KREBSTHERAPIEN: VIELE NEUE, WENIG GUTE

KREBSTHERAPIEN. 47 neue Krebstherapien hat die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA zugelassen, allein zwischen April 2014 und Februar 2016. Ein Zeichen des Fortschritts? Dieser Frage gingen Kumar et al in einem Beitrag für JAMA Oncology nach.

KREBSTHERAPIEN. 47 neue Krebstherapien hat die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA zugelassen.

Als Maßstab wählten sie die Kriterien der American Society of Clinical Oncology (ASCO), die bewusst eher tief angesetzt sind – grob gesagt forden sie eine Verbesserung um 25 % oder wenigstens 2,5 Monate längeres Leben. Wirkliche Durchbrüche erwartet wohl keiner mehr.

Aber selbst diese bescheidenen Ansprüche werden selten erfüllt: Gerade einmal neun Therapien (19%) verlängerten spürbar die absolute Überlebensrate (overall survival) – über 6,4 Monate ging keine hinaus.

Die Überlebensrate ist das, was den Patienten wirklich interessiert. Aber da dies eine hohe Hürde darstellt, akzeptieren die Zulassungsbehörden auch zweitrangige Erfolge – sogenannte Surrogatmarker (surrogate endpoints). Etwa, dass die Therapie den Fortschritt der Krankheit kurzzeitig stoppt (Progressionsfreies Überleben, progression free survival) oder wenigstens irgendeine Art von Wirkung zeigt (Ansprechrate, rate of response).

Krebsstudie versus Wirklichkeit

Die Surrogatmarker scheinen also wenig zu taugen, und damit bleibt die Überlebensrate als einzig verlässlicher Indikator. Oder vielleicht noch nicht einmal das? Mailankody und Prasad weisen auf eine starke Diskrepanz hin: Überlebensraten, die klinische Studien als Ergebnis präsentieren, kann man im wirklichen Leben nur selten erreichent.

Ein Grund ist die Auswahl der Patienten. In den Studien landen oft jüngere und weniger stark betroffene Patienten, in der Realität sind sie meist älter und die Krankheit ist weiter fortgeschritten. Ältere Patienen leiden jedoch stärker unter den Nebenwirkungen der Therapie – die Dosis wird daher oft reduziert, oder es werden sogar kurze Pausen eingelegt. Darunter leidet die Effizienz der Therapie, und das Verhältnis von Wirkung und Nebenwirkung gleitet endgültig ins Negative ab.

Das provozierende Fazit der Autoren: Die Überlebensrate in Krebsstudien ist kaum besser als ein Surrogatmarker – und sollte auch als solcher eingestuft werden.

Krebstherapien – in der Zukunft kaum besser

Diese Art von Analysen übersehen jedoch einen wichtigen Punkt: In großen Fallzahlen der Statistiken geht das Einzelschicksal unter. Gerade für Immuntherapien ist bekannt, dass sie bei einzelnen Patienten durchschlagende Wirkung haben und ein zweites Leben ermöglichen. Auch das sind Erfolge, die keineswegs unter den Tischen fallen sollen. Ganz umsonst sind diese Therapien also nicht.

Ein Hoffnungsschimmer, auf dem sich aufbauen lässt? Vielleicht, falls hinter den vereinzelten Erfolgen ein Muster steht, dass neue Türen öffnet. Neue Wundertherapien am Horizont? CAR-T-Zellen werden hier häufig genannt, sie schwimmen ganz oben auf der Welle des Hypes. Aber auch sie werden keine Wunder bewirken. Und bei den Kosten sollten sich die Kassen schon jetzt warm anziehen – unter einer halben Millionen werden sie anfangs kaum zu haben sein.

Oftmals kaum wirksam, aber immer sehr teuer. Der Fortschritt der Krebstherapie bietet ein zwiespältiges Bild. Seit Jahrzehnten kriecht das Feld im Schneckentempo voran, Durchbrüche à la Glivec oder Herceptin bleiben die große Ausnahme. Und so traurig es ist – nichts deutet darauf hin, dass es in absehbarer Zeit besser wird.

Weiter zum Artikel, ZELLSTOFF-BLOG, den 24.02.2017/

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