PEPTIDE AUS DEM LASERDRUCKER

Peptide aus dem Laserdrucker

Peptide aus dem Laserdrucker „PEPperPRINT“. PEPperPrint-Geschäftsführer Dr. Volker Stadler: 2001 war der Boom in der Biotechnologiebranche und wir hatten eine gute Idee und ein Patent, das auf dieser Idee basierte. Für Ideen hat man in der freien Wirtschaft sehr schnell sehr viel Geld bekommen, sprich Risikokapital.

Die Förderlandschaft war jedoch so ausgelegt, dass es hieß: Ihr habt zwar eine gute Idee, aber es ist zu anwendungsnah, und für anwendungsnahe Forschung gibt es in der öffentlichen Forschung kein Geld. Daher hat man damals schon versucht, die Idee über eine Firma umzusetzen.

Als Unternehmen von vornherein in eine Eigenentwicklung zu gehen – ich wüsste nicht, wie man das finanzieren sollte. Man bekommt zwar Forschungsgelder von Bund und Ländern, diese muss man aber in der Regel gegenfinanzieren. Man sollte also von Beginn an mit Partnern arbeiten, entweder in der öffentlichen Forschung, zum Beispiel in Forschungsinstituten, oder eben mit einem großen Unternehmen.

Bei uns kam 2008 der Punkt, an dem wir festgestellt haben, dass unser Produkt allem, was es am Markt gibt, weit überlegen ist. Da haben wir uns entschieden, ins Unternehmen zu gehen. Die andere Seite ist, dass man, wenn man mehrheitlich über Drittmittel finanziert ist, sich irgendwann schwer tut, ein Projekt weiter zu finanzieren. Man kann nie das Gleiche beantragen, sondern muss immer Neuentwicklungen oder andere Projekte beantragen. Wenn ein Vorhaben sehr weit gediehen ist und eine Technologie sehr gut funktioniert, wird es zunehmend schwieriger, es in der öffentlichen Forschung zu finanzieren – besonders dann, wenn es anwendungsnah ist.

Es ist nicht meine Idee gewesen, sondern die von Frank Breitling. Er ist Biologe und ist der Frage nachgegangen, wie man Peptidchips verbessern kann. So kam er an einem Sonntagnachmittag auf den Laserdrucker. Als man mir als Chemiker die Idee vorgestellt hatte, fand ich mich mit damals 29 Jahren jung genug, um auch mal was Verrücktes zu versuchen. Zu dem Zeitpunkt gab es aber schon die ersten Proof-of-principle-Experimente, die gezeigt haben, dass es im Prinzip funktionieren sollte. Dass es tatsächlich funktioniert, hat sich erst im Lauf der Jahre ergeben, weil es so viele Fragenstellungen gibt, die beantwortet werden müssen. Es war ein langwieriger Prozess. Aber jetzt können wir sagen, es funktioniert wirklich – auch wenn wir manchmal noch auf Unglauben stoßen.

Sie waren bei Wettbewerben wie dem Science4Life Venture Cup erfolgreich und haben auch den Wissenschaftspreis des Stifterverbandes gewonnen. Welche Rolle spielen für Gründer solche Wettbewerbe und auch die vielen Förderprogramme?

 

Als Innovationen wird oft der Rest einer guten Idee bezeichnet, der im Markt noch übrig ist. Wie identifiziert man als Gründer diesen tragfähigen Rest einer Idee? Wie lief das bei Ihnen?

Eine Gründung ist eher ideengetrieben als bedingungsgetrieben. Als wir uns entschieden haben, das Projekt zu machen, ist die Biotechnologieblase geplatzt. Jetzt, da wir nach Investoren suchen, ist die Finanzkrise am Markt – wir sind also sicher kein Beispiel für ein optimales Timing bei der Gründung. Aber die Idee hatte eben ein bestimmtes Zeitfenster von der Entstehung bis zur Umsetzung. Und ich denke, das ist das Maß, an das man sich mehr halten muss als an die äußeren Bedingungen.

Peptide aus dem Laserdrucker „PEPperPRINT“

 

Ich weiß daher nicht, ob ich der geeignete Ratgeber bin. Zunächst sollte man sich hinsetzen und einen Businessplan schreiben. Man sollte sich sehr gründlich überlegen, was man hat, was ist mein Produkt, wo ist der Markt, was kann ich damit verdienen, wie hoch sind die Kosten? Daraus entsteht eine Finanzplanung, die natürlich noch mit Unsicherheiten behaftet ist. Trotzdem sollte man in der Lage sein, hinter seiner Planung zu stehen.

Man sollte aber auch bestimmt nicht beratungsresistent sein. Das ist ein Fehler, den ich bei vielen anderen Gründern beobachtet habe, speziell bei Leuten, die zu technologiegetrieben sind. Sie lassen sich von denjenigen, die sich im Markt auskennen oder unternehmerische Erfahrung haben, nichts sagen. Es schadet nicht, sich mit Beratern zu umgeben, allerdings muss man im Vorfeld herausfinden, welche Leute die richtigen sind. Dazu kann man auch mal einen Testballon steigen lassen.

Weiter zum Artikel, GESUNDHEITSINDUSTRIE, den 01.10.2009

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