DEN ALTERUNGSPROZESS AUFHALTEN

Weltweit arbeiten Wissenschaftler daran, den Alterungsprozess aufzuhalten und dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Wem es zuerst gelingt, dem winken viele Milliarden. Ein US-Amerikaner behauptet: Er stünde kurz vor einem Durchbruch.

Den Alterungsprozess aufhalten

Nir Barzilais Gegner sind die Scharlatane und der Tod. Er bekämpft sie in seinem schmalen Labor, unter dem fahlen Licht von Neonröhren, zwischen Werkbänken und Regalen, die vor Glaskolben, Zentrifugen und Mikroskopen fast überquellen.

Barzilai, 59 Jahre alt, schmal, mit grauem Haupt und markanter schwarzer Brille, ist der Direktor des Institute of Aging in New York. Und er ist einem der großen Rätsel der Menschheit auf der Spur. Warum, fragt er sich, altert der Mensch? Lässt sich der Prozess des Alterns aufhalten? Und falls ja: wie?

Forscher versprechen Wundermittel, Doktoren schwören auf neue Therapien, und Wissenschaftler entwickeln Stahltanks und Techniken, in denen Menschen sich nach ihrem Tod einfrieren lassen, um in Zukunft lebendig wieder aufgetaut werden zu können.

Diabetesmittel soll Alterungsprozess ausbremsen.

Er glaubt, einen Wirkstoff zu kennen, der den Prozess des Alterns deutlich verlangsamt und so typische Alterskrankheiten wie Demenz, Krebs oder Arteriosklerose womöglich verhindern kann: Metformin. Kein neues Wundermittel, sondern etwas, das seit Jahrzehnten erfolgreich zur Behandlung von Diabetes eingesetzt wird.

Im kommenden Jahr will Barzilai mit seinem Team eine große Studie beginnen, die erste ihrer Art. 3000 Amerikaner werden daran teilnehmen, Männer und Frauen zwischen 65 und 79 Jahren. Die Studie soll zum ersten Mal Daten liefern, nicht Vermutungen. Sie soll überprüfbare Erfolge aufzeigen, nicht die Geschichte eines angeblich wundersamen Einzelfalls, die sich nicht überprüfen lässt.

Ist der Alterungsprozess aufzuhalten?

Ein Leben in ewiger Jugend wirft zwar viele Fragen auf.  Barzilai weiß, dass er mit seiner Forschung an Erinnerungen und Ängste der Menschen rührt: die Vergänglichkeit ihrer Nächsten. So hat ja auch für ihn alles angefangen. Er war ein Junge, sein Großvater zeigte ihm Fotos. „Ich sah ihn an“, sagt Barzilai, „dann die Fotos und fragte mich, ob das wirklich derselbe Mensch sein soll. Was ist da passiert?“ Irgendwann sei ihm klar gewesen, dass er sein Leben dem Altern widmen würde. So erzählt Barzilai die Geschichte.

Ob die Anekdote stimmt oder nicht, Barzilai verfolgte seinen Weg. Studierte Medizin in seiner Heimat, in Haifa, Israel. Wurde später ärztlicher Leiter des israelischen Militärs. Spezialisierte sich dann auf Endokrinologie, die Hormonforschung. „Viele Prozesse des Alterns haben mit Hormonen zu tun“, sagt Barzilai, „daher meine Wahl. Das Problem war nur, es gab einfach keine verlässlichen Daten.“

Weiter zum Artikel, WELT – N24, den 20.01.2016

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