COPYRIGHT by DREI MASKEN VERLAG - MÜNCHEN Anzahl der Alfonse Ober-Alfons Symbol-Frau Kuh-Frau Die Beleidigte Das verwaiste Greislein Drei alte Männlein, die zwei sind Satan Der Sportler Insgesamt: 9 Der Ober-Alfons bereitet das Terrain für die Rebellion vor. In der Mitte wird es einen weissen Kreis aus Stoff oder anderem Material geben, aber deutlich sichtbar. In das Zentrum des Kreises stellt man einen Pfosten aus Holz, an dem Pfeile in alle Himmelsrichtungen zeigen. Vorn seitlich steht ein kleiner Tisch, auf dem die Requisiten für die verschiedenen Verwandlungen des Ober-Alfons liegen. Ganz hinten ist im Halbkreis etwas wie ein Geländer montiert. Das wird in bestimmten Momenten für die Alfonse benötigt. Wenn sie nicht in Aktion sind, ruhen sie sich dort aus. Der Ober-Alfons ist halb gelb und halb schwarz gekleidet. Die Farben sind vertikal voneinander getrennt. Die restlichen Alfonse sind gelb gekleidet. Die Melodie "Bruder Jakob, Bruder Jakob..." gilt als musikalisch-dramaturgisches Motiv, welches ständig wiederholt wird, wenn es sich mit dem Text notwendig ergibt. Die Figuren des Stückes werden ihre Worte als Lied behandeln, wenn die Kraft des "Gefühls" die Grenze des prosaischen Ausdrucks überschreitet. Also- der Ober-Alfons bereitet das Terrain für die Rebellion vor. Die Melodie "Bruder Jakob, Bruder Jakob"erklingt. Der Ober-Alfons begleitet sie trällernd und pfeifend. Plötzlich ertönen auf dem Platz die Geräusche einer aufgebrachten Menschenmenge. Eine Stimme: Brüderlichkeit! Gleichheit! Schokolade! Stimmen erwidern: Schokolade! Der Ober-Alfons unterbricht seine Tätigkeit, nimmt vom Tisch ein Notizbuch und einen Bleistift, schreibt auf: Brüderlichkeit! Gleichheit! Schokolade! - erstens, zweitens, drittens... Die Verhältnisse sind unklar. Ich werde sie vermerken: eins zu eins zu eins. Nein, ich werde sie aufschreiben: eins zu eins zu drei. Es möge mehr Schokolade geben. Eine Stimme: Tartan! Viele Stimmen: Tartaaan! Ober-Alfons schreibt weiter: Tartan. Tartan wollt ihr haben... Eine Stimme: Dornenkronen! Die Stimmen skandieren: Dor-nen-kro-nen! Dor-nen-kro-nen! Ober-Alfons: Dornenkronen! Banal! Eine Stimme: Fretons! Orons! Persifedrons! und mit Akzent: Shiktscheta! (stimmhafter sh-Laut wie das J in Journal) Die Stimmen skandieren: Shiktscheta! Shiktscheta! Shiktscheta! Ober-Alfons: Fretons, Orons, Persifedrons und Shiktscheta ... Der Jargon des Aufstandes. Oder - ein Code. Eigenartig. Fretons, Orons, Persifedrons und Shiktscheta! Offenbar ist Shiktscheta das wichtigste Element. Die Skandierenden: Shiktscheta! Shiktscheta! Shiktscheta! Ober-Alfons: Ja. Mächtig und majästetisch erklingt "Bruder Jakob, Bruder Jakob." Dutzende Stimmen nehmen das Lied auf: Bruder Jakob, Bruder Jakob, schläfst du noch, schläfst du noch, hörst du nicht die Glocken, hörst du nicht die Glocken... Statt des Refrains "Ding Dang Dong" wird "REBELLION" skandiert. Dazu erklingen melodramatisch die Glocken. Plötzlich völlige Stille. Der Ober-Alfons setzt sich eine Polizeimütze auf, nimmt einen Knüppel in die Hände und bleibt in einer klassischen Polizistenpose stehen. Stille. Der erste Alfons kommt angerannt. Es ist die Kuh-Frau. Sie bleibt im Kreis am Pfosten stehen. Sie schaut sich um, sieht den Polizisten und stellt sich ihm mit leichter Verbeugung vor: Alfons. Der Polizist reagiert nicht. Die Kuh denkt, man hat sie nicht gehört: Alfons. Keine Reaktion des Polizisten. Die Kuh, zum dritten mal, laut: Alfons. Wieder ohne Antwort, verzichtet sie auf weitere Versuche. Die Hand über den Augen blickt sie in alle Himmelsrichtungen. Der zweite Alfons kommt angerannt. Es ist der Satan. Er stellt sich vor: Alfons. Die Kuh antwortet: Alfons. Der Polizist reagiert nicht. Satan: Alfons. Der Polizist reagiert nicht. Ohne Antwort setzt sich der Satan neben den Pfosten. Die Beleidigte kommt angerannt: Alfons. Die Kuh und der Satan antworten einzeln: Alfons. Alfons. Die Beleidigte zum Polizisten: Alfons. Keine Antwort. Die Beleidigte: Er antwortet nicht. Fängt an zu weinen. Der Sportler. Er bewegt sich wie folgt: geht zuerst in die Startposition, läuft los, geht wieder in die Startposition, läuft dann wieder... Wahrscheinlich denkt er, so effektiver zum Ziel zu kommen. Er prallt gegen den Pfosten, als ob er ein Zielband zerreisse: Alfons! Zwanzig Sekunden! Die anderen: Alfons. Das verwaiste Greislein. Äusserst höfflich stellt es sich jedem vor: Alfons! Alfons! Alfons! Alfons! Alle antworten einzeln: Alfons! Alfons! Alfons! Alfons! Das Greislein bleibt vor dem Polizisten stehen: Alfons! Keine Antwort. Alfons! Pause. Mit gleichbleibender Liebenswürdigkeit, fast bittend: Nun schlag mich doch. Keine Reaktion. Mit einem Seufzer schliesst sich das Greislein den anderen an. Die Drei alten Männlein treten auf. Gekleidet in gelbe Nachthemdchen, tragen sie rote Käppchen auf dem Kopf. Die Männlein gehen wie die Kindergartenkinder, die eine Strasse überqueren. Hintereinander hält jedes sich am Nachthemdchen des anderen fest. Die Männlein trippeln. Das Erste: Alfons. Das Zweite stimmt ein: ...fons...fons... Alle sind da. Die Alfonse huschen ziellos um den Pfosten. Sie wissen nicht, was tun. Erwartungsvoll wenden sie sich an den Polizisten. Der Polizist streckt seine Hand mit einer heftigen Bewegung nach vorn und blickt dann demonstrativ lang auf seine Uhr. Als hätten sie es begriffen, wiederholen alle Alfonse einen Augenblick später die Bewegung des Polizisten. Synchron fixieren sie ihre Armbanduhren. Pause. Stille. Ein Alfons, rhythmisch: Punkt fünf Uhr dreissig sollten wir hier sein. Alle Alfonse, rhythmisch: Punkt fünf Uhr dreissig. Ein Alfons: Wie in der Einladung steht - Punkt fünf Uhr dreissig. Alle: Punkt fünf Uhr dreissig. Ein Alfons: Punkt fünf Uhr dreissig. Alle: Punkt! Punkt! Punkt! Der Polizist ruhig, prosaisch, ein Fakt: Aber jetzt haben wir es fünf Uhr fünfundzwanzig. Alle Alfonse: Au... Sie rennen weg. Dieses "Au" ist kein Ausdruck von Angst. Es ist die Empörung über die eigene Unpünktlichkeit. Der Ober-Alfons legt die Polizeimütze und den Knüppel auf den Tisch. Er verwandelt sich in einen sanften Jesuiten. Um geschmacklose Scherze zu vermeiden, deutet kein äusserliches Zeichen auf eine Relogionszugehörigkeit. Nur die Intonation und sein Verhalten erwecken den Eindruck eines Predigers. Punkt fünf Uhr dreissig stürzen die Alfonse herein: - Aufstand! Aufstand! - Punkt fünf Uhr dreissig! - Punkt fünf Uhr dreissig! - Wie in der Einladung steht! - Am Sonntag! - Um fünf Uhr dreissig! - Aufstand! Aufstand! Aufstand!... Chaotische Bewegung im Kreis. Ober-Alfons bläst auf einer Trillerpfeife. Die Alfonse sind still. Rhythmisch: Jeder wird schreiten im Kreis Vorgezeichnet von mir. Schreiten wird jeder allein. Sprechen wird jeder zu sich. Sprechen zu sich allein... Die Symbol-Frau tritt auf. Ober-Alfons setzt sich die Polizeimütze auf. In einer Hand hält die Symbol-Frau etwas wie eine erloschene Fackel. Sie trägt ein bodenlanges, gelbes Kleid. Die Bühne überquerend, redet sie mit sich: Einmal... hundertmal... tausendmal... millionenmal... Im Hinausgehen: ... mordete man mich. Ober-Alfons legt die Polizeimütze ab. Nimmt den vorherigen Gestus wieder auf: Jeder wird schreiten im Kreis Vorgezeichnet von mir. Sprechen wird jeder zu sich. Keiner wird hören auf keinen... Die Symbol-Frau kommt wieder. Ober-Alfons greift nach der Polizeimütze. Ist unentschlossen, sie aufzusetzen. Symbol-Frau: Einmal... hundertmal... tausendmal... Ober-Alfons: He, Alfons! Symbol-Frau: Ich bin kein Alfons! ...millionenmal... Ober-Alfons: Kein Alfons? Wer bist du dann? Symbol-Frau: Ich bin das Symbol eines toten Symbols! ...mordete man mich... Sie hat die Bühne verlassen. Ober-Alfons legt die Mütze auf den Tisch und wendet sich erneut an die Alfonse: Keiner wird hören auf keinen. Sprechen wird jeder zu sich. Verbrechen von Gestern erzählen. Verbrechen, die selbst er vollbracht... Symbol-Frau tritt zum dritten mal auf, rhythmisch: Jedem schnitt man anfangs einen Flügel ab. Jedem einen Flügel - den grossen und den mittleren und den kleinen... Die Alfonse: Was sind die grossen? Was sind die mittleren? Was sind die kleinen? Symbol-Frau: Einen Flügel hatten alle nur, einen einzigen Flügel: die Kleinsten, die Mittleren und die Grössten. Sehr komisch waren die Kleinsten - Mit einem Flügel versuchten sie zu fliegen. Hopp, Hopp, Hopp - Vom Boden heben sie sich ein wenig Und mit einer mühsamen Drehung Platsch! Ab in die Pfützchen. Ein jedes der Kleinsten hat eine eigene Pfütze - Platsch! In jedes Pfützchen passt eines hinein Genau eins von den Kleinsten Genau ein einziges Kleines - Punkt! Die Alfonse: Was aber sind diese Kleinen, Mittleren und Grossen? Symbol-Frau: Ehrenwerte Absichten, Ideen, Symbole... Die Alfonse: Und was diese Pfützen? Symbol-Frau: Die Pfützen sind winzige... Winzige... winzige... winzige... Die Alfonse: Sehr rätselhaft bist du! Aber sehr! Symbol-Frau: Sehr, sehr, sehr, sehr... Ganz und gar, ganz und gar, ganz und gar... Ich bin das Symbol eines toten Symbols... Die Kleinsten waren sehr komisch. Komisch... komisch... Und die Grossen - schlau und berechnend. Schlau... schlau... Sehr, sehr, sehr, sehr Schlau, schlau, schlau, schlau. Sie versuchten nicht zu fliegen - Die Grossen wussten: Auch mit zwei Flügeln ist es schwierig. Schwierig, schwierig, schwierig... Geschweige denn mit einem Flügel. Gemeinsam lagen sie im See. Ein grosser See. Ein trüber See. Trüb, trüb, trüb. Gross, gross, gross. Einer - ein grosser - Für alle Grossen. Sie kuschelten Und flüsterten. Flüsterten von früheren Flügen - hinauf, hinauf, hinauf, hinauf. Irgendwann endete ihr Flüstern. Und im Stillen erinnerten sie sich - Jedem das Seine - Platsch! Platsch, platsch, platsch. Warm wurde ihnen und mit dem einen Flügel fächelten sie sich Kühle herbei wie einflügelige Ochsen. Fächelten, fächelten, fächelten - Kühle, Kühle, Kühle... Die Symbol-Frau dreht schweigend eine Runde. Tausende ohne Flügel: Ehrenwerte Absichten, Ideen, Symbole. Kleine, Mittlere und Grosse. Pause. Jetzt werde ich euch sagen, Wer denen die Flügel geschnitten hat... So... Ich fange an... Achtung... Ich werde bis drei zählen Und euch alles sagen... Hört zu... Eins... Zwei... Drei... Ein Schuss. Wir haben nicht gemerkt, wann der Ober-Alfons nach der Pistole auf dem Tisch gegriffen und geschossen hat. Die Pistole ist noch in seiner Hand. Die Symbol-Frau bricht im Kreis zusammen. Die Alfonse schreien begeistert und springen vom Geländer. - He, wie er sie abgeknallt hat! - Mit einem Schuss! - Eine sichere Hand! - Eine Blitz-Reaktion! - Bravo! Mit diesen und ähnlichen Sätzen stürzen sie zum Polizisten, reihen sich auf, schütteln ihm die Hand und gratulieren. Die drei alten Männlein: Ein dreifaches Hoch! Ober-Alfons legt die Polizeimütze und die Pistole ab. Er wird wieder zum weichen, sanften Jesuiten. Mit begeisterten Schreien stürzen die Alfonse zum niedergeschossenen Symbol: - Los kommt! - Lasst uns die Leiche beiseite schaffen! - Alle zusammen! - Gemeinsam sind wir stark! - Marsch! Marsch! Marsch! Symbol-Frau erhebt sich: Ich kann auch allein aufstehen. Ich bin das Symbol eines toten Symbols. Einmal, zehnmal, tausendmal, millionenmal mordete man mich. Was spielt das noch für eine Rolle, einmal mehr gemordet zu werden, oder auch millionenmal! Tot bin ich, tot, tot, tot. Ich bin längst tot. Ober-Alfons sanft: Du störst bei unserem Aufstand, auch wenn du tot bist. Punkt fünf Uhr dreissig sollten wir anfangen! Die Alfonse: Punkt fünf Uhr dreissig! Wie in der Einladung steht! Symbol-Frau: Sonnabends immer zu Sonntags Zwölf Uhr bis fünf Uhr dreissig In mitternächtlicher Stunde Auf die Sekunde genau, Hab ich das Recht zu erscheinen. Ein jedes von den Gespenstern, Den angesehenen Gespenstern, Hat ein Recht zu erscheinen Sonnabends immer zu Sonntags Zwölf Uhr bis fünf Uhr dreissig In mitternächtlicher Stunde Auf die Sekunde genau. Ober-Alfons blickt auf seine Uhr: Ah, jetzt haben wir es genau fünf Uhr fünfunddreissig! Deine Zeit ist um.... Die Alfonse blicken auch auf ihre Uhren: Ja! Jetzt haben wir es genau fünf Uhr fünfunddreissig! Symbol-Frau blickt auch auf ihre Uhr; entsetzt: Verzeihung! Irgendeiner hat den Hahn geschlachtet. Irgendwann. Rennt hinaus. Im Rennen: Einmal, hundertmal, millionenmal... Verschwindet. Ober-Alfons: Los kommt! Jeder wird schreiten im Kreis Vorgezeichnet von mir. Schreiten wird jeder allein. Sprechen wird jeder zu sich. Sprechen zu sich allein. Einer nach dem anderen, einer nach dem anderen, einer nach dem anderen... Keiner wird hören auf keinen. Sprechen wird jeder zu sich. Verbrechen von Gestern erzählen. Verbrechen, die selbst er vollbracht. Nur die eignen Verbrechen! Auffordern werde ich euch Mit warmer Stimme von hier: "Entspannt euch, entspannt euch ganz!" - Und locker werdet Ihr. Euch vertraue ich, Wahrhaftig locker werdet Ihr. Schlagen wird jeder sich sanft. Schlagen wird jeder sich selbst. Locker wird ein jeder Und sprechen zu sich. Jeder wird schreiten im Kreis Vorgezeichnet von mir. In die Mitte Genau in die Mitte Bringe ich euch Wenn Ihr es wollt In weisse Tuniken gehüllte Mädchen aus Fleisch und Blut. Solange Ihr zu euch sprecht, Werden die weissen Mädchen tanzen In der Mitte Genau in der Mitte Werden sie tanzen, wahr und weiss Wie Symbole der Reinheit. Dann könnte sich heraustellen, Gewiss sich heraustellen Über kurz oder lang, Verkleidete Männer sind sie Und keine Jungfrauen. Ist das Geschlecht aber wichtig? Das Symbol! Das Symbol ist wichtig In diesem Fall. Jeder wird schreiten im Kreis Vorgezeichnet von mir. Sprechen wird jeder zu sich. Bis die Zeit kommt! Bis die Zeit kommt, Wo wir alle merken: Wir brauchen keine Worte, Wir denken nicht zweideutig über die Dinge. Und dann! Und dann, wenn ich euch sage: "Lasst uns ein wenig Aufstand machen!", Werdet Ihr mir sagen: "Warum eigentlich Aufstand machen?" Und das Muh einer glücklichen Kuh Wird unfehlbar ausdrücken, DAS, WAS euch seit zwanzig und mehr Jahrhunderten bewegt. Prosaisch: Und so werdet Ihr bis zum nächsten Sonntag glücklich sein. Und sollte euch in diesen Tagen irgendetwas verärgern, werden wir wieder ein wenig Aufstand machen. Punkt fünf Uhr dreissig - zur selben Zeit. Sagt: "Hurra!" Die Alfonse: Hurra. Ober-Alfons setzt die Polizeimütze auf: Sagt: "Nein!" Die Alfonse: Nein! Ober-Alfons: Sagt: "Ja! Nein!" Die Alfonse: Ja! Nein! Ober-Alfons legt die Polizeimütze ab und wirft ein Paar Holzlatschen in den Kreis: Wer kommt zuerst? Kuh-Frau tritt in den Kreis. Sie zieht die Holzlatschen an und beginnt, im Kreis zu gehen: Eh, ausdrücklich! Ausdrücklich beeindruckt mich der Umstand, Dass eine Kuh fern der Heimat Den Sinn von DIESEM Und JENEM Mit ihrer heiligen Stimme ausdrücken wird. Ich beneide diese Kuh sehr. Diese Kuh ist eine heilige Kuh! Ich will auch eine heilige Kuh sein! Ich will um den heiligen Fluss schlendern Und Zitate verfassen. Zuerst werde ich die Menschheit retten, und dann mein Privatleben regeln. Ich bewege mich zwischen den Fronten. Langsam und gedankenverloren. Von links kommen Panzer. Und von rechts kommen Panzer. Die Motoren - stopp! Und von links ist eine Stimme zu hören: "Eine heilige Kuh ist auf dem Schlachtfeld." Stopp - die Motoren! Ich ändere meinen Gang nicht. Langsam und gedankenverloren... Die Menschheit ist gerettet... Und die Brahmanen... Ober-Alfons: Die Brahmanen werden mit den Zähnen knirschen, Ihre kostbaren Gewänder zerreissen Und gegenseitig sich beschuldigen - Jeder einen jeden beschuldigen: "Wozu hast du diese zur Kuh erklÄRT, Jetzt halten das Kuh-sein viele für wERT. Das Muh aus den Hälsen die Dinge verklÄRT, Der Gang der Geschichte krümmt sich entlEERT..." Ausprechen werden sie, was endet auf EHRT, Das wird bei Brahmanen äusserst begEHRT Und Sprüche zu finden, die niemals gelEHRT. Und die euch entbunden, Ob Mensch oder Kuh, werden geschunden. Kuh-Frau: Mich interessieren die Brahmanen nicht. Sie könnten mich höchstens dabei stören, mein Privatleben zu regeln. Haupsache ich rette die Menschheit. Das Volk wird mich mit Sicherheit ehren. Ober-Alfons: Ja, das Volk wird dich sehr ehren. Mit Bananen wird es dich füttern. Und mit anderen Südfrüchten. Wie es geschrieben steht... Kuh-Frau: Gewiss in den heiligen Schriften Steht es geschrieben. Altertümliche Zeilen Und südländisches Obst... Ober-Alfons: Es steht geschrieben in den allerheiligsten Schriften! Senkrecht steht geschrieben: Südfrucht mit vier Buchstaben, der vierte heisst "i". Alle Alfonse erraten es gleichzeitig: Kiwi! Kiwi! Kiwi! Kuh-Frau: Eh, ausdrücklich!... Verlässt den Kreis. Die Beleidigte ist an der Reihe: Vielfach wurde ich beleidigt und deshalb... Dem Weissen gegenüber bin ich gleichgültig, und mir gegenüber ist es auch gleichgültig. Nun, dem S c h w a r z e n gegenüber bin ich anders. Aber das S c h w a r z e vergibt mir auch nicht - ständig belauert es mich. Warnend und sanft bedroht mich die Dämmerung. Die Nächte aber beleidigen und beschatten mich ohne Umschweife. Ich gehe durch den Park, nachts, alles ist schwarz. Die Bäume, die Luft, sogar das Schild mit den weissen Buchstaben: "Eintritt für das Schwarze verboten". Auch alle Silhouetten, die vorbeigehen, sind schwarz. Wenn ich eine schwarze Silhouette sehe, stelle ich ihr ein Bein, denn mich bedroht das Schwarze beständig. Die Silhouette fällt zu Boden, steht aber sofort wieder auf und stellt mir ein Bein. Ich aber, stehe auch wieder auf und stelle der Silhouette zum zweiten Mal ein Bein. Diesmal jedoch packt mich die Silhouette fest und wenn sie merkt, dass ich weiblich bin,legt sie mich vorsichtig aufs Gras und beginnt, mich wirklich zu beleidigen. Und beleidigt mich, und beleidigt mich... Dann stehen wir auf, und die Silhouette fragt mich: "Wie heisst du?" Ich antworte nicht, öffne aber meine Handtasche, hole meine Handfeuerwaffe heraus und erschiesse sie. Scheinbar bin ich gerächt, aber die Beleidigung bleibt. Hier! Nein, nicht hier - hier! Sie zeigt die Stellen der Beleidigung. Hier, hier, und hier, und hier - überall fühle ich mich beleidigt. Und deshalb! Ach, verbittert schreie ich jetzt: Aufstand! Aufstand! Aufstand gegen das Schwarze! Aufstand! Verlässt den Kreis. Das verwaiste Greislein kommt in den Kreis. Seine Rolle wird von einer Frau gespielt. Sanft, weiblich: Genug Weibergeschichten... Ich kann nicht weinen. Ich bin ein ausgetrockneter Brunnen. Wer hat die Tiefe eines ausgetrockneten Brunnens gesehen? Meine Qual- Ein wohlbehaltener Frosch, Der im Dunkel der Tiefe hockt. "Quak" sagt Bei jedem Neumond. Und schweigt. "Quak"- Macht keinen traurig. "Quak"- Bringt nie einen zum Lachen... Ich bin betrübt... Die Alfonse: Quak! Das Greislein: Ich leide. Die Alfonse: Quaak! Das Greislein: Wer wird mir helfen? Die Alfonse: Quaaak! Das Greislein: Ich danke! Die Alfonse: Quak! Quak! Das Greislein: Genug Weibergeschichten... Seit sechs Jahrzehnten schon Bin ich ohne Eltern. Kennt Ihr das Grauen, auszukommen Ohne die Nackenschläge der Mutter, Ohne die Fäuste des Vaters im Gesicht... Geliebte Schläge der Mutter! Ihr süssen Fäuste des Vaters! Unter den Lindenbäumen... Warum? Genug Weibergeschichten... Aufstand! Aufstand! Aufstand! Ab. Der Sportler: Man zwingt mich, die einhundert Meter in zehn Sekunden zu laufen. Deshalb stehe ich auf: Gegen die Nötigung von Körper und Geist! Aufstand! Ich möchte exakt zwanzig Sekunden erreichen. Exakt! - Selbst eine Differenz von einer Zehntelsekunde entsetzt mich! Einhundert Meter - in zwanzig Sekunden! Ob nun in zehn oder in zwanzig Sekunden, man strengt sich an, verschieden ist nur die Menge an Zeit: bei zehn Sekunden ists tierische Arbeit, aber bei zwanzig hat man ein übersportliches Resultat, ein Kunstwerk. Ober-Alfons: Sie werden über dich lachen. Der Sportler: Wer wird über mich lachen? Ober-Alfons: Das Publikum wird lachen. Der Sportler: Wird lachen. Glaubst du, dass ich so einsam bin, dass ich keine Freunde habe? Dass keine Gleichgesinnten aufwachsen? Glaubst du, sie werden es zulassen, dass man mich beleidigt. Die Alfonse: Wir lassen es nicht zu. Einzelne Stimmen: - Wir werden die Tribünen erobern... - Wenn jemand zu grinsen wagt - wumm eins auf die Rübe... - Wenn ein anderer zu grinsen wagt... - ...wumm eins auf die Rübe! - Wumm! - Wumm! - Wumm! - Sie werden einmal zu grinsen wagen... Sie werden zweimal zu grinsen wagen... - Dann hören sie auf zu grinsen... Der Sportler: Ich danke euch. Ober-Alfons: Die anderen werden Dich überholen. Der Sportler: Wer wird mich überholen? Ober-Alfons: Die Neger und die Kommunisten werden dich überholen. Der Sportler: Sie können mich nicht überholen, wenn die Person, die das Zeichen zum Start gibt, die anderen achtzehn Sekunden nach mir starten lässt. Ober-Alfons: Trotzdem werden sie dich überholen. Die Alfonse: Buh, buh, buh, buh! Der Sportler: Sie können mich nicht überholen, wenn zu dem Gewinn an Sekunden noch ein Gewinn an Metern hinzukommt, sagen wir 88 Meter. Ober-Alfons: Trotzdem werden sie dich überholen. Die Alfonse: Buh, buh, buh, buh! Der Sportler: Du vergisst aber meine Freunde... Die Alfonse, einzeln: - Wir werden die Tribünen verlassen... - Wir werden uns an die Bahn stellen... - Ich werde den Negern ein Bein stellen... - Ich werde den Kommunisten ein Bein stellen... Der Sportler: Wie werden sie mich dann überholen, he? Ich kämpfe um zwanzig Sekunden, und ich werde siegen. Verlässt den Kreis, kommt aber augenblicklich zurück, von Lachen gebeutelt. Mir ist etwas komisches eingefallen. Unsere ganze Männermannschaft war versammelt - viel Essen, wenig Training, von allen Möglichkeiten zu vergnüglichen Kontakten isoliert. Dass ein Übermass an Kraft zur Melancholie führen kann, haben wir überrascht festgestellt. Auch der Manager hat das festgestellt. "Ich bringe euch ins Theater" - sagte er. "Ach was, Theater!" - widersprachen wir sanft - "Bei dieser Moral der Schauspielerinnen, wer weiss, möglicherweise werden wir uns blamieren. Gehen wir lieber in den Zoo, ein bisschen spazieren." Und wir gingen in den Zoo. Die Springer sehen sich die Affen an; die Werfer und die Kugelstosser den Elefanten; die Läufer den Vogel Strauss. Der Manager verschwand irgendwo. Auf einmal hörten wir seine Stimme - er streitet, er schreit. Wir gingen helfen. Ich sage helfen, weil wir auch die Stimme des anderen hörten, der sich mit dem Manager stritt. Seine Stimme war gereizt, aber er äusserte sich mit Kultur. Je näher wir kamen, umso deutlicher konnten wir die Worte hören. Den Manager hörten wir sagen: "Und du bist... und du bist..." - sein Satz blieb unvollendet. Der andere wartete ein wenig und sagte zum Manager mit intelligenter Stimme und komplizierter Sprachmelodie: "Dein lexikalischer Background ist viel zu arm.". Dass er es wagen konnte, so mit unserem Manager! Den Sinn haben wir nicht genau begriffen, aber wir spürten, dass er im Begriff war, den Disput zu gewinnen. Der Manager jedoch gibt nicht auf. Er sagt zu ihm: "Du bist... du bist... ein Eisider!" Und der andere, der kulturvolle, widersetzte sich erneut: "Erstens, heisst es nicht Eisider, sondern Outsider! Zweitens, Deine Assoziationen sind viel zu mager!" Geschickt verteidigte sich unser Manager: "Ich weiss, wie es heisst, aber ich bin entnervt, darum!" In diesem Moment haben wir sie gesichtet - die beiden - der Manager stritt mit dem Kurudu - dem brasilianischen Papageichen. Wir haben sie versöhnt. Und gingen weiter. Geschichten gibts... In den Kreis kommen die drei alten Männlein, die eigentlich zwei sind. Sie halten sich an den Händchen, gehen hintereinander. Das erste alte Männlein, zieht die Holzlatschen an. Die einzelnen Repliken der Männlein sollen vom Regisseur verteilt werden. Wenn es zwanzig Uhr wird, Gehen wir zu dritt ins Bettchen. Zu dritt schlafen wir in einem Bettchen. Ober-Alfons: Ich sehe nur zwei. Der dritte fehlt. Die drei alten Männlein: Das Dritte starb Im Jahr davor. Also - Zu dritt schlafen wir in einem Bettchen. Unsere drei kleinen Grossmütterchen Schlafen im Bettchen nebenan. Die drei kleinen. Ober-Alfons: Zu dritt - sagt ihr? Ihr seid doch zwei? Die drei alten Männlein: Recht hast Du - Das Dritte starb Im Jahr davor. Also - Zu dritt schlafen wir in einem Bettchen. Wenn es zwanzig Uhr wird, Kuscheln wir unter der Decke. Kopfüber. Und beginnen miteinander zu reden. Unsere drei Grossmütterchen, Ihr Hälschen gereckt und gestreckt, Spitzen gierig die Öhrchen Aus dem Bettchen nebenan. Zuerst reden wir über Frauen. Juch-hei-ssa.... O-la-la... "Diese Frauen werden euch den Kopf kosten" - Sagen unsere drei kleinen Grossmütterchen Äusserst bekümmert. Dann beginnen wir vom Aufstand zu reden. Aufstand! Aufstand! Aufstand! "Diese Aufstände werden euch den Kopf kosten" - Sagen unsere drei kleinen Grossmütterchen Äusserst verängstigt. Dann beginnen wir zu reden... Pause. Worüber reden wir? Wie reden wir? Was haben sie uns gesagt? Was haben wir geantwortet? Na sowas aber! Na sowas! Sie beginnen mit wilden Ausrufen, die für den slawischen Volkstanz (Choro-ein Reigen) typisch sind. Dann stampfen sie mit den Füssen. Na sowas! Na sowas! Na sowas! Sie kommen zu sich. Wir haben es vergessen. Beginnen zu weinen, verlassen den Kreis. Die Holzlatschen zieht sich der Satan an. Ich will euch etwas wichtiges erzählen, aber was? Was? Und überhaupt, wer bin ich, was bin ich? Schreit: Gebt mir ein Dragee! Auf dem Tisch des Ober-Alfons ist alles vorhanden. Der Satan bekommt ein Dragee. Mir ist eingefallen, was ich bin! Ich bin der Satan! Ach, ha, ha, ha. Alle Kessel in der Hölle sind poliert, alle Kessel haben Luken zum Gucken. Die Messgeräte zeigen die verschiedensten Spannungen an. Die unterschiedlichen Temperaturen korrigiere ich entsprechend meiner persönlichen Antipathie oder Sympathie. Mittels der Korrekturen verursache ich ein Alphabet gequälter Grimassen. Ich gucke durch die Luken und korrigiere aufs neue Spannung und Temperatur. Ich kombiniere Formen aus Körpern und Krämpfen, bis ich das aufregendste Bild erhalte. Am Wohlsten fühle ich mich jedoch im Hinterhof der Hölle: Palmen ragen auf zu schlanken Leibern, In ausgefeilter Akustik erschallen Choräle, Brunnen entspringen Wohlgerüche. Mit der Gewandtheit von Engeln Hüpfen kleine Teufelchen Von Palme zu Palme, Pflücken grosse Kokosnüsse, Trinken von ihrer Milch, Geben, was übrig bleibt, den Vögeln. Und wenn ich "Grüss dich" zu einem Teufelchen sage Und wir uns die Hände geben, Kleben vom Nektar der Nüsse sie fest aneinander, und wir brechen in Lachen aus. Pause. Schreit. Gebt mir ein Dragee! Holt sich eins vom Tisch. Oder, ich lösche alle Lichter. Dann lösche ich alle Töne. Im völligen Dunkel Und in völliger Stille Rufe ich zweimal beschwörend. Ich rufe zuerst: "Miez!" Dann wiederhole ich: "Miez!" Nichts weiter. Aber sie kommen. Ich schnappe mir die beiden Katzen - Die männliche und die weibliche, Und beginne ihre Rücken gegeneinander zu reiben - Rücken gegen Rücken - Schnell wie die Schuhputzer. Sacht klappern ihre Wirbelsäulen, Elektrische Funken sprühen umher, Ihr verwirrter Flug erfreut mich. Unvermutet plump sind die männlichen Funken, Die weiblichen sind überreizt, aber bedacht. Bei den zufälligen Begegnungen Kommt es zu platonischen Explosionen... Schreit. Gebt mir ein Dragee! Holt sich eins. Oder ich beginne, neue Worte zu erfinden. Zum Beispiel: - Persifedron - Persifedron - Schweif eines Kometen! Persifedron - Mord an einem alten Griechen! Persifedron - Schlag in den Solarplexus, der mit dem Schlag aufgehört hat, Solarplexus zu sein Und ein Geflecht aus Reptilien wurde. Persifedron! Persifedron! Persifedron! Ein Alfons: Eine Liebeserklärung! Der Satan: Persifedron! Ein anderer Alfons: Dreihundert Gramm vom Etwas! Der Satan: Persifedron! Dritter Alfons: Verspätung gegenüber dem Etwas! Der Satan: Bis ich jeden Sinn ausschöpfe und ein Geschmack von Metall zurückbleibt in meinem Mund. Die Alfonse: - Zink! - Zinn! - Eisen! - Mangan! - Fahrenheit! Der Satan: In diesem Fall ist es Bronze. Mein bronzenes Zünglein Schlägt gegen meinen bronzenen Gaumen Und ein ohrenbetäumdes Klirren erschallt. Nur ich allein höre es. Die Alfonse beginnen zu singen: Ding! Dang! Dong! Am Sonntag, am Sonntag. Der Satan: Hiesse das Wort "Jolanta" - Jolanta, Jolanta, Jolanta - Bekäme ich eine silberne Glocke. Die Alfonse beginnen "silbern" zu singen: Kling! Klang! Klong! Am Sonntag, am Sonntag. Währenddessen legt sich der Satan in den Kreis: Dann... dann... erinnere ich mich an gar nichts mehr. Ich möchte schlafen. Singt sich in den Schlaf. Gute Nacht, Satan... gute Nacht, Satan... Die restlichen Alfonse: - Und ich möchte auch schlafen! - Und ich auch! - Los, ein wenig schlafen! - Ein wenig schlafen und dann putschen wir wieder... Sie rollen in den Kreis. Singen: Gute Nacht... gute Nacht... Schlafen ein. Der Ober-Alfons nimmt eine Flöte vom Tisch und begleitet den Schlaf der Alfonse mit einer zarten Melodie. Die Symbol-Frau tritt auf. Ober-Alfons: Warum kommst du erneut? Du verstösst gegen die Regeln! Du hast das Recht zu erscheinen nur in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag - von zwölf Uhr bis fünf Uhr dreissig... Symbol-Frau: Leise! Psst, psst, psst, st... Ich bin jetzt nicht ich selbst. Diese hier träumen mich. Man kann nicht nicht erscheinen, wenn man dich träumt. Auf einmal beginnt die Symbol-Frau hysterisch zu lachen. Macht Bewegungen, als ob sie sich verteidigt. Ha, ha, ha! Mistkerle! Ha, ha, ha.... Ober-Alfons: Wirst du verrückt! Welche Mistkerle! Symbol-Frau: Diese hier! Träumen mich! Ha, ha, ha... Oh, welch unmoralischer Traum! Genug! Aus! Schluss mit dem Kitzeln! Ich sterbe! Oh! Ha, ha, ha... Sie wird plötzlich ernst, beginnt zu marschieren. Zwo, drei, vier! Vorwärts! Links, links, links! Halt! Kehrt! Ober-Alfons: Träumen sie dich jetzt so? Symbol-Frau marschiert weiter: Ja, so! Zwo, drei, vier! Beendet das Marschieren und beginnt auf den Händen zu laufen. Ungeschickte Versuche. Es fällt mir sehr schwer, Wenn sie beginnen, mich so zu träumen. Hoooppla... Erneut erfolglose Versuche, sich auf die Hände zu stellen. Und jetzt träumen sie mich so! Sie hinkt. Und jetzt träumen sie mich so! Sie weint. Usw. Die Symbol-Frau bleibt wie versteinert stehen: Sie haben aufgehört, mich zu träumen. Die Alfonse bewegen sich. Symbol-Frau: Ich verschwinde! Ab. Die Alfonse wachen mit einem gemeinsamen Schrei auf: Gebt mir ein Dragee! Weitere Katharsis der Kuh-Frau: Gebt mir ein Dragee! Sie bekommt eins. Ich stoppe die Panzer, die Flugzeuge heben ab. Von den Bomben aufgebläht sind die Bäuche der Flugzeuge. Aufgebläht, als hätten sie alles Gift der Welt gefressen, werden sie in wenigen Momenten explodieren. Wer regelt sein Privatleben? Die Menschheit! Wer wird die Menschheit retten? - Die Kuh! Langsam und gedankenverloren gehe ich unter den Flugzeugen. "Werft die Bomben" - wird der Ober-Flieger sagen. Die anderen Flieger werden sagen: "Wie werfen? Unten geht eine heilige Kuh!" "Richtig" - "Zurück zum Flugplatz!" - wird irgendein Oberer befehlen. Leicht ist es zu befehlen, aber wo sollen sie landen - die Kuh ist bereits auf der Piste. Ich gehe spazieren. "Wir haben kein Benzin mehr!" - werden alle aufschreien. "Wir werden mit den Bomben abstürzen." Dann wird der Obere ihnen sagen: "Diese Kuh wird uns zugrunde richten. Lasst die Bomben fallen, egal, was kommt." Und sie werden die Bomben werfen. Aber Krishna wird sie sehen und ausrufen: "Sieh an, Buddha, sie lassen Bomben auf unsere Kuh fallen!" Buddha wird sagen: "Sag Shiva, dass er seine tausend Hände ausstrecke und die tausend Bomben auffange." Krishna wird ausrufen: "Hör zu, Shiva, Buddha sagt, strecke deine tausend Hände aus und fange die tausend Bomben, derweil sie noch in der Atmosphäre sind." Shiva wird seine Hände ausstrecken, wird die Bomben auffangen und fragen: "Ich habe sie, was soll ich jetzt tun?" Krishna wird Buddha sagen: "Er hat sie. Er fragt, was er tun soll?" "Festhalten soll er sie ein wenig" - wird Buddha antworten. Krishna wird ihm sagen: "Shiva, halte sie ein wenig fest!" Aber Shiva wird ihm widersprechen: "Ein wenig festhalten, aber meine Hände sind eingeschlafen!" Krishna wird Buddha sagen: "Shiva sagt, dass seine Hände eingeschlafen sind." Dann Buddha zu Krishna, Krishna zu Shiva, Shiva zu Krishna...und ...und Ich bin durcheinander... Ober-Alfons: Buddha wird Krishna sagen: "Ob Kuh oder nicht Kuh, falls seine Hände eingeschlafen sind, soll er sie fallen lassen." Kuh-Frau: Und dann? Ober-Alfons: Krishna wird Shiva sagen: "Buddha sagt: falls deine Hände eingeschlafen sind, Kuh oder nicht Kuh - lass fallen." Kuh-Frau: Und dann? Ober-Alfons: Shiva wird sie fallen lassen. Kuh-Frau: Er wird sie fallen lassen, aber es wird ihm nicht angenehm sein. Ober-Alfons: Er wird sich scheusslich fühlen. Kuh-Frau: Ja, das genügt mir... Ab. Weitere Katharsis der Beleidigten: Gebt mir ein Dragee! Bekommt eins. Vorgestern rufe ich an und bitte sie, Federico zu mir zu schicken. Jeden Freitag wechselt Federico die Glühbirne meiner Lampe. Nachdem fünfzehn Minuten vergangen sind, klingelt es an der Tür. Ich mache auf und sehe einen Schwarzen. "Ich bin Federico", sagt er. Es gibt also zwei Federicos, einen weissen und einen schwarzen. Egal, denke ich mir. Das zweite Glas versteckte ich. Ich sage, hier ist die Leiter, nimm sie. Meinen Cocktail trank ich mit einem langen Strohhalm. Oben auf der Leiter fummelte er mit einem langen, schmalen Schraubenzieher an der Lampe. Ich trank und fixierte seinen Rücken genau zwischen den Schultern. Seine Arbeit stockte, er spürte meinen Blick. Damit die Arbeit voran käme, begann ich, auf seine Füsse zu schauen, genauer, auf die Schuhe. Als ich meinen Cocktail ausgetrunken hatte, fiel mir etwas ein. Was genau, wusste ich noch nicht, aber ich war mir sicher, dass es etwas ganz... "Zieh die Schuhe aus!" - redete ich ihn an. Der Schwarze kam von der Leiter und zog sie aus. Er dachte, ich verlange das von ihm, um den kleinen Teppich zu schonen. Zum Teufel mit dem kleinen Teppich! "Zieh die Socken auch aus!" - sagte ich. Leicht verwundert gehorchte er und landete erneut auf der Leiter. Seine Fersen waren bläulich. Während ich seine Fersen betrachtete und den langen Strohhalm drehte, fiel mir plötzlich ein, was ich tun sollte: ich fing an, ihn zu kitzeln - mit dem Strohhalm die Fersen. Der Schwarze begann auf der obersten Stufe der Leiter zu hüpfen, lachte und schrie: "Nicht doch, Frau, ich mache einen Kurzen." Und ich sagte streng: "Ihr Schwarzen macht nur Kurze. Ihr seid unfähig für Mittlere, geschweige denn Lange." "Ich verstehe nicht, Frau" - kicherte der Schwarze. Aber ich dachte mir: "Warte ab, bis ich den zweiten Cocktail, der dem weissen Federico vorbehalten war, ausgetrunken habe, dann wirst du sehen!" Ich habe den Cocktail ausgetrunken, ausgetrunken mit demselben Strohhalm. Ich habe den Schwarzen an seinem Hosenbein gepackt, ich habe ihn heruntergeholt. Den Schwarzen. Er hat es mit der Angst gekriegt, sonst nichts. Er hat sich aufgerichtet. Wie er hoch kam, stellte ich ihm ein Bein. Als er zum zweiten Mal hoch kam, steckte er den Schraubenzieher zwischen die Zähne. Als sei er ein Messer! Erst dann! Dann! Dann! Dann! Habe ich begriffen. Als er den Schraubenzieher in den Mund steckte, Wie auf ein Messer biss... Zuerst - Stellte er mir ein Bein. Ich stürzte nach hinten. Er stürzte mir nach. Er riss mich zu Boden. Der Schraubenzieher steckte in seinem Mund. Danach - Strich er mein Kleid hoch - Bis Bis über den Kopf! Ich sah nichts. Ich fühlte nur. Ich fühlte, wie er seine Hose fallen liess. Sanft strich ich mein Kleid Vom Kopf, Um zu sehen. O Gott, die Beine! Krumm! Krumm wie zwei Schwerter! Ohne Haare - wie zwei krumme Schwerter! Schnapp - die Krummschwerter - Schlossen sich. Schlossen sich schlicht. Ich habe geschrien. Ich habe geschrien wie nie. Er schrie auch. Zu zittern begann er. Zu zittern begann er, so wie er war - Zwischen den Zähnen den Schraubenzieher. Seine Zähne begannen zu klappern. Klapperten auf dem Schraubenzieher. Fast biss er den Schraubenzieher durch. Dann! Dann! Dann! Dann! Genau dann erschien der weisse Federico. Als er sah, wie der schwarze Federico dabei war, mich zu überwältigen, griff er nach dem Schraubenzieher - auch er hatte einen Schraubenzieher - und stiess ihn ihm - dem schwarzen Federico, meine ich - in die Weichteile. Nicht einmal geschrien hat der Schwarze. Diesmal hat er nicht geschrien. Nur seine Zähne biss er fester zusammen. Sein Blut ergoss sich über mich. Nachdem er das Blut gesehen hatte, der weisse Federico, machte er sich davon. Der Schwarze zitterte und zuckte. Zweifach wurde sein Zucken. Einerseits waren es Zeichen der Liebe, Zeichen des Todes zugleich. Beide waren voll Süsse. Ich aber schob ihn beiseite und stand auf. Ich schaute auf den Schwarzen. Die Zuckungen des Todes dauerten an. Dann habe ich aus meiner Handtasche meine Handfeuerwaffe genommen und ihn erschossen. Ich mag keine Agonien. Der Schwarze begann kleiner zu werden. Immer kleiner und kleiner wurde er, Und nach Weinen war mir zumute. Warum habe ich ihn erschossen, den Lieben. Was hat er mir denn bloss getan. Was denn bloss. Der schwarze John... Eigentlich hiess er Federico - aber was spielt das schon für eine Rolle. Sie kommt aus der Trance, zieht die Holzlatschen aus... Den Kreis verlassend, müde: Deshalb hasse ich das Schwarze! Weitere Katharsis des Satans, kommt schreiend angestürmt: Gebt mir ein Dragee! Bekommt eins. Oder ich halte in meiner Hand eine kleine gläserne Kugel. Das Dragee genügt ihm nicht. Gebt mir ein Dragee! Er bekommt eins, fühlt sich besser: Also, ich halte in meiner Hand eine kleine gläserne Kugel. Aber die Kugel beginnt, in meiner Faust zu wachsen. Weiter und immer weiter. Sie erreicht die Grösse eines Planeten. Meine Hand aber verändert sich nicht. Und ich verspüre keinen Schmerz, Verursacht vom ungleichen Mass Zwischen meiner Faust Und der Kugel - dem Planeten, Vielmehr verspüre ich einen besonderen Kitzel, Ein behagliches Spreizen der Finger... Noch ein wenig... und... und ich weiss nicht... Wer wird versuchen, mir zu verbieten, Mich zu vergnügen, Wie es mir passt! Bevor ich die kleine gläserne Kugel besass, Hielt ich in meinen Händen ein Mädchen - Ein kleinwüchsiges Mädchen Mit schmalen Schultern Und grossen Brüsten. Und das Ergebnis war gleich! Berauschend! Gebt mir Dragees! Oder - ich sage: "Schnapp!" Und verwandle mich in einen Kuckuck. Und ich beginne, tausend Eier zu legen. In die Armbanduhren von Bräuten, Heiratswilligen Männern, Generälen, Präsidenten, Wohltätern. In den feierlichsten Augenblicken Platzen die Schalen der Eier Und Aus den Armbanduhren Schlüpfen Keine Sekunden, Sondern die Kücken des Alptraums. Die Kücken des Alptraums vermehren sich, Je feierlicher der Moment. Oder... Pause. Ich bin bereits berauscht vom eigenen Erfindergeist. Verlässt den Kreis. Weitere Katharsis des verwaisten Greisleins: Gebt mir auch ein Dragee! Geliebte Schläge der Mutter! Ihr süssen Fäuste des Vaters! Ohne die Nackenschläge der Mutter, Ohne die Fäuste des Vaters im Gesicht, Auf wen kann ich mich verlassen, Abgesehen von der Polizei. Deshalb, Wenn es einen Aufstand gibt, Will ich in der ersten Reihe stehen, Dass man mich auf jeden Fall bemerkt. Die entschiedensten Und die radikalsten Losungen - Zeige ich vor. Und wenn die Polizei kommt und die Schlagstöcke schwenkt, erbeute ich mit Recht die entschiedensten und die radikalsten Schläge. Und mir wird wohl... Aber nachdem ich so alt geworden bin, begann die Polizei, mich zu schonen. Die Jungen erhalten Schläge, und an mir geht man vorbei. Jeder bevorzugt die Jugend. Die Jungen schreien, weil es schmerzt. Aber ist das gerecht, die zu prügeln, die Schmerz empfinden, und an denen vorbeizugehen, die das geniessen? Zum Ober-Alfons: Ich bitte dich, schlag mich! Der Ober-Alfons schlägt ihn. Das verwaiste Greislein: Oh, vergessener Genuss! Schlag mich noch einmal! Der Ober-Alfons schlägt ihn zum zweiten mal. Das verwaiste Greislein: Lieber Gott, wie köstlich! Schlag mich noch einmal! Der Ober-Alfons schlägt ihn zum dritten mal. Das verwaiste Greislein: Ja, so! Ja, so! Schlag mich noch einmal! Ober-Alfons: Du bist aber auch unersättlich! Das verwaiste Greislein: Ich bin unersättlich! Und ein Egoist bin ich! Ich will, dass man nur mich schlägt. Nur mich. Die anderen interessien mich nicht... Verlässt den Kreis. Weitere Katharsis der drei alten Männlein: Gebt auch uns Dragees! Eins! Zwei! Drei! Ober-Alfons: Für wen ist das dritte Dragee? Drei alte Männlein: Das dritte starb Im Jahr davor. Wir drei legen uns unter die Decke Und reden von Frauen und vom Aufstand. Von acht bis zwölf. Abends. Unsere Grossmütterchen zwinkern vor Müdigkeit, Aber einschlafen wollen sie nicht - Sie belauschen uns. Wir drei liegen in einem Bettchen, Die Grossmütterchen liegen nebenan. Genau wenn es zwölf wird, Erscheint jenes Symbol mit der Fackel. Wir stellen uns schlafend. Das Symbol beginnt, uns mit der Fackel zu schlagen Und schreit: "Genug geschlafen, Gewissen!" Wir zählen im Stillen bis drei, Springen auf "drei" dann zu dritt auf, Schnappen geschickt das Symbol Und zerren es zu uns ins Bett. Wir ziehen die Decke bis über den Kopf, Und beginnen, zu kitzeln. Nichts ist angenehmer Als das Lachen eines Symbols, Wenn man es kitzelt. Dann beginnen wir, es zu kneifen. Das Symbol kreischt und kreischt. Wisst ihr wie ein Symbol kreischt, Wenn man es kneift. Nichts ist angenehmer Als das Kreischen eines Symbols, Wenn man es kneift. Vom Bett nebenan Fluchen die Grossmütterchen: "Zum Teufel mit diesen Symbolen - Sie werden euch die Köpfe kosten!" Pause. Plötzlich, ohne jeden Zusammenhang: Wir sehnen uns nach den Grossmütterchen. Zu den Grossmütterchen wollen wir! Der Ober-Alfons imitiert die Grossmütterchen: Ich bin eure Grossmütterchen. Guten Abend, ihr Liebsten! Die drei alten Männlein: Wenn du unsere Grossmütterchen bist, warum ist deine Stimme so tief? Ober-Alfons: Weil ich ein dreifaches Grossmütterchen bin, ist meine Stimme dreimal tiefer. Die drei alten Männlein, angenehm erregt, setzen das Spiel fort: Und warum ist dein Mund so gross? Ober-Alfons: Damit ich euch fressen kann! Wau! Die drei alten Männlein sind vom Spiel wahnsinnig begeistert: Hurra! Er versteht uns. Er ist einverstanden, mit uns zu spielen. Es lebe der Aufstand! Ej, ist das ein Aufstand! Wie schön ist ein Aufstand, Wenn dich die Macht versteht Und dir zum Partner wird! Im selben Pathos und im selben Tempo schreit das erste alte Männlein im Gestus einer Bestellung; das restliche alte Männlein setzt im gleichen Ton fort: Bier! Zwei! Drei! Auch für den Herrn! Sie verlassen sehr belustigt den Kreis. Weitere Katharsis des Sportlers: Gebt mir ein Dragee! Bekommt eins. Seine Kraft und sein Selbstbewusstsein wachsen deutlich. Er selbst ist von dieser Wirkung überrascht. Jah! Oh! Eh! Ih! Welch Zuwachs an Kräften! Von wegen zwanzig Sekunden? Fünf reichen! Oh! Eh! Jah! Ich muss etwas tun, Sonst explodiere ich! Eh! Oh! Tuh! Der Ober-Alfons wirft ihm einen Expander zu. Der Sportler: Ich werde ihn zerreissen! Er verwandelt sich in eine Überkraft. Jah! Breh! Guck! Jetzt sind die Laute Ausdruck seiner Überraschung. Es ist ihm unmöglich den Expander zu spannen. Bis jetzt habe ich nur ein einziges mal soviel Kraft in mir gespürt. Unsere ganze Männermannschaft war versammelt - viel Essen, wenig Training, von allen Möglichkeiten zu vergnüglichen Kontakten isoliert. Dass ein Übermass an Kraft zur Melancholie führen kann, haben wir überrascht festgestellt. Und wir gingen in den Zoo. Ich habe euch doch schon von der Beleidigung unseres Managers durch den Papagei erzählt. Wir gingen weiter. Der Manager meckerte - er war sauer über den Ausdruck, den jener benutzt hatte: "Magere Assoziationen." "Von wegen, magere Assoziationen!: Guckt euch die Langhalsige an! - ähnelt sie nicht einem Damenstrumpf?" Wir gucken hin - eine Giraffe mit gerecktem und gestrecktem Hals. Der Manager erklärt die entsprechende Assoziation folgendermassen: "Der Hals der Giraffe sieht wie ein in die Luft gehobenes Damenbein aus!" Wenn das so ist - vom Bein bis zum Strumpf ist es nur ein Schritt! Wir haben den Schritt gemacht. Wir gucken uns den Hals der Giraffe an, und weil wir seit längerer Zeit nur unter uns Männern versammelt waren - viel Essen, wenig Training - haben wir zugleich ausgerufen: "Ganz genau! Ein Damenbein - guck die Form, guck die Biegung!" Wir glotzten den Hals der Giraffe an, und die Giraffe heftete ihren Blick auf uns. Das Tier erstarrte. Wir erstarrten auch. Lange Zeit standen wir so. Letztendlich wurde es der Giraffe langweilig und plötzlich liess sie ihren Hals sinken - um ein bisschen zu grasen. Das Damenbein hing vor unseren Augen müde herunter. Die Mannschaft wurde von einem kollektiven Krampf geschüttelt. Wir gingen. Schuldbeladen gingen wir. Mit leeren Blicken gingen wir vorbei an den Käfigen. Beim Verlassen des Zoos sagte der Manager: "Da sieht man, wohin die Kultur führt!" Er war noch wütend, den Disput mit dem Papageichen hatte er noch nicht vergessen. Aufgeschreckt schrien wir: Nieder! Nieder mit der Kultur! Nieder! Die Alfonse schliessen sich an. Nieder! Nieder! Der Sportler: Nun ja, ich fühle jetzt Zum zweiten mal so eine Kraft. Das wollte ich sagen! Zum Ober-Alfons: Komm, ziehen wir! Der Ober-Alfons nimmt ein Ende des Expanders. Der Sportler: Ah? Nee! Uh! Sch! Die Laute drücken jetzt seine Unzufriedenheit darüber aus, dass der Ober-Alfons ihn in aller Ruhe zu sich herüberziehen kann. Der Sportler: Nun-los-macht-doch-Freun-de... Die Alfonse springen auf: Halte durch! Wir sind hier! Sie zerren alle am Sportler. Ho-o-o-o-pp! Her... Hin... Der Ober-Alfons hält den Expander demonstrativ mit einem Finger und zieht alle hinter sich her. Er geht im Kreis. Durch die Bewegungen entstehen verschiedene plastische Figuren. Her... Hin... Aus dem Schreien wird Singen. Her und Hin. Am Sonntag, am Sonntag. Hopp nach links. Nach links, nach links. Hopp nach rechts. Nach rechts, nach rechts. Für einen Moment vergessen sie den sportlichen Aspekt des Ziehens. Als es ihnen wieder einfällt, ermutigen sie sich gegenseitig. Los! Zusammen! Hopp! Der Ober-Alfons lässt den Expander absichtlich los. Durch den eigenen Schwung, fallen alle Alfonse in den Kreis. So, wie sie fallen, schlafen sie ein. Der Ober-Alfons: Alfons! Als Antwort ist das laute, rhythmische Atmen der schlafenden Alfonse zu hören. Der Ober-Alfons: Gute Nacht. Ich bin auch müde. Wir werden bis zum nächsten Sonntag ein wenig schlafen, und dann werden wir wieder Aufstand machen. Kommt auch ihr - fünf Uhr dreissig! Die Symbol-Frau tritt auf: Wieder sind sie eingeschlafen. Wieder träumen sie mich... Sie beginnt, sie mit der Fackel zu piesacken. Ergebnislos. Sie schmeisst die Fackel weg und kommt pathetisch nach vorn. Nie gab es Und nie wird es geben Ein Omen von mehr Gewicht Als dieses! Die Freiheit schreitet drohend, Zerschmettert Ihre Denkmäler selber, Schändet alle ihre Symbole. Zittern sollt ihr, wenn die Freiheit sagt: "Man braucht keine Denkmäler, Man braucht keine Symbole - Allein Ich existiere, nur Ich." In diesem Augenblick wird über euch die Luft auflodern, Das Gestein wird erglühen Und das Metall. Und aufflammen werden eure Privat-Bibeln, Brennen werden die prophetischen Zeilen, Nicht ahnend, dass Ihre finsteren Offenbarungen sich erfüllen. Hernach wird es lange Zeit still sein. In die toten Gewässern des Ozeans Ein Kontinent wird versinken, Auftauchen wird ein anderer Kontinent Und Klarheit wird herrschen Über das Geheimnis von Atlantis. Nach dieser pathetischen Deklaration beginnt sie ohne Übergang, zu kichern und mit den Händen zu fuchteln, als ob sie sich wehre. Oh Gott, wie unanständig träumen sie mich wieder... Oh... Ich kann nicht... Ha, ha, ha... Übersetzung von Stella Petkow und Kay WuschekREBELLION AM SONNTAG
THE WONDERFUL IN POETRY, OR A VICTIM
OF GOLDFISH
No one publishes my poems,
no one reads them.
They're dangerous.
They arouse base instincts
and corrupt the soul
(in the words of one
who'll appear in due course).
They're especially harmful to children.
And adults.
My friends have abandoned me.
The girls have stopped loving me.
A window even called me the demonic type.
So as not to be lonely,
I bought three goldfish.
In a glass bowl.
I fed them waterbugs
and changed their water.
Once
my landlady's scruffy cat
snuck in and nabbed
the prettiest, the most playful.
The remaining two would dash in horror
when they heard the insidious beast.
But I guarded them with the greatest care.
One rainy evening,
out of melancholy,
out of I don't know what,
I decided to read out loud
a poem I'd written that day.
Mocking myself
I bowed down before them
and asked:
would you permit me to recite a poem?
I read them a cynical,
anti-societal poem
(in the words of one
who'll appear in due course).
When I looked up at them
my face froze in shock -
they had turned grayish black,
grown huge jaws
and sharp teeth,
they looked like baby sharks.
They wouldn't touch the waterbugs
I poured out for them,
they spurned my bread crumbs.
So I seized the landlady's scruffy cat
and hurled it at them.
The poor creature was torn to shreds
in seconds.
From that day on, this was
their favorite food.
Each evening I'd read them
my depraved poems
(in the words of one
who'11 appear in due course).
They grew bigger and bigger,
beastlier and beastlier;
they became real sharks.
The aquarium could scarcely contain them,
and cats no longer satisfied them.
From then on
everything fell into place.
I read them my most dangerous poem of all
and the glass began to crack, then it shattered.
The sharks leapt out,
the gentler of the pair spread its jaws
and gulped me down
while the other devoured the wardrobe
where an informer was huddling.
INTERVIEW FROM THE BELLY OF A WHALE
"Where have you been,"
they ask me
for more then three decades?"
"I've been in the belly of the Whale.
You can see that just fine,
you're asking out of spite."
"How," they ask me,
"have you spent
these three decades in his paunch?"
"This you know too.
I gambled,
with that gambler, Jonah, from the Bible.
"But Jonah got out!"
they exclaim.
"Why haven't we seen you around."
they ask.
"Jonah got out.
God ransomed him,
and the devil didn't pay a chipped dime."
"Has it been scary,"
they ask,
"for so many decades?"
"It was scary,
it got boring.
I smoked and kept silent,
I kept silent and smoked."
"And what wil1 you do now,"
they ask,
"for the next thirty years.
"Me?
I have no idea.
But I do know that the Whale
will be spitting butts
for three decades
and fouling the marine
environment."
Translations: G.Belev & L.Sapinkopf