PROJEKTGRUPPE WILL RHEUMA HEILEN

Rheuma heilen

Rheuma heilen: Wissenschaftler der Projektgruppe Aidcure in Frankfurt haben ein Medikament entwickelt, das rheumatoide Arthritis heilen soll. Nun wollen sie es mit einer eigenen Firma vermarkten.

Entzündete Gelenke, geschwollene Finger und Hände, massive Funktionsbeeinträchtigungen: Solche Symptome könnten auf eine rheumatoide Arthritis (Rheuma) deuten.

Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. „Das Immunsystem kann dann nicht mehr unterscheiden zwischen fremden und eigenen Proteinen“, erklärt Nadine Schneider vom Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und angewandte Ökologie in Frankfurt. Im Fall der rheumatoiden Arthritis würden Knochenstrukturen als fremd erkannt und vom Immunsystem angegriffen.

Obwohl es auf der ganzen Welt einen großen Markt an Medikamenten gegen dieses Leiden gibt, konnte bislang noch kein Mittel gefunden werden, das die Krankheit tatsächlich heilt. Warum ist das so schwer?

Noch immer ist nicht alles über die Pathogenese bekannt, es ist eine sehr komplexe Krankheit“, sagt Schneider. Sie ist promovierte Biologin und gehört zur Fraunhofer Projektgruppe, die an der Entwicklung eines neuen Medikaments gegen rheumatoide Arthritis forscht.

Bisherige Arzneien linderten die Symptome dadurch, dass die Abwehrfunktion des Immunsystems verringert werde. Dadurch gehe es den Patienten erst mal besser, aber gleichzeitig schütze das Immunsystem nicht mehr vor anderen Infektionen.

RHEUMA UND DAS PROJEKT AIDCURE

Abhilfe könnte das Projekt Aidcure („autoimmun disease cure“) schaffen, das der Frankfurter Medizinprofessor Harald Burkhardt gemeinsam mit seinem Kollegen Rikard Holmdahl vom Stockholmer Karolinska Institut ins Leben gerufen hat. Sie haben mit der Fraunhofer Projektgruppe ein personalisiertes Immuntherapeutikum entwickelt, das rheumatoide Arthritis heilen soll.

Bei dem Therapeutikum handelt es sich um eine neue Substanzklasse. Zu den ausschlaggebenden Faktoren gehört die Genetik: „Bestimmte Menschen, die bestimmte Eiweißproteine auf den Zellen haben, bekommen eher rheumatoide Arthritis als andere“, erläutert Schneider.

Hier gehe es um das sogenannte HLA-System, das „Human Leukocyte Antigen“, das dafür verantwortlich sei, dass zwischen körperfremden und -eigenen Anteilen unterschieden werde. „Personalisiert bedeutet für uns: im Sinne eines bestimmten HLA-Typs.“

Es geht also nicht um den individuellen Patienten, sondern um Patientengruppen. „Wir beziehen uns auf den HLA-Typ, der in der europäischen und nordamerikanischen Population am häufigsten mit der rheumatoiden Arthritis assoziiert ist. Das deckt ungefähr fünfzig Prozent der dort lebenden Patienten ab.“

Als eigenständiges Institut hat sich die Fraunhofer Projektgruppe, die derzeit in Räumlichkeiten der Frankfurter Universitätsklinik untergebracht ist, noch nicht etabliert.

Aber es ist eine Ausgründung geplant: Ende des Jahres will das Team ein Unternehmen gründen. Unterstützung erhält das Projekt außerdem im Rahmen der „Go-Bio Gründungsoffensive Biotechnologie“ durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Angst vor den Risiken, die mit dem Weg in die Selbständigkeit verbunden sind, hat Schneider nicht. „Es ist ja immer der Traum, ein bisschen selbstbestimmter zu arbeiten“, sagt sie. Das gelte besonders für die Grundlagenforschung, die mitunter frustrierend sei, weil man oft sehr viele Experimente mache und nur wenige funktionierten.

Das ist ja oft das Leid von Naturwissenschaftlern, wenn die im Labor sitzen und mit niemandem draußen sprechen.“ Umso reizvoller sei es für sie gewesen, ein Medikament mitzuentwickeln, dessen Nutzen unmittelbar zu erkennen sei, weil es den Patienten langfristig helfen werde.

RHEUMA KANN GEHEILT WERDEN

Das Medikament ist noch nicht auf dem Markt. Das Team sei aber zuversichtlich, dass es 2019 das erste Mal in einer klinischen Studie an Menschen verabreicht werden kann. „Das war für mich die Grundleidenschaft“, sagt die junge Biologin, „dass ich wirklich etwas bewegen und machen kann, das für andere Leute eine gute Auswirkung hat.“ Ein großes Risiko sieht sie darin nicht.

Wir denken, dass unser Medikament das Potential hat, die Krankheit wirklich zu heilen und den Patienten sehr viel Leid zu ersparen durch diese Nebenwirkungen, die die normale Therapie mit sich bringt.

Momentan ist die Projektgruppe mit verschiedenen Investoren unter anderem aus der pharmazeutischen Industrie im Gespräch. Langfristig will das Team wachsen und mehr Mitarbeiter einstellen. Schneider freut sich darauf: „Ich glaube an den Erfolg unseres Produkts. Das wird etwas Gutes.

Weiter zum Artikel, FAZ, den 11.08.2017

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