IWAN KULEKOV




                                                              ÜBERLEBEN

     	Servus, mein liebes Volk!
	Weißt du, wie man überlebt? Nein, du hast keine Ahnung davon, einfach keine
	Ahnung! Dann hör mir gefälligst zu, ich werde dir ein Lied davon singen! Das
	Leben, dieses Greuel für die armen und zum Sterben tendierenden Leute, könnte 
	sich in einen wunderschönen Traum für dich verwandeln. Jeder einzelne, z. B. 
	könnte sich vorstellen, wie er in den Wald spazierengeht. Hier ein Preisselbeerchen 
	gepflückt, da ein Walderdbeerchen... Ein kleiner Grashalm ragt aus dem Mund. 
	Den Saft mit den Zähnchen gepreßt, unterwegs in einen zweiten Gras-halm 
	gebissen... Die Füßchen ins Gebirgsbächlein getaucht... Anfangs kommt dir das 
	Wasser kalt vor, dann gewöhnst du dich daran. Niemand da, der dich anschreit, 
	ich reiß dir den Kopf ab, wenn du nicht sofort aus dem Wasser gehst, - du bist 
	dir Eltern und Kind zugleich. Schläfrig wird dir zumute, ob von der frischen 
	Gebirgsluft oder was... Du schläfst mit Augen zum Himmel gerichtet, drehst 
	dich aber aus alter Gewohnheit auf die Seite... Das zarte Kreuz entblößt, deckt 
	es Mutter Natur mit einer Sonnenwindel zu. Du träumst, du habest gerade 
	geduscht, stürztest ins Bett. Das Bettuch unter dir duftet nach Wind, das 
	obere nach verhallendem Sturm, und da schläfst du schon blitzartig ein. Du 
	träumst, daß du schläfst. Du schläfst und träumst...Du wirst wach von 
	Säuglingsgeschrei. Ach, der Storch hat dir ein Kindchen gebracht! Der Frühling 
	ist also da, der Winter vorbei, das Leben geht weiter und fängt wieder an.
	Ein wunderschöner und jedem zugänglicher Traum. Um das Leben so zu 
	verbringen, sind keine Mittel notwendig. Der Briefkasten bleibt leer, keine, 
	Heizungs-, Strom - oder Telefonrechnungen. Keine Steuern. Keine Gespräche 
	über den Preis des Schweinespecks. Kein sauereingelegtes Gemüse. Der 
	Organismus holt sich selbst, was er braucht, aus den eigenen Fettreserven. 
	Und das Wichtigste: die im Schlaf verbrachte Zeit wird dir nicht als Leben 
	angerechnet, sodaß du nicht nur Geld, sondern auch Leben sparst, womit du 
	auch zur Vermehrung des Lebens auf Erden beiträgst.
	Seid ihr schon alle zum Hinlegen bereit? Habt ihr schon Pipi gemacht? Habt 
	ihr den Ofen, den Eisschrank, das Telefon, den Fernseher ausgemacht? Habt 
	ihr die Blumen gegossen? Habt ihr "Schuld und Sühne” gelesen? Den "Kleinen 
	Prinzen”, vielleicht? Habt ihr "Amarkord” gesehen? Habt ihr Englisch gelernt? 
	Habt ihr die Hühner gefüttert? Die Spatzen? Habt ihr die Niagara-Fälle besucht?
	Seid ihr in Paris gewesen? Habt ihr was für die Kranken getan? Für die Toten? 
	Oder für die Lebenden? Habt ihr euch alles gesagt? Habt ihr euch geküßt? 
	Habt ihr euch geliebt?...
	Wie, sind nur die Kinder zum Schlafen bereit? Und Ihr, die Erwachsenen, habt 
	bloß Pipi gemacht?
	Na denn gute Nacht, Kinder!



                                                        SPÄSSE


	Hallo ihr, ich heiße... Moment mal, ich rede doch nicht mit irgendwelchen 
	Amerikanern, daß ich mich vorstellen soll. Ich rede mit Bulgaren, und für 
	den Bulgaren ist es vollkommen unwichtig, wer wer ist: Hauptsache der 
	Spaß ist gut.
	Also fangen wir damit an. Keinerlei Politik, keine richtigen Parteien... Bei 
	uns sind nicht mal Parteien... Pure Mafia-Clans. Mit all den Paten, mit all 
	den Trauzeugen, mit all den Neffen und Nichten... Was für eine Nichte 
	haben die Kommunisten nur! Und was für eine Super-Schwägerin die 
	anderen! Du weißt nicht wohin mit dir, links oder rechts? Beide sind ein 
	bißchen verrückt, aber was soll´s - das kommt von der Politik. Schließlich 
	händigt man ihnen, zusammen mit der Deputierten-Karte, auch eine gelbe 
	Karte aus, damit sie durch das Gesetz unantastbar sind... Darum werden 
	sie mit ihren Deputiertenkarten Millionäre, und mit den Gelben beweisen 
	sie, daß sie unschuldig sind.
	Nein, ich will weder von Politik noch von Wirtschaft was hören. Und es 
	interessiert mich überhaupt nicht, was für Spritzen derWirtschaft gegeben 
	werden - muskulär-oder intravenös. Sie soll frisches Blut verlangt haben... 
	Man spricht davon, daß seitdem unsere Wirtschaft vampirisiert worden ist, 
	sie das ganze Blut des Volkes ausgesaugt habe, aber das stimmt nicht. Unser 
	Volk ist seit langem ausgesaugt - in einem halben Jahrhundert freiwilliges 
	Blutspenden ist von ihm nichts mehr übrig geblieben. Und wieso ist es immer 
	noch am Leben? Das weiß ich nicht. Es wird behauptet, daß nur der Teufel 
	ohne Blut existieren kann. Was kommt also unterm Strich heraus? Daß dies 
	hier kein Volk ist, sondern ein echter Teufel, nicht wahr.?
	Schluß, aus! Jetzt fange ich mit den Späßen an. Aber wenn ich Spaß sage, 
	dann meine ich auch Spaß, und nicht irgendwelche Avantdgardismen, wo 
	du nicht weißt, ob du lachen oder weinen sollst... Wie z.B. von der Sorte: 
	"Ein Schiff geht unter. Die Passagiere versammeln sich. Sie entscheiden, 
	den Kapitän auszuwechseln.” Ist das ein Scherz? Quatsch. Genug mit dieser 
	hohen Kultur, mit der man uns täglich in der Presse quält. Ich hab einfach 
	kein Bock mehr darauf zu lesen: ”Ein junger Mann dunkler Gesichtsfarbe 
	vergewaltigt aus Versehen ein 20-jähriges Mädchen, das er für eine 80-jährige 
	Oma gehalten hat.” Oder "Dem Mörder wird die Sprache verschlagen, als er 
	merkt, daß sein Opfer schon tot ist.” Oder "Ein Hermaphrodit vergewaltigt 
	sich selbst in der grausamsten Weise und läuft weg”. Ich kann diese Kultur 
	nicht nachvollziehen - dies ist eine elitäre Kultur: für Freud, für Jung, für 
	Phillip Dimitrov...
	Wir, das Volk, wollen verständlichere Späße. Zum Beispiel, daß von Zeit 
	zu Zeit, einmal im Monat, von Haus zu Haus...ein Weib mit solch großen... 
	ihr versteht schon, nicht wahr, geht, und wir, das Volk, ihm eins auf den 
	Hintern klatschen dürfen. Und es lustig wird - so ein Spaß lobe ich mir. 
	Ist doch wohl nicht zu viel verlangt von der Staatsmacht uns so einen 
	Spaß zu sichern, immerhin haben wir was für sie getan, die Stimmbänder 
	haben wir uns kaputtgemacht für ihren Sieg! Laß doch die Regierung... 
	auch was für uns tun. Sollte es ihr peinlich sein, uns das Weib in der Form 
	einer Tussi zu schicken, soll sie es uns doch als Kassiererin-Stromableserin 
	ins Haus schicken, oder so ähnlich. So wie das die frühere Regierung machte. 
	Und die Regierung soll sich gar nicht beklagen, daß sie kein Geld hat. Sie 
	soll gefälligst n´paar Dollar, n´paar DM verkaufen, bei diesem Kurs des Dollars...
	Mein Gott, was ist mit dem Dollarkurs los?!...Also ehrlich, das Leben ist 
	geradezu unmöglich geworden... Als ich heute morgen in den Eisschrank 
	geschaut habe, oh Schreck! Sogar Zucker mußte ich einkaufen, Salz auch..
	Also, was wollte ich euch noch erzählen?... Ich hab es vergessen... 
	Entschuldigung, Entschuldigung, Entschuldigung...


                                 
                                    BEKÄMPFUNG DER MAFIA


	Servus, verehrte Zuhörer!
	Unser heutiges Gesprächsthema ist die Mafia. Machen Sie es sich in den 
	Sesseln bequem, laden Sie Ihre Pistolen, und wer Mut hat, uns anzurufen, 
	der rufe uns an, wer nicht, er soll sich besser selber erschießen.
	Sind Sie bereit? Fangen wir an.
	Also, einst war es nicht so. Einst ging man ruhig aus dem Haus, schaute sich 
	um und sah keine Mafia. Auch wenn der Mensch hoch hinaufstieg, beispielsweise 
	zum Schwarzen Berg hinauf - denn höher als den Schwarzen Berg gab es nichts, 
	sah man immer noch keine Mafia. Selbst mit den starken Augen von damals 
	nicht. Ich z.B., sobald ich mich auf der Spitze des Schwarzen Bergs stellte, sah 
	ich bei jeder Wetterlage das Schwarze, das Weiße und das Mittelmeer.
	Ach ja, da ist auch schon unser erster Zuhörer am Telefon.. Hallo!..Auch Sie 
	erinnern sich an das Bulgarien, dessen Ufern sich in drei Meeren wuschen. 
	Ein sauberes, adrettes Bulgarien... Ja, ich bedanke mich!
	So...Wohin man auch guckt - überall die Mafia. Keine Chance, das Haus zu 
	verlassen und lebend nach Hause zurückzukehren. 
	Jetzt haben wir schon wieder einen Zuhörer am Telefon... Hallo! Sie sind mit 
	uns einverstanden?...Sie wagen es nicht, nach Hause zurückzukommen?... 
	Wenn Sie mai zum Brotholen ausgehen?... Vor... Vor wievielen Jahren?... Ah, 
	Sie erinnern sich nicht, Sie sind noch jung gewesen, denn damals hat Ihnen 
	die ganze Mafia nachgeschaut... Was hat es da gegeben? Einen Mafiosi hat´s 
	da gegeben, mit soo dicken Oberarmen, und wenn er Sie nur angeschaut hat, 
	dann was?... Ich verstehe... ich danke Ihnen..
	Ja, verehrte Zuhörer, es ist schön, etwas herumzuschlendern, solange sich die 
	Mafia nach dir umdreht, aber manchmal gelüstet es den Menschen auch nach 
	Hause und, weil east or west - the home is best! - da stellt sich die Mafia 
	einfach vor dein Haus auf und erlaubt es dir einfach nicht nach Hause 
	zurückzukommen.
	Hallo!... Sie haben sich eine Gaspistole gekauft, wissen aber nicht, ob Sie 
	Ihnen helfen würde?... Woher haben Sie diese denn gekauft?... Ach so, von 
	der Mafia...
	Hören Sie, mein Herr, wenn wir die Mafia nicht mit ihren eigenen Mitteln 
	bekämpfen, bringen wir es nicht weit... Der Mafia können wir nicht nur mit 
	unseren Mitteln Widerstand leisten...
	Hallo?.. Ja, dann bleiben uns tatsächlich nur die bloßen Hände. Bloß, aber 
	unsere eigene Sauber. Nicht schmutzig, wie die der Mafia. Aber mit sauberen 
	Händen, kühlen Verstand und... was für ein Herz war es noch..., wissen Sie, 
	was wir da schaffen könnten?
	Hallo, ja... Wir können ein KGB schaffen?...
	Nein, mein Herr, wir können Wunder schaffen! Aber erst müssen wir uns 
	organisieren... In Abteilungen, in Trupps...
	Hallo, ich höre zu...Sie wollen die Fahne besticken?... Ich danke Ihnen. Und 
	darauf schreiben Sie "Krieg und Frieden”. Auch "Die Brüder Karamasov”, 
	bitte! Auf das, daß die Mafia mitkriegt, daß sie es mit gebildeten Leuten zu tun hat... 
	Und wenn ein bestimmtes Signal gegeben wird...
	Hallo? Für zwei Flaschen Wodka können wir "Aurora” mieten.
	Ja! Und vereint stürzen wir uns auf die Mafia. Und wir liquidieren sie, egal, 
	wo sie sich versteckt: auf der Straße, im Business, in der Regierung, im Parlament...
	Hallo? Wie "und was nun”?
	Wir kehren einfach heile nach Hause.
	Hallo? Wie "na und”?
	Was heißt das, na und?... Wir leben dann weiter.
	Hallo? Was heißt das warum?... Wie warum?... Weil... Weil... Sagen Sie denn, 
	weil... weil... He, Sie da, ist es denn so schwierig zu antworten, warum wir 
	weiter leben sollten... Hallo!...Hallo!... Jetzt hat er sich erschossen...
	Hiermit ist nun unser Gespräch, verehrte Zuhörer, zu Ende.
	Und wenn Sie eine Antwort auf die Frage hören wollten, was denn die Moral 
	aus der Geschichte sei, so nehmen Sie Papier und Stift zur Hand und schreiben Sie :
	Fazit: In Bulgarien mordet die Mafia nicht mit Pistolen, sondern mit Worten!
	Aufwiederhören!



                                                          ES IST NOCH ZEIT


                                                 Reportage aus dem verhexten Land

	Während der Mangel an Zeit von Tag zu Tag zu einem permanent wachsenden 
	Weltproblem wird, stellt die Zeitnot im verhexten Land gar kein Problem dar. 
	Egal wohin man geht - ins Parlament, in die Regierung, oder einfach beim 
	Gevatter Pescho, wasimmer man haben will - ob Freiheit, Gerechtigkeit, oder 
	einfach Brot, so hört man nur eins: es ist noch Zeit!
	Es gibt keinen Raum im verhexten Land, der nicht mit Zeit gefüllt wäre. Aus 
	diesem Grunde ist es schwierig festzustellen in welcher Richtung hier die Zeit 
	fließt, aber das wiederum interes-siert niemanden. Selbst in den Matheaufgaben, 
	wo ein Becken gewöhnlich aus drei Rohren gefüllt wird, fragt man nicht, wie 
	lange die Abfüllung dauert, da die Richtige Antwort schon im voraus sowohl 
	Lehrern als auch Schülern bekannt ist - bis es halt voll wird, ist noch Zeit.
	Während die zeitarmen Länder die Gesellschaftszeit zu entwickeln versuchen, 
	bewegt sich jeder von den Verhextenländern in seiner eigenen persönlichen Zeit. Die 
	Vielfalt der Zeit ist derartig groß, daß es schier unmöglich ist, auch nur zwei 
	Personen anzutreffen, die in der gleichen Zeit leben. Aus diesem Grund 
	begegnen hier die Menschen nicht, sondern gehen an einander vorbei.
	Seit einigen Jahren ist die Periode 1944 bis 1947 schrecklich in und der größte 
	Teil der Bevölkerung lebt permanent in dieser Zeit, aber gleichzeitig kann man 
	auf Straßen und Plätzen auch Volk aus dem 12. oder 13 Jh. antreffen.
	Falls Sie sich fragen, was denn aus dem verhexten Land werden mag, so 
	lesen Sie unsere Geschichte, dort steht es beschrieben: nicht nur die 
	Vergangenheit, sondern auch die Zukunft. 




                                                       MILITÄRKUNST



	Guten Tag, verehrte Zuhörer!
	Unser heutiges Gespräch wird streng geheim sein, also schalten Sie, bitte, 
	alle ihre Radiogeräte aus und ruft mich nur in äußersten Notfall an!
	So.. Jetzt hoffe ich, daß mir niemand mehr zuhört...
	Vom Bulgarischen Geheimdienst erfuhr ich, daß wir immer noch kein 
	ausgearbeitetes Militärdoktrin hätten, sodaß ich euch jetzt eine ausarbeiten 
	werde. Unser Militärplan muß vor allem den Interessen unseres Volkes 
	entsprechen. Was aber sind die Interessen unseres Volkes?
	Hallo?... Ich höre... Sie wissen nicht... Weil die Interessen dauernd gewechselt 
	werden...
	Also. Zur Zeit hat unser Volk Interesse an der Privatisierung, an der gerechten 
	Aufteilung des Staatseigentums. Zum Beispiel: es geht nicht, daß einer eine 
	"Erde-Luft”-Rakete vom Staate bekommt und ein anderer eine bloße "Makarov”-
	Pistole, nicht wahr? Es muß Gerechtigkeit geben. Das Staatseigentum sollte 
	seinem Trotyläquiwalent entsprechend unter uns aufgeteilt werden. Zum Beispiel, 
	wenn Zuhörer X einen Tank bekommt, muß sein Nachbar ein Schützenpanzer-
	wagen 	plus eine Haubitze dazu bekommen. Das wird die Parität wahren und 
	es wird die internachbarlichen Kriege vermeiden.
	Hallo? Ich höre! ... Wenn sie den Tank bekommen haben, wo Sie ihn aufbewahren 
	sollen? Auf der Straße würde man ihn Ihnen schon am ersten Abend stehlen?...
	Hallo, und wenn sie ihm eine Alarmanlage einbauen ließen?
	Ich höre!... Schon jetzt können sie es mit all den Alarmanlagen kaum aushalten, 
	und wenn wir unter ihnen erst die Tanks verteilt haben... Bitte? Und außerdem 
	würde rein gar nichts gegen den Raub helfen? Was für Spezialisten es da gäbe?... 
	Es gibt solche Spezialisten, die dir auch eine Kanone unterm Hintern klauen würden. 
	Ehe man es sich versieht, ist sein Tank entweder schon in Serbien oder in Rußland ?...
	Wo soll ich hin?... Hingehen und ihn  in jenen Kampffeldern suchen... Bitte?... 
	Ja, auch die Motornummern werden sie ihm auswechseln, die Nummer der 
	Karosserie auch... Sie wollen keinen Tank, lieber eine Wolldecke und zwei 
	Bettücher pro Kopf hätten sie gerne von der Privatisierung - sonst nichts?
	Entschuldigen Sie, mein Herr, aber Sie wollen das Unmögliche. Sie wissen doch, 
	daß der Staat die Bettdecken und die Bettücher nur in der Abrechnung führt, 
	aber daß es sie in Wirklichkeit gar nicht gibt. Während die Sache mit den Tanks 
	ganz andersherum liegt. Und nicht zu sprechen von den Raketen. So daß dasjenige, 
	was Sie von unserem Staat tatsächlich bekommen können, nicht Wolldecken und 
	Bettücher sind, sondern Kalaschnikovs, Kanonen, Tanks und Flugzeuge...
	Hallo? Ich höre! Wozu brauchen Sie diese Flugzeuge, wenn sie keine Mittel haben, 
	um sie zu warten? Wieso nur zum Ärger? Wieso sollen ihre Flugzeuge bloß auf 
	Holzblöcken vor Ihrem Wohnblock stehen und Sie sollen bloß zuschauen, wie 
	man sie wegen der Kupferdrähte ausweidet? Bitte? Sie hätten schon Ärger genug? 
	Noch mehr wollen Sie nicht...
	Scheiß drauf, ein komisches Volk sind wir, die Bulgaren. Wir wollen unsere eigenen 
	Tanks nicht, wir wollen unsere eigenen Flugzeuge nicht, wir wollen unsere eigenen 
	Raketen nicht, wie werden wir den Kapitalismus unter diesen Umständen aufbauen, 
	weiß ich nicht...
	Bitte?... Wieso denn, wie wir den Sozialismus aufgebaut haben, werden wir auch 
	den Kapitalismus aufbauen?...
	Entsetzlich!...
	Hallo?... Ich höre zu!.. Wie es den Russen mit uns nicht leicht war, wird es auch 
	den Wessis mit uns nicht einfach sein...
	Gott, was soll man denn mit euch anstellen, was für eine Militärdoktrin sollen wir 
	ausbaldowern, wenn wir nichts wollen? Wollen wir nicht einmal uns eigenes 
	Mazedonien?
	Hallo?...Ich höre... Nein.
	Und was ist mit der Dobrudscha?
	Hallo?... Ich höre! Ich soll verrückt sein? ..Warum?... Weil man Ihnen 1 Dekar 
	Weinberg zurückgegeben hat und Sie wundern sich, was Sie damit anstellen 
	sollen, während ich Ihnen  ganz Mazedonien und der Dobrudscha aufhalsen will!... 
	Bitte?...Sie, ich verstehe, sehen bloß zu, wie sie Bulgarien loswerden wollen... Bitte? 
	Wenn ich Ihnen schon was beibringen will, so soll ich Ihnen beibringen, wie Sie 
	aus Bulgarien weglaufen können?...Wo wollen Sie denn hin? Nach Paris?...
	D.h. militärisch ausgedrückt, Sie wollen Bulgarien  von sich selbst befreien
	und... Paris erobern...
	Ich soll es verstehen, wie ich will? ... Ich danke Ihnen!... D.h. militärisch 
	ausgedrückt, Offensive durch Defensive?... Als alter Militär a.D. muß ich 
	Ihnen sagen, daß dies eine sehr schlaue Taktik ist, sehr schlau, daß sich jedoch 
	keine Konfrontationen vermeiden lassen, wenn sie ihre Waffen nicht zurückhaben 
	wollen.
	Hallo.. Ich höre!.. Also, wir werden die Franzosen nicht bekämpfen, wir werden 
	Paris nicht als Angreifer erobern, sondern als Abtrünnige. Bitte?... Ja, niemand 
	auf der Welt schlägt die Abtrünnigen, nur die eigenen Leute, aber, wir haben 
	keine eigenen, wir sind uns alle einander fremd. Sind Sie der Meinung?
	Ich meinte, wir würden ohne Kämpfe nicht auskommen, nicht in Frankreich, 
	sondern in Bulgarien.
	Ich höre!... Wer denn gegen uns kämpfen würde? Die Armee wird mit uns 
	den Rückzug antreten, die Polizei wird mit uns den Rückzug antreten... Kennen 
	Sie keinen einzigen Bulgaren, der den Rückzug nach Paris nicht hätte antreten 
	wollen?...
	Soweit ich durch unseren Geheimdienst informiert bin,  weder die Armee noch 
	die Polizei kontrollieren das bulgarische Territorium, sondern die Mafia.
	Und die Mafia wird es nicht zulassen, daß wir Bulgarien ohne Kampf 
	abtreten. Wo sonst auf der Welt kann man so eine nette Gesellschaft finden, 
	in der man so ruhig vor sich hin leben kann!
	Bitte?... Unsere Mafia sei nicht gefährlich? Gib ihr nur was?... Ein paar 
	Mercedes und sie läßt dich überall hin... Sie ist garnicht gefährlich, unsere 
	Mafia, sondern... Hallo?... Hallo?... Wieso ciao?... Wohin, bitte sehr? Nach 
	Paris?...
	Und was ist mit mir? Und was ist mit uns?... Wen werden wir belehren?... 
	Halt!... Haaalt!.. Verräter!... Verräter!... Es lebe Bulgarien!...



                                             DIREKT INS LOCH


	Der Herr Trajanov hat Ziegenohren!
	Soo groß, wie bei einem Esel... Nein, wie beim einem Elefanten... Und dreckig 
	sind die, dreckig wie Mülleimer... Nein, wie Sofia. Und ganz voller Löcher - 
	zwei Felgen sind mir daran kaputtgegangen, ganze zwei Felgen! Nur, bei wem 
	kannst du dich beschweren? Demokratie!
	Vor der Demokratie gab es auch keinen Platz, an dem man die Wahrheit hätte 
	sagen können, aber wenigstens grub ich keine Löcher wie ein Bergmann. Ich 
	schlüpfe in irgendein Süßwarenlädchen hinein, bestell mir ein Windbeutelchen 
	und ein Gläschen Bosa, bestell mir das Beschwerdebuch und schreib da ein bißchen 
	was über die dreckige Schürze der Konditorin hinein. Ich schreib über die dreckige 
	Schürze der Konditorin, aber ich weiß, daß es den dreckigen Genossen Trajanov 
	betrifft. Und so Tag für Tag, Windbeutelchen für Windbeutelchen, ein Gläschen 
	Bosa nach dem anderen, kamen viele Kilos eins zum anderen dazu, vor lauter 
	Schreiben über die Wahrheit. Unsere Schriftsteller waren die größten in der 
	Welt geworden, man gab sie immer wieder in dem Guiness Buch der Rekorde heraus, 
	aber die Resultate ließen auch nicht auf sich warten - eines Tages änderte der 
	Herr Trajanov seinen Charakter. Aber nicht seine Ohren.
	Sag nun, liebes Loch, wo soll ich denn das sonst sagen? Ich wanderte von einer 
	Redaktion zur anderen, und als die Redaktionen vom Dreck in den Ohren des 
	Herrn Trajanov lasen, freuten sie sich sehr, sehr schön, sie sagten, es gibt genug 
	Dreck, wir werden das publizieren, aber als Ilustration brauchen wir ein Bild 
	der trajanovschen Mätresse, und zwar nackt... Wie soll ich ihnen erklären, daß 
	Trajanovs Mätresse meine Frau ist...
	So daß du, rein theoretisch, alles, was dich bedrückt, überall beichten kannst, 
	aber rein praktisch - nirgendwo. Ich spreche da nicht von der Kirche. Denn 
	über unsere Kirche - entweder was Gutes oder gar nichts.
	Ich bin mir da nicht ganz so sicher, wie es beim Gericht der Fall ist, aber bald 
	werde ich es wissen. Vorige Woche kaufte ich zwei Eier von der Nachbarin 
	und sie erwiesen sich als schlecht und ich bekam, du weißt schon... Ich fragte 
	die Nachbarin, woher sie denn die Eier hätte, und sie sagte, daß es ihre eigenen 
	seien, d.h. die ihrer Henne. Soso, also, d.h. im Sinne des neuen Gesetzes bist 
	du ein Hersteller, dessen Produkte gesundheitsschädlich sind und du darfst 
	eine Strafe von 100 Milliarden Leva bezahlen. Wenn es dir aber Recht ist, 
	können wir uns in guter Nachbarschaft einigen, du kannst mir auch bloß 50 
	Milliarden Leva Entschädigung zahlen und so kann dir das Gericht erspart 
	bleiben. Sie antwortete, sie würde mir keine kaputte Milliarde zahlen und 
	ich stellte daraufhin meinen Anspruch vors Gericht. Die Verhandlung findet 
	statt im Jahre 2000, um 5.00 Uhr nach der Sintflut, so daß ich erst dann 
	feststellen kann, ob es einen Sinn hat, beim Gericht zu klagen...
	Und bis dahin (mit heiser werdenden Stimme) bleibt mir nichts anderes, als 
	daß ich in den Löchern schreie, daß der Herr Trajanov Ziegenohren hat, bis 
	ich die Stimme verliere... Ich glaub, es ist schon so weit... Gott, wie werde 
	ich mich an den nächsten Wahlen beteiligen?



                                               
                                                   KULTURMONOLOG

	

	(Beifall)
	Ich danke ihnen. Mein Wunsch war schon immer den Menschen  Freude zu 
	bereiten und es ist gut, daß ich keine Schauspielerin, sondern Kassiererin 
	geworden bin. Wohlergehen und Gesundheit bis zum Jahre 2000 denjenigen, 
	die entschieden haben, daß wir kein Theater, sondern Geld brauchen, die aus 
	den Theater-Sälen Bingo-Hallen und aus uns Schauspielerinnen Kassiererinnen 
	gemacht haben. Hätte ich hundert Ofelien gespielt, hätte ich hundert Monologe 
	aufgesagt, so hätte ich niemals so eine Freude empfunden und nie so einen 
	Erfolg geerntet wie mit dem Satz: "Ich ziehe mich mal eben aus und fang an, 
	das Geld zu verteilen.” Ehrlich gesagt, der Chefbuchhalter hatte mir nur die 
	Replik vorgeschrieben, "Ich fang an das Geld zu verteilen.”Um dieses "ich 
	ziehe mich mal eben aus” mußte ich lange kämpfen, zwecks Befriedigung 
	meiner eigenen schauspielerischen Leidenschaft. Immerhin beurteilt man die 
	Begabung einer Schauspielerin nach dem, was sie zum Ausziehen hat. Nun, 
	ich kann mich mit den großen Schauspielerinnen nicht messen, mit denen, 
	die Fellmäntel aus Bisam und Büstenhalter der Marke "Triumph” ausziehen. 
	Ich habe es höchstens mal bis zum Ausziehen eines Regenmantels gebracht. 
	Und bin trotzdem zufrieden. Obwohl man sich mehr an dem, was ich aus der 
	Tasche heraushole, freut. Wenn ich es eilig habe, ziehe ich einfach den 
	Reißverschluß und hole sie heraus. Aber wenn ich mal gerade ein bißchen 
	mehr Zeit hab, bringe ich sie alle um den Verstand, bis ich daran komme. 
	Ich tanze glücklich mit der Tasche herum, als wäre alles, was sich darin 
	befindet, mein eigenes, ich betaste sie durch das Leder, öffne den Reißverschluß 
	langsam, um nur einen Bündel davon zu zeigen, dann ziehe ich den Reißverschluß 
	blitzschnell wieder zu, tue so, als würde ich fortgehen, und im nächsten 
	Augenblick sehen sie mich mit vollen Händen zurückkehren, sie zählen, 
	sie wieder verstecken, fasse die Tasche mit zwei Fingern an, lasse sie frei 
	auf den Boden fallen. Manchmal sage ich:”Na bitte, sie gehören euch!” aber 
	in den meisten Fällen sage ich nichts, weil alle inzwischen sowieso ihre 
	Brieftaschen aufgemacht haben. Oh, Wohlergehen und Gesundheit auch 
	bis zum Jahre 2001 denjenigen, die die Kultur liquidiert haben! Wäre ich 
	Schauspielerin gewesen - na was dann? - Da hätten die Leute bemerkt, nur 
	was ich nehme. Ich weiß noch, als ich noch Fachschauspielerin fürs Drama 
	werden wollte, da kam nach einer Vorstellung eine Frau zu mir, tränenüberströmt. 
	Sie haben so´n Schauspiel dahingelegt, sagt sie, Sie haben mich so aufgewühlt, 
	ich fühl mich jetzt so veredelt, aber eins möchte ich Sie fragen - wieviel haben 
	Sie dafür bekommen? Jetzt aber, als Kassiererin, fragt mich keiner, was ich 
	nehme, sondern was ich gebe.
	Und ich habe Millionen ausgegeben. Mir ist schon mal passiert, daß ich eine 
	Million an eine Million Seelen verteile, aber öfter passiert es mir, daß ich eine 
	Million einem einzihen Menschen gebe. Wie es gerade kommt. Gutes Geld 
	hab ich ausgegeben, an guten Menschen oben drauf, aber in letzter Zeit zahle 
	ich kein gutes Geld mehr aus. Denn je zahlreicher die Nullen auf den 
	Geldscheinen werden, desto grausamer schauen dich die darauf Abgebildeten 
	an. Solltet ihr zufällig den Peter Beron auf der 50 000-Lewa-Banknote gesehen 
	haben - ihr braucht keinen Horrofilm mehr zu sehen. Als hätte man ihm gerade 
	die Geheimakte mit dem Dossier geöffnet.
	Was ist nicht alles gewesen. Ich habe ein erstes Gehalt an Leuten gegeben, die 
	achtzehn Monate lang gearbeitet haben und ein dreizehntes Gehalt an Deputierte, 
	die bloß sechs Monate gearbeitet haben. In lauter Einweggläsern aufbewahrtes 
	weißes Geld für schwarze Tage... und in Matratzen verstecktes Schwarzgeld 
	für weiße Tage...
	Jetzt begegnen mir Menschen auf der Straße, denen ich mal Vorschüsse, mal 
	Prämien gegeben habe, und sie flüstern einander zu: seht, die Kassiererin, die 
	Kassiererin! - lauter Autorgramme wollen sie von mir haben, wollen mich berühren, 
	mich mal eben kneifen, ein Foto mit mir machen. Ich verstehe - wenn wir schon 
	mal keinen Eifelturm haben...
	Wohlergehen und Gesundheit aller, die unsere Kultur vernichtet und aus allen 
	Schauspielerinnen Kassiererinnen gemacht haben. Auf das, daß wir den Menschen 
	Freude bringen und sie Beifall klatschen. Ich danke Ihnen.
	(Beifall)
	Ich ziehe mich mal eben aus und fange an, das Geld zu verteilen.
	(Beifall)



                                                      GRÜSS GOTT!



	Grüß Gott!
	Grüß Gott, ich bin der Danko! Ich habe gehört, ihr habt da Schwierigkeiten im 
	Dunkeln. Ich möchte euch eine freudige Mitteilung machen: die Operation 
	zwecks Herausnahme meines Herzens ist erfolgreich verlaufen, und jetzt 
	werde ich euch ein Licht anzünden, damit ihr den Weg zur Freiheit finden könnt, 
	und zur Demokratie... Wartet nur ab...Habt nur einbißchen Geduld mit mir!... 
	Pfui Deubel!... Sehn´se mal, ohne Liebe klappt´s nicht. Ihr versteht schon, ihr 
	müßt mir eure ganze Liebe geben, die ich ins Feuer umwandeln kann... Sollte 
	irgendeiner nicht angefangen haben, mich zu lieben, da seid ihr, ehe man sich`s 
	versieht, im Dunklen geblieben! Na, mal sehen, ob es zündet?  Ne, ne... Guckt mal. 
	Es ist euer Problem - ihr liebt mich einfach nicht genug. Und wenn ihr jetzt die 
	Dunkelheit nicht dafür nutzt, um mit diesen Leuten ins reine zu kommen, sehe 
	ich für euch schwarz... Du sollst zünden, du!... Wenn ich was versprochen habe... 
	So ist´s brav. Ne, ne.. schon wieder aus... Nein, nur mit Liebe klappt die Sache 
	nicht.. Dieses Herz verlangt geradezu nach einer Wartung. So ist es doch - 
	Freundschaft hin, Freundschaft her - nur Bares ist Wahres. Mit anderen 
	Worten, Kommissionen, Provisionen, Prämien, dieses und jenes... unterm Strich 
	kostet es euch einen Monatsgehalt pro Kopf, nicht mehr... Nicht wahr?... 
	Merci...Es ist nicht wie im Dunklen, eh?... Schon wieder aus! So´n blödes 
	Herz, das ich da hab! Ja-aa... Ich dachte, wir würden ohne auskommen... 
	Während der Operation hab ich viel Blut verloren, sodaß, wenn ihr wollt, 
	daß ich euch leuchte, ihr mir auch euer Blut geben müßt . Ja-aa... Gut so, 
	jetzt leuchtet es wie am Tage, nicht wahr? Sehr gut!... Hallo, ihr da, ihr 
	Menschen, wo seid ihr denn überhaupt?



                                                      DIE HEILIGE KUH


	"Eine Kuh - das ja, aber warum heilig?” - könnte jemand irgendwann mal fragen. 
	Doch während alle fragen: "Heilig - das ja, aber warum eine Kuh?” - bleibe ich 
	heilig. Muuuh!...
	Und ich werde heilig sein, solange ich so meisterhaft mit der Sprache umgehen 
	kann. Mich interessiert es nicht, was eure Sprache ist, aber die meinige ist 
	nicht die eines Rindviehs, nicht wahr? ... Muuh!.. Obwohl wiederum meine 
	magische Kraft eigentlich im Muhen besteht. Denn es wird verschiedentlich 
	gedeutet. Laut einigen bringt das Glück, laut anderen - Unglück. Muuh!...
	Außerdem bin ich nicht auf den Kopf gefallen. Nur in den Salat. Salat - ja. 
	Radieschensalat. Mit Kaschkawal, in Würfeln geschnitten. Und Oliven dazu. 
	Und einem gekochten Ei - obligatorisch. Mit Sauce-Vinaigrette. Sonst schmeckt 
	der Grappa aus Ewksinograd nicht so ganz, nicht wahr? 
	Das Volk verehrt mich. Wenn ich ins Zentrum spazieren gehe, machen sie Platz für  
	mich. Den Verkehr halten sie an. Sie kehren für mich alle Straßen, die ich begehe, 
	denn sollte es mich mal sonstwo drücken, dann kann ich erst recht in die ... treten, 
	nicht wahr? Muuuh!
	Und außerdem bin ich so heilig, weil mir der liebe Gott Hörner gegeben hat. Und 
	außerdem steche ich gern.
	Und weil ihr nichts Heiliges habt, habt ihr halt heilige Kühe. Muuh!



                                                DER KLEINE GROSSKOTZ


	Und ich habe gar keine Angst vor nix... nur vor Bienchen. Aber wenn ich ein 
	Bienchen näherkommen höre, drücke ich dieses Knöpfchen hier und da kommen 
	sofort irgendwelche Onkels und paff! - töten sie mir das Bienchen auf der Stelle.
	Und danach hebe ich dieses hier Telefönchen ab und entlasse alle Onkels, die 
	dem Bienchen erlaubt haben, sich mir zu nähern. Und diesem weiteren Telefönchen 
	hier befehle ich, daß sich einige kleine Jägereinheiten bilden, die allerlei 
	Bienenstöckchen vernichten. Um jedes Bienenstöckchen herum empfehle ich das 
	Aufwirbeln von viel Staub, damit die Sache einem harmlosen kleinen Rockkonzert 
	aussieht... Everybody! Händchen hoch!...Killing me softly... So brüllen die kleinen 
	Leute vor lauter Spaß, verblöden und werden hysterisch, während meine Leute - 
	klatsch, klatsch! - die Bienchen voller Staub, auf die Köpfchen... Und danach 
	fange ich an, die Kunst zu sponsern, die durch Bienen Gebissene darstellt...So 
	authentisch wie möglich soll sie diese darstellen, vor lauter Bienenstichen ganz 
	Kinder. Gleichzeitig lasse ich auf den Markt neue Kollektionen aus präparierten 
	Bienchen. solche, denen die Nadel mitten durchs Bäuchlein und durch den Rücken 
	geht... , und alle sind zufrieden, daß die Gerechtigkeit siegt, und alle wünschen mir, 
	daß ich groß werde. 
	Und damit ich groß werde, muß ich viel futtern. Und die füttern mich ausschließlich 
	mit Honig.



                                                     DER KUCHEN ZUM ERSTEN

 

	Ich will!... Ich will!... Ich will dieses Püppchen haben.. Denn ich will auch ein 
	Puppchen sein... Ich will, daß mich die ganze Welt liebt und daß ich mit allen 
	spiele, die mich lieben..  Daß sie mir Kleidchen kaufen, mich zu Abendessen 
	bei Kerzenlicht einladen und ich ihnen mit meinen Strumpfhosen rascheln und 
	knistern kann, und ich sie mit meinen großen klugen Augen anschaue, während 
	sie sich über ihre Ehefrauen beschweren... Das schlimme ist, daß jedem Püppchen 
	einmal jedes Spielzeug zum Halse raushängt. Nein, ich möchte nicht ein Püppchen 
	sein...
	Ich wähle die Schreibfeder. Ich will schaffen! Ich will, daß mich die ganze Welt 
	vergöttert. Ich will den Menschen sagen, warum sie... warum.... Nein, statt mir 
	selber irgendwelche Fragen zu beantworten, ist es besser Fragen zu stellen... 
	"Warum leben wir, Dank euch, heutzutage viel besser als jemals zuvor...?”
	Nein! Ich wähle den niedlichen Tresor... Ich will reich sein! Daß mich die 
	ganze Welt respektiert! Daß mich irgendwelche Bettler mit ihren Staatsflugzeugen 
	besuchen und sagen: Ach, was für schöne Rosen wachsen in ihrem kleinen Garten, 
	Madame, warum investieren Sie nicht einpaar Milliarden in unserer Landwirtschaft? 
	Wir haben ein so günstiges Investitionsklima...
	Nein, ich will ein Diplomatenköfferchen!... Daß ich in der ganzen Welt schalten 
	und walten darf! Dabei habe ich neue Zähnchen um alle anzulächeln... Und ein 
	neues niedliches Dekolleté... Und sollten mir Stalin, Rousewelt und Churchil den 
	Weg kreuzen, werde ich ihnen die Köpfe in meiner Art verdrehen, daß ihnen das
	Hören und Sehen vergeht. Ich werde sagen: "Gut, ich gebe euch Südbulgarien 
	auch, ich gebe euch Westbulgarien auch und Nordbulgarien auch noch dazu...” 
	Und wenn ich sehe, daß ihnen die Äuglein glänzen, werde ich sagen: "Und jetzt 
	müßt ihr aber auch unterschreiben!” Und auf dem Papier wird tatsächlich geschrieben 
	sein, daß wir Ausgang an drei Meeren hätten... Ha-ha-ha!...
	Her mit der Pistole. Ich will stark sein... Ich will sein!... Nein!--- Ich will sein!... 
	Nein!... Ich will... Ist schon gut, Mutter, ich wähle ja schon... Wo ist denn 
	meine Geburtstagstorte?... Wo ist denn meine Torte mit den 1300 Geburtstagskerzen 
	darauf?...



                                                                  KINDERSPIELPLATZ


	Juhuuh, was für ein schöner Sand... Alles kann ich mir daraus bauen....Juhuuh, 
	seht nur, was für eine kleine Gebirgskette ich mir da aufgeschichtet habe! Eh, 
	sie sieht nur einbißchen alt aus, aber es macht nichts. Und da zwei jüngeren... 
	Ach, sind die niedlich! Wie kleine Brüste... Daran sollen die Volkshelden nuckeln - 
	ganze hundert Jährchen lang... Puuh, bin ich schmutzig geworden! (Quengelt) 
	Muttiii, mutzig, ba! Da, hier werde ich mich einwenig waschen... Seht euch das 
	an, seeht her! Ich wasche mich selbst im Meer!... Und jetzt eine kleine niedliche 
	Toilette für die Ausländer, während ich ein bißchen Wasser lasse ins Meer... Denn 
	alles wird durchs liebe Wasser vermehrt...mal sehen, ob sie mich jetzt auslachen. 
	Seht doch, ich bin im Wasser, im Wasser bin ich! Ich hoffe, die meinen nicht, 
	ich sei ein kleiner Kerl mit Minderwertigkeitskomplexen? Ich zeige es ihnen gleich, 
	ob ich ein Großer oder ein Kleiner mit Minderwertigkeitskomplexen bin - ich tue 
	mir nämlich ein..., zwei..., nein, drei winzige Löwen in meinen kleinen 
	Nationalwappen! Und ich baue mir eins, ein solches aus Stäbchen... Und ich 
	mache darauf ein grooßes Schornsteinchen und alle sollen sehen, daß ich auch 
	eins habe... Ich habe ein kleines Werk, ich habe ein kleines Werk! Genau gesehen 
	hab ich sonst nichts.. (Heult wieder drauf los). Dann werde ich eben in meinem 
	kleinen Werk kleine Tanks bauen... Wenn ich denn meine kleinen Tanks sozusagen 
	habe, dann werde ich so ziemlich alles haben, was ich brauche! ... Und ein niedliches 
	Meer, und einen niedlichen Ozean... Und einen klitzekleinen Nordpol... Und eine 
	kleine Milchstraße dazu... und ein kleiner Mercedes... Ich werde alles haben, 
	werde mir einen kleinen Sandhof bauen und werde dort einfach ein bißchen 
	mit mir spielen!... So an die hundert Jährchen lang! Warum aber brauche ich 
	so ein kleines Werk, das mir mein Goldsträndchen verschmutzt! .. Und mir die 
	tschechischen Mädchen vertreibt!   Ich habe halt kein kleines Werk!... Ich habe... 
	Ich habe... Ich habe Kacki! Kacki gibt es!... Ach, dieses kleine Sandbulgarien, 
	die ich mir aufgebaut habe, ob mir der Sand reicht, meine eigene Kacke zu 
	bedecken?...


                         Übersetzung: Rumjana Zacharieva und Jana Link




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