! - töten sie mir das Bienchen auf der Stelle.
Und danach hebe ich dieses hier Telefönchen ab und entlasse alle Onkels, die
dem Bienchen erlaubt haben, sich mir zu nähern. Und diesem weiteren Telefönchen
hier befehle ich, daß sich einige kleine Jägereinheiten bilden, die allerlei
Bienenstöckchen vernichten. Um jedes Bienenstöckchen herum empfehle ich das
Aufwirbeln von viel Staub, damit die Sache einem harmlosen kleinen Rockkonzert
aussieht... Everybody! Händchen hoch!...Killing me softly... So brüllen die kleinen
Leute vor lauter Spaß, verblöden und werden hysterisch, während meine Leute -
klatsch, klatsch! - die Bienchen voller Staub, auf die Köpfchen... Und danach
fange ich an, die Kunst zu sponsern, die durch Bienen Gebissene darstellt...So
authentisch wie möglich soll sie diese darstellen, vor lauter Bienenstichen ganz
Kinder. Gleichzeitig lasse ich auf den Markt neue Kollektionen aus präparierten
Bienchen. solche, denen die Nadel mitten durchs Bäuchlein und durch den Rücken
geht... , und alle sind zufrieden, daß die Gerechtigkeit siegt, und alle wünschen mir,
daß ich groß werde.
Und damit ich groß werde, muß ich viel futtern. Und die füttern mich ausschließlich
mit Honig.
DER KUCHEN ZUM ERSTEN
Ich will!... Ich will!... Ich will dieses Püppchen haben.. Denn ich will auch ein
Puppchen sein... Ich will, daß mich die ganze Welt liebt und daß ich mit allen
spiele, die mich lieben.. Daß sie mir Kleidchen kaufen, mich zu Abendessen
bei Kerzenlicht einladen und ich ihnen mit meinen Strumpfhosen rascheln und
knistern kann, und ich sie mit meinen großen klugen Augen anschaue, während
sie sich über ihre Ehefrauen beschweren... Das schlimme ist, daß jedem Püppchen
einmal jedes Spielzeug zum Halse raushängt. Nein, ich möchte nicht ein Püppchen
sein...
Ich wähle die Schreibfeder. Ich will schaffen! Ich will, daß mich die ganze Welt
vergöttert. Ich will den Menschen sagen, warum sie... warum.... Nein, statt mir
selber irgendwelche Fragen zu beantworten, ist es besser Fragen zu stellen...
"Warum leben wir, Dank euch, heutzutage viel besser als jemals zuvor...?”
Nein! Ich wähle den niedlichen Tresor... Ich will reich sein! Daß mich die
ganze Welt respektiert! Daß mich irgendwelche Bettler mit ihren Staatsflugzeugen
besuchen und sagen: Ach, was für schöne Rosen wachsen in ihrem kleinen Garten,
Madame, warum investieren Sie nicht einpaar Milliarden in unserer Landwirtschaft?
Wir haben ein so günstiges Investitionsklima...
Nein, ich will ein Diplomatenköfferchen!... Daß ich in der ganzen Welt schalten
und walten darf! Dabei habe ich neue Zähnchen um alle anzulächeln... Und ein
neues niedliches Dekolleté... Und sollten mir Stalin, Rousewelt und Churchil den
Weg kreuzen, werde ich ihnen die Köpfe in meiner Art verdrehen, daß ihnen das
Hören und Sehen vergeht. Ich werde sagen: "Gut, ich gebe euch Südbulgarien
auch, ich gebe euch Westbulgarien auch und Nordbulgarien auch noch dazu...”
Und wenn ich sehe, daß ihnen die Äuglein glänzen, werde ich sagen: "Und jetzt
müßt ihr aber auch unterschreiben!” Und auf dem Papier wird tatsächlich geschrieben
sein, daß wir Ausgang an drei Meeren hätten... Ha-ha-ha!...
Her mit der Pistole. Ich will stark sein... Ich will sein!... Nein!--- Ich will sein!...
Nein!... Ich will... Ist schon gut, Mutter, ich wähle ja schon... Wo ist denn
meine Geburtstagstorte?... Wo ist denn meine Torte mit den 1300 Geburtstagskerzen
darauf?...
KINDERSPIELPLATZ
Juhuuh, was für ein schöner Sand... Alles kann ich mir daraus bauen....Juhuuh,
seht nur, was für eine kleine Gebirgskette ich mir da aufgeschichtet habe! Eh,
sie sieht nur einbißchen alt aus, aber es macht nichts. Und da zwei jüngeren...
Ach, sind die niedlich! Wie kleine Brüste... Daran sollen die Volkshelden nuckeln -
ganze hundert Jährchen lang... Puuh, bin ich schmutzig geworden! (Quengelt)
Muttiii, mutzig, ba! Da, hier werde ich mich einwenig waschen... Seht euch das
an, seeht her! Ich wasche mich selbst im Meer!... Und jetzt eine kleine niedliche
Toilette für die Ausländer, während ich ein bißchen Wasser lasse ins Meer... Denn
alles wird durchs liebe Wasser vermehrt...mal sehen, ob sie mich jetzt auslachen.
Seht doch, ich bin im Wasser, im Wasser bin ich! Ich hoffe, die meinen nicht,
ich sei ein kleiner Kerl mit Minderwertigkeitskomplexen? Ich zeige es ihnen gleich,
ob ich ein Großer oder ein Kleiner mit Minderwertigkeitskomplexen bin - ich tue
mir nämlich ein..., zwei..., nein, drei winzige Löwen in meinen kleinen
Nationalwappen! Und ich baue mir eins, ein solches aus Stäbchen... Und ich
mache darauf ein grooßes Schornsteinchen und alle sollen sehen, daß ich auch
eins habe... Ich habe ein kleines Werk, ich habe ein kleines Werk! Genau gesehen
hab ich sonst nichts.. (Heult wieder drauf los). Dann werde ich eben in meinem
kleinen Werk kleine Tanks bauen... Wenn ich denn meine kleinen Tanks sozusagen
habe, dann werde ich so ziemlich alles haben, was ich brauche! ... Und ein niedliches
Meer, und einen niedlichen Ozean... Und einen klitzekleinen Nordpol... Und eine
kleine Milchstraße dazu... und ein kleiner Mercedes... Ich werde alles haben,
werde mir einen kleinen Sandhof bauen und werde dort einfach ein bißchen
mit mir spielen!... So an die hundert Jährchen lang! Warum aber brauche ich
so ein kleines Werk, das mir mein Goldsträndchen verschmutzt! .. Und mir die
tschechischen Mädchen vertreibt! Ich habe halt kein kleines Werk!... Ich habe...
Ich habe... Ich habe Kacki! Kacki gibt es!... Ach, dieses kleine Sandbulgarien,
die ich mir aufgebaut habe, ob mir der Sand reicht, meine eigene Kacke zu
bedecken?...
Übersetzung: Rumjana Zacharieva und Jana Link