ENGLISCH :


DEUTSCH :


               FALTER


	Es ist Morgen. Wind erzittert leise da
	und zerbröckelt Klümpchen Erde, Stengel wackelt -
	jedes Ding des Lebens fängt jetzt an zu fliegen.

	Wer ist hier, bei mir, wer stürzte da hinein?
	Eile, eile - flüstern Gräser überglücklich.
	Ich muß erst ankommen, und ich weiß nicht wo.

	Eile, eile..., als rascheln Tropfen da.
	Ich ergieße mich zärtlich in die Klarheit,
	zeichne einen lustigen und seltsamen Weg.



                 EIGENTLICH


	Eigentlich,
	was weiß ich,
	was weißt du,
	was wollen wir alle?

	Wonach streben wir?
	Was wollen wir fangen?

	Sieh -
	das Haus ist gebaut -
	ist es nicht genug?

	Sieh -
	der Hund ist sogar an der Schwelle -
	ist es nicht genug?

	Ich sehe dich -
	du wanderst durch die Zimmer umher 
	und schaust in die Spinnweben hinein -
	was suchst du?

	Du durchwühlst den Spiegel,
	wie eine leere Tasche
	und gehst weg.

	Wie,
	ist es nichts genug?
                           

                  
                DAS GLÜCK


	Das Glück - sagte der Beamte mir.
	Das Glück empfängt nicht heute.

	Das Glück - sagte der Verkäufer mir.
	Ich brauche es nur fürs Schaufenster.

	Das Glück - sagte der Altwarenhändler mir.
	Ich habe eines und es paßt zu dir,
	wirklich - es ist etwas rostig...

	Das Glück - sagte der Detektiv mir.
	Das Glück ist schon gefangen
	und es macht Aussagen jetzt.


        
             DAS ZIMMER


	Etwas fliegt im Zimmer,
	fliegt - fliegt und fliegt weg.

	Etwas Dampf vom Glas Tee,
	Handvoll Staub vom Klingeln der Uhr.

	Etwas fliegt im Zimmer,
	fliegt - fliegt und fliegt weg.

	Eine Fliege, zwei Seufzer,
	drei verrückte Flaumfeder
	vom Drachen des Traums.

	Etwas fliegt im Zimmer,
	fliegt - fliegt und fliegt weg.

	Ein Gespenst von alter Drehorgel,
	zwei Lieder vom Aquarium,
	zweihundertzweiundzwanzig Schnörkel
	von den Schlüssellöchern der Wünsche
	und das Loch vom Schlüssel.  


         
               DIE NACHT


	Die Nacht bedeckt die Tagesspuren,
	die Nacht häuft sich so leise an, wie Sand...
	Versteckt in seinem Loch,
	hat jedes Raubtier
	die Pfoten fromm verschränkt
	und wiederholt
	unendliche Beschwörungen
	mit Andacht.

	Und etwas Flüsterndes strömt ringsherum,
	mit dunklem Fell ist die Luft behaart,
	der Atem jenes späten und verirrten Wanderers 
	zwängt sich tastend durch sie durch.

	Der Himmel schaukelt kaum -
	ein verschlafenes und fernes Sieb... und kaum
	klingen Sterne und Sandkörnchen ab.


             
               DIE FINSTERNIS


	Die Finsternis der Unwissenheit ist so schwarz,
	daß, wenn du die Augen schließt,
	wird es heller.



          
                 EINFACHE SINNE


	Bäumchen, auch Vogel zogen in mich ein
	und sagten mir - wir brauchen Erde, auch Wasser,
	Erde, Wasser, auch einige Brosamen.

	Ich fragte - woher seid ihr hierher gekommen,
	aber sie begannen sorgenfrei zu lachen -
	mit einem solchen merkwürdigen Rascheln,
	mit einem so geheimnisvollen Fliegen.
	Ich hötre dieses Lachen jahrelang.

	Und heute denke ich - es ist so einfach,
	das Bäumchen braucht Wasser, auch Erde,
	der Vogel braucht nur ein kleines Bäumchen,
	brauche ich etwas mehr zu wissen?

	Ich habe ein Bäumchen,
	ich habe einen Vogel.


                     

                          
                  DIE WOLKEN


	Was ist
	eine Sekunde für die Wolken - 
	nichts, ein zarter Hauch,

	eine Berührung,
	ein verschütteter und ferner Ton.

	Und wie lang ist ihr Leben?
	Nur eine Sekunde.
	Bis das Licht
	ihre früheren Gestalten ruiniert
	und sie leise 
	in den Wind zerstreut.

	Jetzt bist du.
	Wer warst du vor der Zeit?

	Frage jenen Regen,
	der auf deine Wangen herabfließt.


                          

                                       Übersetzung von Natalia Andreeva
             

              

                 ERINNERUNG


	Ich erinnere mich an die Menschen,
	die so leise und so schweigsam 
	zu der Stille langsam gingen ....
	Zu Hunderten aus dem Feld
	und aus den dunklen Vierteln,
	so ruhig schweigsam waren sie - 
	wie das Blut und wie das Gras...
	Es war einfacher und leichter, 
	für Gerechtigkeit zu sterben ,
	als sie laut zu besingen...
	Ich schäme mich für alle Worte,
	die ich einmal dröhnend sagte.
	Ich weiß, der Schlaue kann die Sterne 
	mit großer Leichtigkeit erläutern.
	Der Denunziant steigt hoch,
	zu den fernen blauen Wolken,
	einen Ballon aufblasend. 
	Und mit liebem Katzenlächeln
	kämmt der Lakai die Gedanken.
	Ja, ich weiß, der Dieb hat selten  
	seine neuen Kleider an.

	Und der Lügner kann am besten
	das Luftmeer mit Wind ansäen. 
	Der Faule versüßt mit Bier
	den bitteren Geschmack der Stunden.
	Wer mag nicht ein wenig schwatzen
	über die Gerechtigkeit?
	Ich höre ihnen zu, ich denke 
	an jene unbekannten Menschen,
	so furchtbar still, so furchtbar schweigsam - 
	wie das Blut und wie das Gras...
	Und ich verstehe heute besser,
	was die Stille an sich hat.



                *  *  *


	Quelle im Feld!
	Der erste Schluck ist Gott,
	der zweite - die Trauer. . .


              
                 *  *  *


	Leicht deutet der Bengel den Himmel. So schlicht
	ist für ihn diese Welt,
	schlicht wie ein Hühnerei!

	Der Greis starrt langsam nach oben,
	und schweigt lang danach,
	mit schwer von Sorgen herabsinkendem Kopf.

	Durch die Natur kennt sich so jeder von uns.
	Jeder Fluß hat einen anderen Mond.


        
         
                        * *  *


	Das Weltall ist unsere Mutter,
	Und wer ist der Vater?
	In dir ist dies,
	was sich jenseits verbirgt.

	Jeder von uns ist der Vater und jeder das Kind!
	Ein Reisender bist du,
	auch der endlose Weg!



                      *  *  *


	Ein elementarer Gedanke war das Weltall am Anfang,
	trübe Urwellen,
	irgendwohin ohne Ziel fortgeschleppt.

	Ein noch niemals gesprochenes Wort...
	Kosmos, du warst 
	ein göttlicher Bengel,

	ohne dies zu begreifen,
	schufst du unsterbliche große Ideen!
	Eine Seele der Dichter versteckt sich in jedem Gestirn!

	Kosmos, wer bist du! O, Chaos der Glut und Gedanken,
	bei dir liegt die Macht,
	die stolze Wahl haben wir immer.


                
                         *  *  *


	Alle Dinge sind Türe zu anderem All.
	Ewig wechselt die Welt 
	ihre Ordnung!

	Trittst du ins Haus hinein, dann siehst du, es ist so endlos.
	Von draußen gibt es
	keine Spur vom Haus sogar.

	Das ist der Mensch und dies die Natur - alles
	in und um uns 
	verheimlicht ein wolkiges Wesen!


                 
                       *  *  *


	Gefühl ist der klare Gedanke! 
	Der Fels ist so dunkel,
	ein nackter und grasloser Fels,
	ein Gebilde der Urwelt...

	Der Wind ist der klare Gedanke, der jäh
	einen rostfarbenen Grashalm gesät hat.

	Als wäre da alles zufällig... 
	Eine fröhliche Biene 
	fliegt jetzt vorbei und zuckt momentan,
	dann kreist sie herum!

	Seltsam, bis gestern gab es noch kein Gras...
	Als wüchse es hier
	jahrhundertelang!


                                        Übersetzung von Ludmilla Eimer





ENGLISCH :


            RIVER -1



	River, River, 
	tell me, River, 
	what are your children called??

		They're called fish, 
		and they're called frogs.
		The first ones gleam, the others  croak, 
		the first ones gream, the others cloke, 
		the first ones splash, 
		the others frop!

	Are you going to want
	another fish?
	Are you going to want another frog?

		Tell me, where is my fish, 
		tell me, where is my frog, 
		tell me, child, 
		child me where is it, 
		fish me where is this tell, 
		where is this where — infrog me!

	I`m here -
	I`m your fish!
	I`m here - I`m your frog!
	What are you saying - child - come to your senses!
	What are you childing, what are you whetting?
	Have you ever seen a frog with a sack?
	Have you ever seen a fish with a braid? 
	It`s one thing to braidle, another to fishel! 
	You`d better not froggle
	in this gleamy fishness!
	Now stop it, child, don`t cry, go away - 
	you`re somebody else`s, 
	I don`t want you!



         THESE THINGS FROM WORDS


	Tell me, Moon - 
	what`s a Tramp, 
	what`s a Ragamuffin, 
	what`s Getoutofhere, Moon?

		Your mother's not here, child -
		I know these things only from words... 
		Your mother`s not here, child, 
		she became a willow, 
		she became a river.
		I know these things only from words.
		Tell me,
		when a small orphan grows up
		does he become a big orphan, Moon?
		If he grows really big 
		do they make him King of the orphans? 
		Do they give him a golden pillow? 
		Do they wrap him in a magic robe, 
		tell me, Moon!

           		Your mother`s not here, child -
           		I know these things only from words...
           		I`m still new here, child,
           		I`m not yet a quarter full.
           		Come and take one of my beams 
           		for a blanket.



              THIS CROW


	This crow is unlike the others
	The shine of shards doesn`t appeal to her.
	This crow can clearly make out
	the diamond`s inner world.

	But when she sees a diamond, she doesn`t get carried away,
	she simply says - there`s a diamond! - and leaves.
	And her caw means -
	here`s a diamond! 
	here`s a diamond!

	(As does, by the way, the caw of all crows. 
	And therein lies this crow`s misfortune -

	that she sees through to the essence of things,
	yet she`s robbed of her essential cry.)

	This crow carries nothing to her nest, 
	the shine of her feathers
	is enough for her.



          GARDEN OF QUESTIONS


	Three old man in scrawny rain
	on a blackdrop of blooming pumpkins. 
	A scarecrow. A bird is digging 
	in one of his eyes. On the hill, a snail. 
	On its back, a tiny house.
	And in this house 
	two clouds head north, 
	and three wet rats head south.

   	What I`s can be clearly seen -
   	the rust on a cross, 
   	the breath of a turtle, 
   	the salamander, half-risen, 
   	his tail still in God`s dream.
   	(Though this may be unclearly said,
   	it happens that for God this world
   	just happens to happen.) 
   	And it happens that a beetle flips
   	and rings in the mud and scratches the sky, 
   	that under the sky there`s a small yard, 
  	and in the yard a young pine tree, 
  	and that beside the tree Peter Piper`s 
  	picking pickled peppers.

  	Since God is eternal, 
  	God never happened.
  	(And for what has no beginning -
  	though this may be unclearly said - 
  	it happens that nothing ever happened -
  	and it never happened -
  	exactly in this way).



                         SOMETIMES


	Sometimes God resembles a kitten
	whimpering under the moon.
	Sometimes God becomes the rain,
	sometimes a rain-whistler.   -2

	Sometimes God resembles nothing,.
	and sometimes the nothing becomes God. 
	And the wise person`s goal is to choose 
	of two empty things
	the fuller.

	But God is Alpha and Omega -
	therefore God is round.
	And the fact that Judgement Day is corning 
	keeps enlightenment away.

	For
	all sides of die Ball
	are only Left or Right.
	So on which side of God shall we stand 
	on Judgment Day?

	Not God, but you yourselves, will judge you! 
	And this, in fact, 
	is your Sentence.
	Judgment Day will have come 
	when everyone`s a judge.

	But tonight God chose to be a kitten -
	he feels like licking the moon. 
	And sometimes God is die whole kitten 
	and sometimes
	only die tail.



                                 Translations: G.Belev and L.Sapinkopf

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   1. This and the following poems are from Songs for Orphans 
   Big and Small, a cycle of poems.
   2. A bird, known as the golden-eye in English.




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