ZIELGERICHTET: NEUE THERAPIEN BEI KREBS

Zielgerichtet die Schwachpunkte von Krebszellen angreifen – neue Medikamente wecken hier große Hoffnungen. Doch begrenzte Wirksamkeit, häufige Resistenzen und hohe Kosten bleiben hartnäckige Probleme.

Zielgerichtet die Schwachpunkte von Krebszellen angreifen

Es gibt ein Wundermittel gegen Krebs. Genauer gesagt: Es gibt genau ein Wundermittel gegen eine Form von Krebs. Die chronische myeloische Leukämie ist eine Art von Blutkrebs, die noch vor einigen Jahrzehnten fast unweigerlich zum Tode führte. Ein kleines Molekül mit dem Namen Imatinib hat die Behandlung revolutioniert: Über 95 % der Erkrankten können ihr normales Leben weiterführen, bei 75 % werden die Krebszellen sogar fast restlos aus dem Blut beseitigt. Unter dem Markennamen Glivec avancierte Imatinib zum Prunkstück einer neuen Form der Behandlung – der zielgerichteten Therapie.

Doch ein großer Nachteil bleibt: Glivec besiegt den Krebs nicht, es hält ihn nur unter Kontrolle. Denn die Krebszellen sterben nicht ab, sie stellen lediglich ihr Wachstum ein. Das ist auch bei fast allen anderen zielgerichteten Therapien der Fall. Ärzte formulieren das so: Die Medikamente sind nicht zytotoxisch (also giftig für Zellen), sondern zytostatisch (sie stoppen das Wachstum). Die Patienten müssen Glivec ihr Leben lang nehmen – ansonsten kehrt der Krebs zurück.

Zum Glück ist Glivec relativ gut verträglich, verglichen mit der zytotoxischen Chemotherapie bleiben die Nebenwirkungen meist harmlos. Auch das ist typisch für zielgerichtete Medikamente. Ihr Angriff auf die Krebszellen verläuft derart präzise, das andere Teile des Körpers kaum einen Schaden davon tragen.

Doch Glivec bleibt eine Ausnahme, und dies aus zwei Gründen: Zum einen erreicht kein anderes zielgerichtetes Medikament auch nur annähernd die Wirksamkeit von Glivec. Und zum anderen ist es nicht nur Ergänzung zu Standardmethoden – es ist die eigentliche Behandlung.

Viele andere zielgerichtete Therapien sind eher eine Unterstützung für die klassischen Methoden – Operation, Chemotherapie und Bestrahlung. Krebsmediziner nennen dies eine adjuvante (oder unterstützende) Therapie. Ein Beispiel dafür ist Herceptin: Im Zusammenspiel mit einer Chemotherapie kann es die Todesrate und Rückfallhäufigkeit bei Brustkrebs um 30-50 % reduzieren. Doch alleine bewirkt Herceptin wenig.

Glivec hingegen gehört zu einer anderen Klasse: Es ist ein kleines, synthetisches Molekül, das in das Innere der Zellen eindringt und dort die Wachstumssignale abfängt. Das Ergebnis ist jedoch das gleiche: Die Krebszellen stellen das Wachstum ein.

Zielgerichtet gegen Krebs, doch hohe Kosten

Ein weiteres Problem stellen die hohen Kosten dar. Zielgerichtete Therapie erfordern viel Aufwand bei der Entwicklung, oftmals fehlen Alternativen: Pharma-Unternehmen nehmen dies als Rechtfertigung, um hohe Preise durchzusetzen. Eine Behandlung mit Glivec etwa kostet um die 40 000 Euro pro Jahr. Und selbst für Medikamente, die deutlich weniger wirksam sind, werden ähnliche Preise verlangt. Dem Leberkrebsmittel Sorafenib verweigerten britische Behörden deswegen sogar die Zulassung: Zu wenig Nutzen für zu viel Geld.

Weiter zum Artikel, ZELLSTOFF-BLOG, den 06.02.2015/

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