GEN-INAKTIVIERUNG SCHÜTZT VOR KREBS

NEUER MECHANISMUS DER GEN-INAKTIVIERUNG KÖNNTE VOR ALTERN UND KREBS SCHÜTZEN

Gen-Auslese lässt sich chemisch steuern: Gen-inaktivierung - ein Ansatzpunkt zur Krebstherapie?

Wenn im Genkörper Methylgruppen fehlen, kann Krebs entstehen. Die Funktion der DNA-Methylierung als „An-/Aus-Schalter“ an den Startpunkten (Promotern) von Genen ist seit einiger Zeit bekannt. Warum es aber auch innerhalb der einzelnen Gene (im sog. Genkörper) Methylgruppen gibt, war bislang völlig unklar.

Forscher um Francesco Neri vom Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena, und seine Kollegen von der Human Genetics Foundation und der Universität Turin, Italien, konnten nun erstmals nachweisen, dass Gene auch dann fehlerhaft ausgelesen werden, wenn es jenseits des Promoters im Genkörper zum Verlust der schützenden Methylgruppen kommt.

In der Folge werden abnorme Proteine produziert, die den Zellaufbau stören. Funktion und Identität der Zelle werden massiv gestört. Die Zelle entartet, Krebs kann entstehen. Damit ist eines der großen Geheimnisse um die DNA-Methylierung gelüftet. Die außergewöhnlichen Ergebnisse wurden am 22. Februar im renommierten Fachmagazin Nature veröffentlicht.

Gen-Auslese lässt sich chemisch steuern: Gen-inaktivierung – ein Ansatzpunkt zur Krebstherapie?

„Was die Ergebnisse so spannend macht, ist, dass wir jetzt endlich verstehen, warum bei vielen Krebszellen die DNA zu wenig methyliert ist. Ihr fehlt damit der Schutz vor einer Fehlaktivierung. So entstehen abnormale Proteine und es kann dadurch zur Ausbreitung von Krebszellen kommen“, erklärt Dr. Francesco Neri, Forschungsgruppenleiter am FLI und einer der Leiter der Studie. Im Gegensatz zu Fehlern, die sich im Laufe des Lebens in der DNA anhäufen, sind solche epigenetischen Veränderungen, wie sie bei der DNA-Methylierung vorkommen, aber prinzipiell mit chemischen Botenstoffen steuerbar.

„Dieses völlig neue Verständnis davon, dass am Genkörper ohne DNA-Methylierung entartete Proteine entstehen können, liefert auch einen neuen Ansatz für die Krebstherapie. Denn wenn wir einen Weg finden, Methylgruppen zu freiliegenden DNA-Sequenzen von Krebszellen zu transportieren, können wir die Vermehrung von Krebszellen in Zukunft möglicherweise verhindern“, hofft Dr. Neri. Doch bis dahin ist es für den jungen Forscher noch ein weiter Weg.

Weiter zum Artikel, INNOVATIONS-REPORT, den 23.02.2017

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