ZUM ANFANG
Wir müssen darauf verzichten, das Ziel zu bestimmen,
als wäre es ein fester Begriff –
die Perspektive ist nur ein Punkt in der Ferne,
von dem jemand uns für Götter halten könnte.
DER SCHATTEN
Dieses "Warum", in dessen mächtigem Schatten
sich die kühnen Bequemlichkeiten des Lebens verlieren.
Der Mystiker denkt auch an das Gute,
wenn er mit außerordentlichen Anworten versucht,
das Endlose irgendwie in Ordnung zu bringen,
ohne zu wissen, wo alles hingeht.
Obwohl die Leichtigkeit eine Gewohnheit ist,
bleibt die Erkenntnis ein Drama.
Und, zu schön, um Wahrheit zu sein,
schenkt sich ein verführerisches Geheimnis –
jedem, der die rote Laterne gesehen hat.
Liebe? – das klingt hochtrabend
in den untätigen Spielen mit dem Verstand. Dann? –
es wird ein Morgen, zum Gestern gegangen.
FAHRTEN
Bis zu den nahen Sternen ist der Weg sehr lang, aber seltsam –
ich bin fast sicher, daß wir diesen Weg bald zurücklegen werden.
Ferne Welten nun verführen mich – alle unerreichbar –
was habe ich vom Heimatall kennengelernt, wie ist da?
Und hier: der Planet, von dem du deinen Blick nicht losreißen kannst,
untersucht, erreichbar, tauglich fürs Leben, eigen.
Ich habe von so vielen Plätzen schon gehört, gelesen und geträumt –
unzugänglicher für mich als die Magellanschen Wolken.
Die Erde, unser allgemeines Heim, ist eine Grenze neben Grenze,
wenn ich mir die Kosten für sie erlauben werde.
Ja, seltsam, ich bekomme Sehnsucht nach, ich weiß nicht, welchem Sternbild,
und nicht nach jenem Kap der Guten Hoffnung (ich bin schon ausgesöhnt).
TRAUM
Bis die Lieder kämpften, ließest du das Buch fallen.
Eine Uhr zählte immer fernere Schläge ab.
Der Körper begann zu fliegen - mit dem Fallschirm des Kopfkissens.
Übersetzung von Natalia Andreeva
DIE NEUEN BARBAREN
Man fliegt nur ein paar Stunden mit dem Flugzeug
bis zu den Ruinen
und zwei-dreitausend Jahre Zeit bis zu ihrer.
Wir messen sie mit dem wilden Blick der Eroberer
in den Augen,
deren Eroberung die Taschenatlanten sind.
Zu dem Weltbild fügen wir
unsere dauerhaften Symbole hinzu,
Plastikbecher von Espresso in den Ausgrabungen.
ERBSCHAFTEN
Die Vergangenheit vergeht nicht. . . Das Altertum
ist die geistige Heimat -
erbten wir die Erde, dann erben wir Ewigkeit.
Die Geschichte beginnt nicht mit unserem Namen.
Irgendwie sind wir Alteingesessene
und Ankömmlinge zugleich.
Und manchmal
ist die fremde Erinnerung das wertvollste,
was wir haben.
EINE GASSE
So wie ich auf der Gasse des Lebens ging, gegen Mittag
zeigte sich die Liebe mir, als wäre sie ein Schritt entfernt.
Warum erreichte ich sie nicht, Gott, sie war so möglich.
Ich sah die Tür, wo sie verschwand, über der Schulter blickend.
Ich wäre bloß hineingegangen.
Auf der nächsten Gasse wollte ich umkehren.
Ich blieb an der Hausecke stehen und wartete, aber sie kam nicht vorbei.
Warum ärgerte ich mich nicht und weinte nicht, oh, Gott.
Es wehte so verzagt, ich nahm die Weste raus.
Das wurde mir erst jetzt klar.
Die Kreuzung wurde mein Heim, sie ist meine Wohnung.
Nach Arbeit komme ich um sieben, mit Ellbogen an dem Fenster,
lerne ich den Abend kennen, mit der Menschenmenge, nach dem Leben jagend.
So dachte ich es mir, meine Liebe endete mit dem ersten Blick.
Wohin wolltest du so eilig?
HITZE
Auf dem Pflaster ausgestreckt, einem Fell ähnlich,
schnauft Bruno mit der weißen Schnauze,
in einem kastilischen Mittag an Lappland denkend.
EKELGEFÜHL
Bis ich aus Ohnmacht lächelte, begann
das gestürzte Idol in mir zu weinen.
Ich zog die geküßte Hand zurück.
TRÄGHEIT
Die Geschichte von dieser Tür, das Alter,
wer hat sie gebaut, aus welchem Material,
wir werden weder erraten
mit welchem Zweck,
noch werden wir die
neuen Wissenschaftsmethoden anwenden.
Diese Tür ist bemerkenswert –
es ist mit zwei Worten
alles, was wir darüber wissen.
RUHM
Schön, intelligent und verkäuflich,
schreitet der Ruhm an den Schaufenstern vorbei,
unter einem Regen von neidischen Blicken.
Er läßt verführerisch den Träger runter,
da zeigt sich ein unersättliches Fleisch.
Kapriziös zieht er die Lippen zusammen, Zähne glänzen auf.
Doch, er ist angeblich so zugänglich: Alles
wird verkauft. Und immerhin,
wenn er jemandem den Kopf verdreht,
nimmt er ihn prompt.
BEIM SONNENUNTERGANG
Im Abhang gefällte Amphitheater.
Wie schade, daß man von dort
die Kämpfe der Gladiatoren
gesehen hatte.
Und Raubtiere.
Und dann
bleiben sie in den Landschaften
wie ein seltsamer Fächer der Geschichte – theatralisch
erinnern sie uns, daß der Mensch sich vergnügt
und er mag, sich mit seinesgleichen zu sammeln.
Beim Sonnenuntergang zwinkert die Sonne aus der bestürzten Bank.
DAS BOOT
Der Ozean gab sich besiegt – und erlaubte
dem Boot sein Reiter zu werden.
Wie ich vor Freude sprang, von den Wellen getragen,
der Kompaß soll sich um mich sorgen.
Und das Boot glitt auf der Oberfläche, trug die Nase hoch.
Egal, wohin es fährt, hinterläßt es nur Schaum.
Was braucht der Reiter, um sich berauschen zu lassen,
aber schauen wir sie bei einem Strudel.
Nein, ich bin nicht Sieger! Der Ozean hört zu:
Ich habe es satt von diesen Booten.
Ich trage es auf den Händen und erkenne es bis zum Boden
zur gleichen Zeit,
und es verlangt sogar nicht,
mich zu sehen.
ABENDDÄMMERUNG IN ODESSA
Auf der Spitze der Treppe berühmt –
die Morgenröte des Kinos, die Welt zwischen den beiden Kriegen –
neben dem Denkmal des ausländischen Stadtoberhaupts,
im Hufeisen des kleinen Platzes,
neben einer Straßenlaterne, die elektrische Dämmerung verdichtend,
sang sie, Solistin einer Trauer;
sie sang, in Wehmut der Vernebelung
widerhallte kristallklar weit ihre
geschulte Stimme,
sie hob sich so wunderschön von dem verzagten Aussehen
des herrenlosen Hundes ab, mit der die Stadt zuhörte -
eine Münze, die hohl klirrte,
als sie in den leeren Teller fiel.
Die Kunst ist auch so dankbar – die Opfergabe zu sein,
bis das Schicksal sich erweichen ließ. Nur ein Geben zu sein . .
Aber warum sind auch die Leute, die sie erschaffen, aus Fleisch.
Übersetzung von Ludmilla Eimer
THE BOAT
The ocean acknowledged defeat - and permitted
The boat to be its rider.
How I was jumping with joy, carried off by the waves,
Let the compass worry about me.
And it slid on the surface, nose high in the dir,
Leaving foam wherever it passed.
It takes so little for the rider to get a swollen head,
But what will happen in case of the maelstrom.
No, I'am not a winner! And the ocean heeded:
I'm fed up with these boats.
I both carry it in my arms and know the bottom of its soul
And it doesn't even want to notice me!
SOZOPOL, XX CENTURY A.D.
Under layers of time life lies still
At the bottom of today's sea.
High antiquity, besides metaphrastic.
I wonder if under-water archaeology lost its breath
The way the visitor in the small museum did,
Falling down through the ages into the fifth
Millenium before Christ,
Where some little predecessor keeps playing
With a rattle which every sculptor
would proudly name their own.
Because sheer fun is not the only purpose
Of that "small plastic art".
Here somebody had taken pleasure in being alive - then and there!
In his despairing non-existence in too much Once upon a time.
NIGHTFALL IN ODESSA
At the top of the famous staircase -
The dawn of the cinema, the world between the two wars -
Beside the monument of the mayor from abroad,
In the horseshoe of the little square,
By the street lamp that thickens the electric twilight,
She was singing, a soloist of sadness
She was singing, in the melancholy of falling dusk,
Her highly trained voice was resounding crystal-like far away,
It was contrasting so beautifully with the moody
Look of a homeless dog, with which the town was listening
- A coin that tinkled hollowly
In the empty bowl.
Art is grateful enough even for that - to be a sacrificial
Gift until fate relents. To be giving...
But why the people that create it are made of flesh too.
THE EX-RULERS
Is their habit to rule a
Sufficient reason?
They cannot even think about an other way of living.
Power gives a face and without it they would be effaced.
Chosen by chance, whom do they serve.
What's important for them is to keep their posts.
Why did they need this power over all of us
if they weren't able to make life better?
What will they do if they have to go? They have nothing else.
Let's leave them forever on our backs.
Translated by Kristin Dimitrova and Rada Panchovska
JULIA FELIX
Recògete, alma mìa. Es sòlo la belleza
que viene y tine el chielo y te deslumbra y pasa.
Maria Victoria Atencia
Round and mellow still are the painted
Fruits of the dining room-nymphaeum
That looks to the garden. Just a minute and
The mistress will pass round the walls
Where the open-market could be seen -
On Saturdays - on the Forum of Sanctuary
Of the outlandish Isis.
Most moving though
Is the inscription announcing she rents
Bathrooms, lodgings and shops from the property
- Still recovering from the recent earthquake -
Offering a contract for five years
(Abundance Street, Pompeii).
Translated by Maria Kristeva and Rada Panchovska
THE CHASE
They chased her from all sides tightening the circle.
Now she is drawn a bead on, they are on her tracks.
Graceful like a deer she stops and listens:
Loud voices, heavy steps. Shivers - a chased beast.
They will corner her. In spite of all the tricks she played
She fell into the pit and the trap, and was all wounds.
This time the truth won't slip away. The track betrays her.
A fine skin will decorate the museum. But tomorrow...
THE NEW BARBARIANS
It takes a few hours by plane
To the ruins
And 2-3 thousand years time to theirs.
Whit wild sparkling eyes we look on them
As conquerors
Who posses only pocket guide-books.
To the picture of the world we add
Our lasting symbols:
Plastic coffee cups among the ruins.
IDLENESS
The history of this door, its age,
Its creator, the material used,
We won't try to guess,
And for what purpose,
Nor are we going to use
Any modern methods.
This door is outstanding -
In short, that's all
We know about it.
FOR A START
We should give up defining
The aim as a fixed concept -
The perspective is a point in the distance
From which someone might take us for gods.
Translated by Mariana Kirova and Rada Panchovska
SULTRY WEATHER
Stretched over the flagstones like an animal skin,
Bruno is sighing with his white-haired muzzle,
In the Castillian midday remembering Lapland.
Translated by Veronica Maher