DIE SONNE IM BETT EINES MAULWURFS
Ballade
Der Ort, den man flieht,
bleibt an seinem Ort, aber den
Ort allein mit sich, den gibt es nicht.
Und die Poesie, umgeben
von Talenten, man spürt sie kaum
unter ihrer Tarnkappe mit Nimbus.
Auch wenn es nur zwei sind,
ein Gespräch unter Dichtern
ist immer ein Duell mit Umarmungen.
Zwei Mondsüchtige sprechen über den Mond
mit klaren Worten, die Buchstaben
benützend wie als Schatten...
Das Skelett im Wind, es atmet aus.
In der Mitte der Nacht hängt
das Gleichgewicht der Waage.
Gute Güte, zum Abschied endlich
die beiden Dichter sich umarmen
wie die Kreuze sich kreuzen!
Der verdammte Dichter verdammt sein Schicksal
Der gefallene Engel ist ein degradierter Engel.
Nach himmlischem Statut, wie abgetrennte Schulterklappen,
in alle Winde verstreut, sind die Flügel
auf meine Schultern gefallen. Zum Engel befördert,
muß ich nun fliegen, bis ich das Paradies erreiche.
Bislang sehe ich dunkel, daß in umgekehrter Richtung
sich Tautropfen in den Sternen spiegeln...
Während dieser nicht endenwollenden Prüfung erkannte ich,
daß dem ewigen Leben selbst die Zeit nicht reicht,
das Natürliche hinter sich zu lassen, um übernatürlich zu werden.
Jeder jagt für sich allein nach seinem Ruhme.
Ich, der ich mich darüber hinaus gewähnt, versuche nur zu fliegen.
Wie der Grashüpfer seinen Platz auf der Erde nicht findet...
So steht der Unbehauste unter Hausarrest.
Nebengleis
Die Straße ist ein Nebengleis.
Der Reisende gebückt ihr folgt,
denn der Zug fährt daran vorbei.
Ein Vogel, der sein Nest gebaut
Und seine Eier gelegt hat,
lobpreist die Weltenordnung!
Die Natur häuft niemals
ihre Reichtümer an und hält
die Straße nicht für ein Nebengleis.
Wie auch der selbstlose Reisende,
der in die hohlen Hände weint, seine
Tränen nicht darin sammelt, sondern weint...
Sauferei
Der Wind weht, wohin er will.
Der Wind weht, wohin er will.
Der Wind weht, wohin er will.
Ein Sommertag läßt lang und breit
gemütlich sich in dieser Kneipe nieder.
Ich sitz da schon und frage nicht,
wer trinkt und wer die Zeche zahlt.
Mein Tisch ist zollfreies Gebiet.
Jeder in sein Jagdhorn bläst,
als es um den Zentauren geht,
und niemand sagt, wer es gesagt,
ganz nüchtern zu den Menschen: steig vom Roß
und sei du Mensch, das Pferd - ein Pferd!
Die Sonne ohne Löwensprung sich nimmt
den Löwenanteil von der Zeit.
In der Oase trinken wir
den See bis auf den Boden leer.
Zu Grunde saufen wir uns hemmungslos.
Wurscht ist uns die ganze Wüste!
Wurscht ist uns die ganze Wüste!
Wurscht ist uns die ganze Wüste!
In meiner Bibliothek oben unterm Dach
Was ich auch beginne, ich bin sofort dafür entflammt.
Wie Berge von Arbeit erscheinen mir die Vulkane.
Alle Gipfel tragen schiefe, kecke Mützen aus Schnee
und fragen, wo will dieser Querkopf hin?
Ich weiß, dort wo nach einem Erdstoß die Illusion zusammenbricht,
liegt der Wirklichkeit wirkliches Epizentrum. Und niemals
bin ich in Gedanken als Schiffsbrüchiger versunken,
der in Panik nach den Rockzipfeln einer Meduse greift.
Durch Wolken von Staub erreiche ich alle alten Bücher
oben unterm Dach und stecke meine Nase in den Lauf der Welt...
...So wie der Turmdrehkran mit eisiger Ruhe arbeitet,
als höbe ein karthagischer Elefant mit seinem Rüssel die Alpen empor.
Mit der fallenden Welt des Lichts
Mit der fallenden Welt des Lichts –
wie zärtlich landet die Sonne
im Bett eines Maulwurfs.
Wie bei der Lebensmittelrationierung
sieht der nach Licht Hungernde
nur ein Viertel des Mondes.
Doch selbst dann noch ist bekannt,
daß Wein den Dürstenden wärmt,
auch wenn der Kamin kalt ist.
Wenn die Rose der Winde
bei Windstille nicht welkt,
so treibt der Einsame Knospen auch ohne Welt.
Eine weiße Krähe aus Nebel,
fixiert mit seinem angestrengten Blick,
setzt sich auf den Ast, und er blüht auf!
Übersetzung von Gabi Tiemann
A SMILE
Summer's last thunder: and from the treetops
flocks of birds are soaring towards the sky
like leaf fall in reverse.
And there's nothing strange in this, let alone
frightening, since somewhere, with a smile,
and old man is waving at the lightning bolt.
And as autumn stars, the soul,
one naturally assumes,
has a leaf fall such as this awaiting her.
MIRACLE
Disquiet issues from the clouds — omens for us A
all - and at night
the watermelons shine so red from within they
even
light the way for the moon, that it might
emerge from the deluge dry.
How its rays are rattling, as if a fevered train
were writing in the distance an a broken
typewriter, and a robin
dashes towards it like a red signal light
But what salvation in the monotone prayer that
uplifts us,
the hill with no sense of its own weight rises
up with our bodies,
and the dog is running towards infinity, which
tosses a cloud for it...
It's a miracle, the waves' effortless procession
on the water,
a miracle, the ward that they're not the
deluge... whatever
life may be, the earth twirls with joy on its
Achilles' heel!
Translations: G. Belev & L. Sapinkopf
A DOG'S LIFE
In rain or shine the play goes on.
A tree shakes off the drops.
A shake myself dry in the shade,
and beam at the dazzling sun.
But never look through fingers, forming the cross,
at the god shaking his finger at me.
Whenever I prick up sharp ears, he sharpens his wit:
"I live a dog's life and I'll bark for you."
And he keeps barking much as he likes,
while I, wagging my head, rush round in circles.
Whenever he throws the world away, I haul lt back in
my mouth.
How many words I have on its tip he knows,
but in the end "aw" and "wow" are enough for him,
reconciled to the world and me, embracing us, happy.
I leave them to get on with my play.
SNOWMAN
The first snow - and a school essay to be written.
I, beside you at the desk, as I took up my pen,
realized that writing's always secondary.
Because of that a school year fell away
and I, wholly charmed, thought of myself,
with you missing, as expelled.
The first snow - and a declaration of love in it.
So basic was our first kiss
it never repeated itself between us.
I'm an old snowman now and I wait for you
to appear like an avalanche whispering:
I'll give you back that first kiss!
And a kiss from me, a moist, sticky kiss,
for every flake composing me.
TO NAIL THE EVENING
Ah, what security: to be out in the open!
In the darkness, like two sparrows,
reason and passion bicker for the crumbs of manna
as the river beats with the heart of a ship...
All is imagination - see
the eagle nest itself flies off
while we, time out of mind, stay pinned:
it's the moon again that's nailed the evening!
Translations: T. Weiss