THERAPIE GEGEN DAS ALTERN?

Therapie des Alterns. Es ist ein kühner Plan, den Jan van Deursen verfolgt. Nichts weniger als eine Therapie des Alterns will der Forscher mit seinem Team an der Mayo Clinic in Rochester entwickeln.

Therapie des Alterns.

Ein aus dem Tritt geratenes System soll dank eines medizinischen Eingriffs wieder in Gang kommen. Für den Patienten soll das bedeuten: ein längeres, vor allem aber gesünderes Leben. Und Patient wiederum wäre in diesem Fall jeder ab 40. Ungefähr um diesen Zeitpunkt herum beginnt etwas im Körper schiefzulaufen. Warum, weiß keiner genau. Sicher ist allein, dass eine Aufräumarbeit, die das Immunsystem jahrzehntelang mühelos bewerkstelligte, ins Stocken gerät.

Immer öfter bleiben Zellen, die eigentlich beseitigt gehören, die sich sogar selbst – aus Sicherheitsgründen – deaktiviert haben, unangetastet. Sie sammeln sich an. Und das, so glauben viele Forscher, sorgt für Probleme.

Die so genannten seneszenten Zellen haben in einer Art Selbstdiagnose Schäden an sich festgestellt, insbesondere solche, die sie zu einer Krebszelle entwickeln könnten. Ab jetzt teilen sie sich nicht mehr, und sie geben eine Vielzahl an Botenstoffen ab, um die Immunabwehr anzulocken. Normalerweise werden sie dadurch abgetötet und beseitigt.

Therapie des Alterns

Doch mit fortschreitendem Alter erlahmt dieser Prozess. Vielleicht ist ein Alterungsprozess innerhalb des Immunsystems selbst die Ursache dafür. „Es könnte aber auch sein, dass einige der Zellen lernen, dem Immunsystem zu entkommen„, sagt van Deursen. Die Zellen sondern dann weiterhin ihre alarmierenden Botenstoffe ab und erzeugen so eine allgemein entzündliche Umgebung, die mit Alterserscheinungen wie Arteriosklerose, Demenz und Arthritis assoziiert ist. Auch Tumoren wachsen in einer solchen seneszenten Umgebung deutlich schneller.

Mäuse ohne seneszente Zellen werden älter.

Wenn der Körper die Zellen nicht mehr von allein entfernt, benötigt er Unterstützung von außen, so die Überlegung von van Deursen und Team. Ob das funktioniert, testete er in einer unlängst in „Nature“ publizierten Studie, wenn auch nur an Mäusen. Das Ergebnis sei relativ eindeutig gewesen, berichteten die Wissenschaftler. Die Tiere mit entfernten, seneszenten Zellen hatten eine um ein Viertel erhöhte mediane Lebenserwartung. Demnach scheint es tatsächlich einen positiven Effekt auf die Gesundheit zu haben, wenn man die Zellen beseitigt.

Weiter zum Artikel – SPEKTRUM, den 06.07.2016

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