AUF DEN STRASSEN VON POMPEJI
Man geht auf einer menschenleeren Straße,
bleibt plötzlich stehen, staunend wie ein Kind:
Aus alten Brunnen, die erhalten sind,
fließt noch des Lebens Element, das nasse.
Es überstand den Ausbruch und die Messe
von Staub und Steinen, und den heißen Wind.
Wie alt war diese Stadt? Man schätzt nicht blind.
Man sucht Beweise, daß man es erfasse.
Beweise fordern Logik und Verstand.
Beweise geben hier die Brunnenwände:
Jahrhundertelang stützten an dem Rand
beim Trinken hier die Menschen ihre Hände...
Und die Vertiefung, die dadurch entstand,
spricht für Pompejis sehr hohes Alter Bände.
POMPEJIANISCHE IMPRESSIONEN
1.
Ist dies meine Reinkarnation?
Oft frage ich mich, ob wir wiederkehren,
denn anders kann ich sie mir nicht erklären,
die Sehnsucht nach Pompeji seit Jahren schon.
Geboren in der Stadt, und deren Sohn,
war ich vielleicht einst Richter, der in Ehren
die weiße Toga trug, vor jener schweren,
die Stadt vernichtenden Eruption.
Vor zwei Jahrtausenden war es: ein neuer,
verhängnisvoller Tag war am Beginn,
als der Vesuv, gleich einem Ungeheuer,
wild donnernd ausbrach. Ich fiel mit den Knien
aufs Pflaster, mitten in dem Staub und Feuer...
Und heute zieht Pompeji mich zu sich hin...
2.
Und heute zieht Pompeji mich zu sich hin...
Doch wenn ich komme, kann ich nicht erfahren
in welchem Haus vor abertausend Jahren
zum ersten Mal ich hier geboren bin.
Wo meine schwarze Norne gleich erschien,
mich zu versprechen jenen unfaßbaren
Ereignissen, die in der Zukunft harren,
mit der Verwüstung und dem Tod darin...
Ich finde dieses Haus nicht und beweine
die Friedhof-Stadt, worin es damals stand.
Ich kann mich nur erinnern an das Eine:
an Hilferufe, die ich nicht verstand...
Und heute ruft mich heimlich und alleine
der Platz, zerstört vom Beben und vom Brand.
3.
Der Platz, zerstört vom Beben und vom Brand,
wo in die heiße Asche ich verschwunden,
empfängt mich froh. Ich denke an die Stunden
an denen damals ich hier ging und stand.
Es stillt hier eine unsichtbare Hand
die Sehnsucht meiner Seele, heilt wie Wunden...
Ach, endlich hat sie wieder heimgefunden
zu ihrem Ursprung in dem Heimatland.
Ich war geboren in Pompeji als Bub,
und starb als Richter hier, in den Ruinen,
als Staub und Lava fielen, Schub um Schub...
Dem Tode konnten viele nicht entrinnen.
Ich weiß, daß der Vulkan auch mich begrub
und komme mich zu suchen unter ihnen...
NACH DEM BESUCH DER KIRCHE "SAN PIETRO"
Ich suchte Dich in Deiner Kathedrale
und fand Dich wieder nicht, doch ich erschrak
vor diesem Prunk. Die Heuchler in der Halle
und Krämer beteten - das falsche Pack.
Gibt´s Dich, bist Du ein Traum? Wir wissen alle
die Wahrheit nicht. Oft treibst Du Schabernack
mit mir - gibst mir zu trinken manche Schale
mit einem gallenbitteren Geschmack.
Uns graut vor dem Tod, dem mysteriösen,
weil er sich gnadenlos und offen zeigt,
und suchen Dich als Retter vor dem Bösen,
wenn unser Leben sich zu Ende neigt.
Wann wirst Du uns von alledem erlösen?
Wir warten schon so lange, Herr! - Gott schweigt.
DIE TOTEN HERCULANEUMS
Seit langem suchten die Archäologen
nach ihnen, doch sie fanden keine Spur.
Das Rätsel - wie ein Vorhang, dessen Schnur
sie heftig, aber stets vergeblich zogen.
Die Grabung trieb man nun in weitem Bogen
und fand statt Menschen Götterbilder nur.
Kein Opfer der entfesselten Natur
war da, als wären sie davongeflogen...
Man grub und suchte weiter. Schließlich kamen
sie zu den Hafentunnels, und sofort
glaubt man vor Schreck beinahe zu erlahmen...
Zu Hunderten Skelette lagen dort:
von Männern, Frauen, Kindern - allzusammen
erstickt an Gasen an dem Zufluchtsort.
TOTENMESSE FÜR POMPEJI
Komm, Trauer, und bedien´ dich deiner Sprache
für eine Totenmesse, Wort für Wort!
Beweinen wollen wir Pompeji, den Ort,
als wäre er das Opfer einer Rache.
Unweit von uns, steht der Vesuv auf Wache.
Reiz nicht den gnadenlosen Mörder dort!
Gedenke, wie er damals immerfort
Staub spie und Lava wie ein Feuerdrache!
Bedenke: Er erwachte und entlüde
wie damals sich auf Menschen, Tier und Flora.
Er ward zu töten tagelang nicht müde...
Jetzt ruht er wie die Büchse der Pandora.
Doch sieh auf die Ruinenwand! Ein Jude
hat dort gekritzel: "Sodom und Gomorrha".
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