DETAIL



	Das Feuer erlischt,
	und Ottern schleichen in die Seelen.
	Aus unseren Augen lugt Kälte mit Angst vermischt,
	faßt das Ziel ins Auge und greift dann rücksichtslos an.
	Die Pfeile treffen die Nächte und
                            die Worte,
                            den Sternenhimmel,
                            den Sonnenuntergang hinter dem Hügel,
                            die Steine,
                            den Weg.
	Der Abend wird kälter und kälter,
	die Asche wird lichter,
	und der letzte Funken schmilzt im Flug zum Himmel.
	Sogar die Ottern
	werden langsam zu Asche.



                    SPUREN


	In meinem Traum wandeln Wege.

	Mal schlängeln sie sich ruhig tief unten,
	oder folgen den launischen Schleifen der Flüsse,
	mal werden sie fadendünn 
				und drohen, mich weglos zu lassen,
	mal schnellen sie aufrechten Gangs
				aufwärts ins Himmelsgewölbe,
	mal stürzen sie kopfüber in die Tiefe.

	Mein Traum kommt,
	geht,
       	schaut sich nach allen Seiten 
                                    und hält,
	geht aufs neue -
                       bald hastig, bald gelassen, 
	atmet tief ein,
	manchmal ist er so erschöpft vor Müdigkeit.

	Doch immer wenn ich meine Augen öffne,
	wachsen vor meinem Blick staubige Fußstapfen,
						die hinauswollen.


     
				GEBET
 

	Vergib mir Herrgott,
	ich bin nicht Maria, Josefs reine Frau, 
	auch weiß ich - mir werden keine Erzengel 
					frohe Botschaft bringen,
	denn mein junger Leib blühte früh auf.
	Auch bin ich nicht die andere Maria,
	die, Deinen Sohn erblickend, 
	vor Deinen durch Ihn verkündeten Worten verstummte.
	Vergib der Martha, Herrgott,
	denn ich bin Martha - Marias Schwester,
	Nicht daß ich Deine Belehrungen mißachtete,
	auch nicht daß meine Seele verschlossen 
					war für Sein Erscheinen,
	aber auf meinen Schultern lasteten doch alle Sorgen,
	und nicht meinetwegen - für andere lief ich
	von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang,
	und nicht meinetwegen - ihretwegen konnte ich nachts
	kein Auge schließen,
	da ich glaubte, daß das,
	was meine Hände schaffen,
	sie von keinem anderen bekommen werden.
	Denn das Symbol meiner Kindheit waren bereits 
	Früchte - warm wie des Menschen Leib,
	wie auch die Lämmlein mit dünnen Beinchen, 
					die aus meinen Händen aßen.
	Ich weiß, Herrgott,
	ich bin nicht Maria
	und niemand wird vor meinen sterblichen Geschöpfen 
					sich verneigen, 
	und am Himmel wird kein Stern aufgehen
	in der Stunde ihrer Geburt.
	Auch bin ich nicht die andere Maria,
	ich bin diese, die den Körper 
					unseres toten Bruders 
	sorgsam waschen
	und ihn in seine letzte Ruhestatt beisetzen wird.
	Erst dann kann doch das Wunder
	der Worte Deines Sohnes - "Lazarus, steh auf!" 
					wahr werden
	und er wird dann wieder unter den Lebenden wandeln.
	Vergib mir, Herrgott,
	nicht aus Unglauben an Deine Wunder, 
	aus Glauben an das Wunder der Schöpfung  
	ist in mir das Streben jetzt zu schaffen,
	und das Geschaffene dann zu verteilen.
	Am Tage der Auferstehung Deines einzigen, 
					geliebten Sohnes
	vergib mir, Herrgott!
	Jemandes Hände müssen doch die Osterbrote backen
	und jemand muß den Wein einschenken.
	Herr, vergib mir.



			OSTERLICHES


	Durch die Haut ist seit langer Zeit
	der Hunger verflogen wie eine Sünde

	In tausenden Körpern eingenistet,
	kroch die Sünde gierig den Hügel hinan
	und schlug, dem Wahnsinn verfallen, rostige Nägel ein 
	in die gefühllosen Füße und Hände.
	Das geschah in alten Zeiten
	als ob es gestern gewesen sei.

	Aber heute backen deine Hände
	die Osterbrote
	und bald wird jemand den Grabstein abwälzen,
	vom Grab der eingelullten Hoffnungen. 
	Und vor dem Blick wird die Welt
	bunt schaukeln,
	gereinigt wird die Seele verstummen
	und wird sich niederlassen im Dunkeln und beten.

	Du wirst dich niederlassen im Dunkeln und beten.

	Wir werden uns niederlassen im Dunkeln und beten.

	Erst dann werden wir das Brot anbrechen.


                               Übersetzung von Tekla Sugareva




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